Kritik

Quiet Comes the Dawn

„Quiet Comes the Dawn“ // Deutschland-Start: 30. Januar 2020 (DVD/Blu-ray)

Sveta (Alexandra Drozdova) schafft es einfach nicht, über den Tod ihres Bruders hinwegzukommen, der sich kürzlich vor ihren Augen das Leben genommen hat. Immer wieder wird sie seither von Albträumen geplagt, die ihr keine Ruhe mehr lassen. Als alles andere nicht mehr hilft, beschließt sie, wie schon ihr Bruder zuvor, sich Hilfe bei einem Institut zur Schlafforschung zu suchen, das der Ursache auf den Grund gehen möchte. Dafür will sie sich zusammen mit weiteren Teilnehmenden in einen bewussten Schlafzustand versetzen lassen, der es ihr und den anderen erlauben soll, sich den Ängsten zu stellen. Doch dann müssen sie feststellen, dass es aus diesem Schlaf kein Erwachen gibt …

Der russische Film hat sich in den letzten Jahren hierzulande eine kleine Nische erkämpft, neben kleinen Kinoevents gibt es so auch für daheim regelmäßig Nachschub. Oft geht es dabei um Krieg, auch das Science-Fiction-Genre ist auffallend häufig vertreten. Eher weniger etabliert ist jedoch der Bereich Horror. Eine der Ausnahme war The Bride, das vor bereits zweieinhalb Jahren bei uns erschien und in Russland offensichtlich ein größerer Erfolg war. Zumindest groß genug, dass auch bei Quiet Comes the Dawn damit Werbung gemacht wird. Genauer sind es die Produzenten, die bei beiden Filmen zugange waren. Das Drehbuch wiederum stammt von Evgeny Kolyadintsev, dessen Fürst der Finsternis ebenfalls 2017 bei uns erschienen ist.

Ein Anfang ohne Ende
Wenig erfahren ist hingegen Regisseur Pavel Sidorov, der vor Quiet Comes the Dawn keine bekannten Filme zu verantworten hatte. Dass er sich im Anschluss vor Angeboten nicht mehr retten kann, ist dabei eher weniger zu erwarten. Die meisten Reaktionen auf sein Debüt sind negativer Natur. Dabei hat der Film durchaus seine Qualitäten. Es dauert aber eine ganze Weile, bis man die zu Gesicht bekommt. Nicht dass es grundsätzlich verkehrt wäre, wenn ein Horrorwerk sich mal ein bisschen Zeit nimmt, anstatt von Anfang an mit Jumps Scares wild um Aufmerksamkeit zu kämpfen. Es sollte aber schon irgendetwas passieren, das es rechtfertigt, Teil des Geschehens zu sein. Die Versuche von Sveta, den Tod ihres Bruders aufzuklären, ziehen sich aber, sind einfach nicht sonderlich interessant.

Ist erst einmal der träge, irgendwie umständliche Einstieg überstanden, nimmt der Unterhaltungsfaktor deutlich zu. Wobei die Geschichte auch im Anschluss nicht unbedingt die besten Argumente liefert, sich Quiet Comes the Dawn einmal anzuschauen. Sicher, wenn es in Filmen die Protagonisten und Protagonistinnen in eine Traumwelt verschlägt, ist das oft ganz nett. Es erlaubt dem Team schließlich, mehr oder weniger alles zu machen, was ihm einfällt. Schade ist nur eben, wenn einem dann nichts Besonderes einfällt, man letztendlich nur das abspult, was man vorher bei der Konkurrenz schon gesehen hat.

Die surreale Nichtigkeit
Es gibt die übliche Ansammlung von Schreckmomenten und das Spiel mit der Realität, wenn die Träumenden irgendwann nicht mehr wissen, was wahr ist und was eingebildet. Zum Ende hin baut Kolyadintsev zwar noch Twists ein. Die bringen aber relativ wenig, sind zu spät und letztendlich ohne wirklichen Einfluss auf das, was passiert. Wenn man die Geschichte schon auf den Kopf stellt, dann sollte sich dadurch auch wenigstens etwas verändern. Aber irgendwie macht das hier keinen echten Unterschied, da hielt man sich wohl für cleverer, als es angebracht war.

Was den Film dabei rettet, sind die Bilder und die Atmosphäre. Sidorov mag zwar nicht der beste Geschichtenerzähler sein, die surreale Stimmung der Parallelwelt ist ihm aber geglückt. Dann und wann erinnert Quiet Comes the Dawn hier an Silent Hill oder Demonic Possession, enthält Schnappschüsse einer gleichzeitig schönen wie albtraumhaften Welt, bei der es durchaus Spaß macht, sie sich etwas länger anzuschauen. Schöner wäre es nur gewesen, wenn dabei auch wirkliche Spannung aufgekommen wäre und man sich irgendwie für die Figuren erwärmen könnte. So bleibt ein unausgegorener Film, der phasenweise geglückt ist, an anderen Stellen aber eher langweilt.

Credits

OT: „Rassvet“
Land: Russland
Jahr: 2019
Regie: Pavel Sidorov
Drehbuch: Evgeny Kolyadintsev
Musik: Garry Judd
Besetzung: Alexandra Drozdova, Aleksandr Molochnikov, Anna Slyu, Oleg Vasilkov

Bilder

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Quiet Comes the Dawn
„Quiet Comes the Dawn“ erzählt von einer jungen Frau, die von Albträumen verfolgt wird, bis sie im Rahmen eines Schlafexperiments den wahren Horror kennenlernt. Spannend ist das nicht so wirklich, auch weil der Inhalt nicht viel hergibt. Dafür sind Bilder und Atmosphäre gelungen, mit einer schön surrealen Note.
5von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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