Terra Willy

„Terra Willy“ // Deutschland-Start: 5. Dezember 2019 (DVD/Blu-ray)

Eigentlich waren Willy und seine Eltern gerade unterwegs durch die Weiten des Weltalls, als ihr Raumschiff durch eine Explosion zerstört wird. Zwar schafft es der Junge, sich mit einer Rettungskapsel noch in Sicherheit zu bringen, muss sich dafür aber allein durchschlagen. Oder fast allein, Roboter Buck steht ihm hilfreich zur Seite. Und Hilfe kann er mehr als genug gebrauchen, als er auf einem wilden und unerforschten Planeten landet und dort ausharren muss, bis Rettung kommt. Während ihrer Abenteuer begegnen die beiden nicht nur dem zutraulichen Flash, einem der dort heimischen Wesen, sondern auch anderen Kreaturen, die es auf die Fremdlinge abgesehen haben …

Das Motiv des Helden, der Schiffbruch erleidet und alleine in einer feindlichen, gefährlichen, zumindest menschenfreien Gegend überstehen muss, war besonders früher in der Literatur und in Filmen weit verbreitet. Der Prototyp ist hier natürlich Robinson Crusoe, der auf einer einsamen Insel strandete. Ähnliche Geschichten gab es später aber nicht zu knapp. Heute ist das schon ein wenig schwieriger, da müssen Geschichtenerzähler schon suchen, um auf der Erde ein Fleckchen zu finden, wo tatsächlich keine Menschen heimisch sind. Arctic beispielsweise wählte hierfür die Arktis aus. Und wenn das nicht geht, schaut man eben hoch zu den Sternen, zu Der Marsianer – Rettet Mark Watney, wo ein einsamer Wissenschaftler dem roten Planeten trotzen muss.

In einer fremden Welt
Auch Terra Willy verfrachtet dieses Szenario in die Weiten des Weltalls, so weit, dass wir nicht einmal genau wissen, wo wir uns eigentlich aufhalten. Das ist ungünstig für unseren jungen Protagonisten, der doch ganz gerne irgendwann wieder von diesem Planeten weg wollen würde. Für die Designer des französischen Animationsfilms ist dieser Umstand aber ein kleines Geschenk, schließlich bedeutet das für sie, dass sie völlig freie Hand bei der Umsetzung hatten. Und das ließen sie sich nicht zweimal sagen, schufen dabei eine Welt voller kurioser Kreaturen, einer wildwachsenden Fauna und bunt. Sehr bunt.

Die Optik ist dann auch tatsächlich das beste Argument, einmal die Reise ins Weltall zu wagen. Es hat schon ein bisschen was von einem psychedelischen Trip, wenn sich Willy durch farbenfrohe Landschaften schlägt, die den einen oder anderen Gebrauch verbotener Substanzen nahelege, ein wenig wie die moderne Version von Bruno Bozzettos Visionen (Signor Rossi, VIP – Mein Bruder der Supermann). Nur ist das hier natürlich moderner, man vertraut schließlich auf CGI. Dadurch ist der Look auch sehr viel cleaner, es gibt weniger Irritationen. Das trifft besonders auf den Titelhelden zu, der so einfach designt ist, dass er inmitten der vielen anderen Kreaturen ziemlich untergeht.

Bunt, wild, aber etwas langweilig
Als Figur ist er ohnehin nicht interessant, so wie auch die Geschichte nicht wirklich viel hergibt. Terra Willy ist für ein sehr junges Publikum gedacht, was die Möglichkeiten einschränkt. Vielleicht hatte Regisseur und Co-Autor Eric Tosti aber auch einfach keine passende Idee, was er mit dem Szenario anfangen sollte. Also passiert gleichzeitig viel, wenn der Junge durch die Gegend rennt und dabei unentwegt fremden Kreaturen begegnet, und nicht viel. Wäre da nicht Flash, der im Laufe der anderthalb Stunden immer größer wird und von einem kleinen obligatorischen Sidekick zu einem beeindruckenden Riesen heranwächst.

Für die anvisierte Zielgruppe passt das alles, die Kombination aus bunten Farben, kleineren humorvollen Einlagen und hohem Tempo reicht aus, um sich die Zeit zu vertreiben oder den Nachwuchs zu beschäftigen. Erwachsene Zuschauer werden sich aber vorzeitig an allem sattsehen, zumal das eigentliche Abenteuer zwar durchaus brisante, jedoch nicht unbedingt spannende Szenen zu bieten hat. Am Ende ist Terra Willy vorbei, ohne dass man genau wüsste warum. Nett ist der französische Film jedoch sicherlich, wer fürs Heimkino noch ein bisschen Futter braucht, der macht hier nichts verkehrt.



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Terra Willy
In „Terra Willy“ wird ein Junge von seinen Eltern getrennt und muss sich allein auf einem fremden Planeten durchschlagen. Das ist für eine jüngere Zielgruppe gedacht, weshalb die Geschichte letztendlich auch nicht so wahnsinnig viel hergibt. Dafür ist die Optik überraschend stimmig, gefällt durch kuriose Kreaturen und eine leicht psychedelische Stimmung.
5von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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