Kritik

Die Toten vom Bodensee Fluch aus der Tiefe

„Die Toten vom Bodensee: Fluch aus der Tiefe“ // Deutschland-Start: 10. Februar 2020 (TV) // 28. Februar 2020 (DVD)

Das österreichisch-deutsche Ermittlerduo Hanna Zeiler (Nora Waldstätten) und Micha Oberländer (Matthias Koeberlin) hat mal wieder einen sonderbaren Fall, den es zu lösen hat. Ein junger Mann, der einen sagenhaften Schatz im Bodensee gefunden hat, wurde ermordet. Seltsamer noch: Sein Mund wurde zugenäht. Während die beiden versuchen, hinter das Geheimnis dieser Tat zu kommen, haben sie im Privatleben mehr als genug Ärger. Während Zeiler noch immer mit ihrer Familiengeschichte hadert und an einer beginnenden Beziehung scheitert, knabbert Oberländer noch am Tod seiner Frau – und dem Konflikt mit seinem Vater.

Never change a winning team. Etwas mehr als fünf Jahre ist es her, dass Zeiler und Oberländer in Die Toten vom Bodensee das erste Mal im deutsch-österreichischen Grenzgebiet auf gemeinsame Mörderjagd gingen. Inzwischen ist das Team eingespielt, die diversen konfliktreichen Ecken und Kanten abgeschliffen: Man weiß, was man aneinander hat. Warum sollte sich das beim mittlerweile zehnten Fall ändern? Zumal die Einschaltzahlen relativ konstant sind, meistens lag man bei etwa sieben bis acht Millionen Zuschauern. Und so behielt man das Personal bei, vor wie hinter der Kamera. Neben dem Stammduo ist Regisseur Michael Schneider wieder mit dabei, zum dritten Mal. Drehbuchautor Timo Berndt hat hiermit sogar schon acht Fälle auf seinem Konto.

Was ist denn das Schreckliches?
Entsprechend routiniert gestaltet sich Fluch aus der Tiefe. Routiniert, aber eben auch etwas überraschungsarm. Am meisten sticht noch das Motiv des zugenähten Mundes zu, welches stärker an Horrorfilme erinnert. Dass es hier um mehr ging als nur einen Raubmord, wird dadurch klar. Die Tat hat etwas Symbolisches an sich, ist vielleicht Teil eines Rituals. Später wird der Film noch etwas weitergehen, wenn das Duo auf der Suche nach Antworten bei alten Legenden ankommt, bizarren Überlieferungen und Bräuchen. Die Reihe hat sich immer mal wieder solche Elemente bedient, beim ersten Teil waren es damals keltische Masken gewesen, auf denen ein Fluch lag. Nun geht es also um Pennys, um Hexen, um die Pest.

Während das für einen lokalen und zugleich etwas exotischen Bezug sorgt, ist der Dramateil nicht sonderlich spannend geraten. Zeiler tut sich wie schon zuletzt in Die Meerjungfrau schwer damit, dass ihr Nachbar ihr Avancen macht. Da hat sich in der Zwischenzeit nicht viel getan, der Handlungsstrang bewegt sich nur millimeterweise nach vorne. Bei Oberländer wiederum gibt es durchaus Potenzial: Nicht nur, dass der Tod seiner Frau verkraftet werden muss, ihm droht auch noch der Verlust seiner Tochter. Das wäre natürlich besonders bitter, der zweite Schicksalsschlag in kurzer Zeit. Fluch aus der Tiefe will allerdings selbst nicht viel Zeit investieren, handelt stattdessen – mal wieder – ein schwieriges Verhältnis zwischen den Ermittelnden ab, obwohl das eigentlich längst geklärt war.

Die Suche nach dem Gleichgewicht
Die Balance aus Persönlichem und Beruflichem gelingt dabei nicht so recht. Gerade weil gleich mehrere Problemfelder angesprochen werden, bleibt für jedes einzelne nicht genug Zeit, um eine große Wirkung zu zeigen. Auch der Krimipart hat ein bisschen darunter zu leiden, wenn wesentliche Informationen schon vor der Auflösung mitgeteilt werden. Dadurch fällt der Rätselspaß geringer aus. Dennoch, der zehnte Teil ist solide, wie die meisten vorangegangenen auch. Besonders der historische Anstrich tut dem Fall ganz gut, anders als bei so manch anderem Fall der zwei sind zudem Motiv und Tathergang nachvollziehbar. Wer also neuen Kriminachschub braucht, der ist hier an einer adäquaten Adresse. Neulinge brauchen keinerlei Vorkenntnisse, die filmübergreifenden Themen werden erklärt. Fans schalten sowieso ein, auch wenn Fluch aus der Tiefe nicht wirklich aufregend ist.

Credits

OT: „Die Toten vom Bodensee: Fluch aus der Tiefe“
Land: Deutschland, Österreich
Jahr: 2020
Regie: Michael Schneider
Drehbuch: Timo Berndt
Musik: Christopher Bremus
Kamera: Matthias Pötsch
Besetzung: Nora Waldstätten, Matthias Koeberlin, Aglaia Szyszkowitz, Hary Prinz, Peter Kremer, Stefan Pohl

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Die Toten vom Bodensee: Fluch aus der Tiefe
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Die Toten vom Bodensee: Fluch aus der Tiefe
Beim mittlerweile zehnten Fall rund um das österreichisch-deutsche Ermittlerteam ist Routine angesagt. „Die Toten vom Bodensee: Fluch aus der Tiefe“ gefällt dabei durch folkloristische, historische Elemente. Die privaten Handlungsstränge sind jedoch zu wenig entwickelt, um tatsächlich Wirkung zu zeigen.
6von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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