Kritik

Kiss Kiss Bang Bang

„Kiss Kiss Bang Bang“ // Deutschland-Start: 20. Oktober 2005 (Kino) // 14. Dezember 2006 (Blu-ray)

Für Harry Lockhart (Robert Downey Jr.) ist es immer noch etwas unwirklich, in Hollywood angekommen zu sein. Floh er noch vor ein paar Wochen vor der Polizei, ist er nun Gast auf vielen Partys der High Society in Los Angeles, nachdem er durch Zufall in ein Casting für eine Rolle geplatzt war. Für diese soll er nun die Seiten wechseln und in seinem ersten Film einen Detektiv spielen, wozu ihm aber das nötige Training fehlt. Damit sich dies ändert, soll er ‚Gay‘ Perry (Val Kilmer) begleiten, einen erfahrenen Schnüffler, der sich bestens in den dunklen Gassen der Glitzerwelt auskennt. Direkt bei ihrem ersten Job werden die beiden Männer mit der Leiche einer Frau und Killern konfrontiert, die es so gar nicht mögen, wenn man sich in ihre Angelegenheiten einmischt. Auf einer Party hat Harry zudem seinen Jugendschwarm Harmony (Michelle Monaghan) wieder getroffen, die ebenfalls versuchte, in Hollywood als Schauspielerin Fuß zu fassen. Als Harmonys Schwester tot aufgefunden wird und die Polizei Selbstmord vermutet, engagiert sie Harry – im Glauben, er sei ein Detektiv –, Nachforschungen anzustellen. Wie in den Krimis, die er als Kind gerne gelesen hat, muss er feststellen, dass der Fall sehr viel komplizierter ist als gedacht …

Stars und Leichen
Während die Karriere seines Stars Robert Downey Jr. langsam wieder Oberwasser gewann, fand auch Regisseur und Drehbuchautor Shane Black seinen Weg zurück in die Traumfabrik. Nach den Erfolgen, die er als Autor mit seinen Skripts zu der Lethal Weapon-Reihe, Last Boy Scout und Tödliche Weihnachten feierte, hatte sich Black einen gewissen Ruf innerhalb der Branche erarbeitet. Wie das Branchenblatt The Hollywood Reporter schreibt, feierte Black rauschende Partys – ähnlich denen, die man in seinem Regiedebüt sieht – und wurde zum gern gesehenen Gast der Klatschspalten.

Vor diesem Hintergrund kann man den Sarkasmus und die bittere Ironie verstehen, die im Herzen von Kiss Kiss Bang Bang zu finden sind, gerade wenn es um die Filmindustrie geht. Auch wenn sich eine Figur wie Harry Lockhart als Fremdkörper unter Hollywoods oberen Zehntausend fühlt, ist er doch als Schaumschläger und Selbstdarsteller wie gemacht für die hohle Glitzerwelt, die sich durch Hedonismus und eine rigide Hierarchie definiert, gegen die man als Außenstehender keine Chance hat. Zwar ist der generelle Ton sehr viel ironischer, jedoch erinnert Blacks Skript, das sich teils auf Brett Hallidays Roman Bodies Are Where You Find Them bezieht, an die dunklen Thriller des Schriftstellers James Ellroy, der die Romanvorlagen zu Filmen wie L.A. Confidential und Die schwarze Dahlie schrieb.

Ein ungleiches Duo
Wie bereits in den zahlreichen Actionfilmen, für die Black die Vorlage lieferte, steht ein Männerduo im Vordergrund des Films, welches ungleicher nicht sein könnte. Robert Downey Jr. spielt Harry Lockhart als einen Beobachter, jemanden, der sich in seinem Leben noch nie sehr viele Gedanken über die Konsequenzen des eigenen Handelns gemacht hat und der sich ganz auf sein Glück verlässt. Zudem ist er der sprunghafte Erzähler des Films, der sich verbessert, auslässt und – wie es Downey unvergleichliche Art ist – auf seine erstaunliche Wortakrobatik verlässt, wenn es darum geht, sich aus einer erneuten Misere zu retten. Val Kilmer gibt im Gegenzug den beinharten, desillusioniert wirkenden Detektiv, der sich als zynischer Kommentator der Filmwelt anbietet und dessen Sexualität mehr als nur einmal als Running Gag des Filmes dient.

Dieses Ungleichgewicht macht viel vom Unterhaltungswert, aber auch der Spannung des Films aus. Bei all den teils deftigen Kommentaren, die aufgetischt werden, fiebert man mit diesen beiden Männern mit, die nichts weiter als ein Fünkchen Wahrheit innerhalb der Verlogenheit der Glitzerwelt aufdecken wollen. Anders als die typische „damsel in distress“ in vielen Detektivromanen ist Michelle Monaghans Charakter dabei alles andere als wehrlos, beweist zum Teils sogar mehr detektivisches Gespür als der etwas überfordert wirkenden Harry.

Credits

OT: „Kiss Kiss Bang Bang“
Land: USA
Jahr: 2005
Regie: Shane Black
Drehbuch: Shane Black
Musik: John Ottman
Kamera: Michael Barrett
Darsteller: Robert Downey Jr., Val Kilmer, Michelle Monaghan

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Kiss Kiss Bang Bang
4 (80%) 12 Artikel bewerten

Kiss Kiss Bang Bang
„Kiss Kiss Bang Bang“ bietet – wie der Titel bereits verspricht – viel Unterhaltung, Spannung und Action. Die Verbeugung vor Detektivromanen und ironische Sicht auf Schein und Sein in der Filmwelt wird getragen von guten Darstellern sowie dem gelungenen, pointierten Skripts Shane Blacks.
8von 10

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