Das Geheimnis des Grafen von Kaunitz

Das Geheimnis des Grafen von Kaunitz

Kritik

Das Geheimnis des Grafen von Kaunitz
„Das Geheimnis des Grafen von Kaunitz“ // Deutschland-Start: nicht angekündigt

Früh übt sich, wer einmal ein Enfant terrible werden möchte. In den späten Jahren machte Christoph Schlingensief gerne durch bewusst provokative Aktionen oder Inszenierungen auf sich aufmerksam, wenn er etwa Kunst und Politik gnadenlos miteinander verband oder auch seine eigene Krebserkrankung schonungslos in den Vordergrund schob. Dabei hatte der deutsche Künstler ursprünglich einfach nur Filme machen wollen, drehte schon als Jugendlicher erste kürzere, aber auch längere Werke.

Gefangen in einem düsteren Schloss
Eines dieser Frühwerke ist der Kurzfilm Das Geheimnis des Grafen von Kaunitz aus dem Jahr 1976. Darin erzählte der Regisseur von mehreren Jugendlichen, die aufs Land gefahren sind, um dort zu campen, dabei eine eigenartige Beobachtung machen. Neugierig, was es damit auf sich hat, führen sie Ermittlungen durch, welche sie auf das Schloss des besagten Grafen führen. Der Mystery-Effekt ist anfangs durchaus beachtlich, ein paar sonderbare Ereignisse sind gut in Szene gesetzt, vor allem wenn man bedenkt, wie jung Schlingensief damals war und wie wenig Geld ihm zur Verfügung gestanden haben dürfte.

Tatsächlich empfehlenswert ist Das Geheimnis des Grafen von Kaunitz aber nur, wenn man sich für Schlingensief und sein Gesamtwerk interessiert. Während es ein paar stimmungsvolle Momente gibt in dem abgelegenen, düsteren Schloss, sind die Dialoge unterirdisch, die Geschichte völliger Blödsinn und die Darsteller so frei von Leben und Natürlichkeit, als würde man einer Horde von Robotern zuschauen. Das würde höchstens als Krimiparodie funktionieren. Ganz so weit entwickelt war der Provokationswille des späteren Künstlers da aber noch nicht. Hier wollte ein Jugendlicher sich einfach am Medium ausprobieren, was einen gewissen Do-it-yourself-Charme mit sich bringt. Ohne diesen Kontext bleibt aber ein nur dürftiger Film.

Credits

OT: „Das Geheimnis des Grafen von Kaunitz“
Land: Deutschland
Jahr: 1976
Regie: Christoph Schlingensief
Musik: Marek & Vacek, Jon Lord
Kamera: Christoph Schlingensief, Reinhard Lanzhammer
Besetzung: Dieter Hermann, Fritz Kahle, Jürgen Bringenberg, Andreas Ahrens, Martina Neuber, Thomas Pier, Peter Verhoeven

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In seinem frühen Kurzfilm erzählt Christoph Schlingensief von einigen Jugendlichen, die in einem Schloss landen und dabei unheimliche Erfahrungen machen. Atmosphärisch sind einige Stellen in „Das Geheimnis des Grafen von Kaunitz“ geglückt. Inhaltlich und darstellerisch ist das hier jedoch ein reines Amateurwerk, welches man eher der Vollständigkeit halber anschaut.
4
von 10