Kritik

Spione undercover Spies in disguise

„Spione undercover“ // Deutschland-Start: 25. Dezember 2019 (Kino)

Für den Geheimagenten Lance Sterling gibt es keinen Job, der zu groß, zu schwierig oder zu gefährlich ist, bislang hat er noch jedes Abenteuer gemeistert und dabei eine verdammt gute Figur gemacht. Doch jetzt stößt auch er an seine Grenzen: Ihm wird vorgeworfen, die Seiten gewechselt und etwas sehr Wertvolles entwendet zu haben. Das ist natürlich völliger Blödsinn. Dennoch heißt es erst einmal untertauchen, um Beweise für seine Unschuld zu finden. Und Walter Beckett, ein etwas seltsamer Erfinder, soll ihm dabei helfen. Dummerweise kommt es dabei jedoch zu einem kleinen Missverständnis, wodurch sich Lance erst einmal in Taube verwandelt und nun in diesem ungewohnten Körper seine Mission erfüllen muss …

Freunde und Freundinnen spannender Agentenfilme schauten dieses Jahr ein wenig in die Röhre. Während 2020 mit dem neuen James Bond und einem Prequel zu Kingsman: The Secret Service jede Menge edler Spionageaction verspricht, sah es zuletzt etwas mau aus. Whistleblower-Geschichten wie Official Secrets waren da schon der Gipfel der geheimen Unterhaltungskunst. Immerhin, kurz vor Schluss gibt es mit Spione undercover noch einmal einen Anwärter, der mit großen Namen von sich reden macht. Wobei diese aber sekundär sind, zumindest für die anvisierte Zielgruppe.

Ein Humor aus dem Versandkatalog
Dass die hier jünger angesiedelt ist, das dürfte niemanden überraschen. Das gilt für US-amerikanische Animationsfilme fast immer. Und wenn dann noch die Blue Sky Studios dahinterstecken, deren Ruhm zu einem größeren Teil auf Ice Age und den zahlreichen Fortsetzungen beruht, dann weiß man ohnehin, was einen erwartet. Da gibt es viel körperbetonten Slapstick, wenn die Figuren hektisch durch die Gegend rennen, wahlweise fliegen, selbst die banalste Situation in einem großen Chaos endet. Nein, ambitioniert oder überraschend ist das nicht. Spione undercover will das aber auch gar nicht sein.

Das gilt gleichermaßen für die Geschichte als solche, auch die Figurenkonstellation kommt einem schnell bekannt vor. Zwei grundverschiedene Typen, die eine gemeinsame Mission erfüllen müssen? Doch, da fällt einem der eine oder andere Film ein. Vielleicht auch fünfzig. Vieles bleibt dabei zudem schematisch: Die Eigenschaften von Lance (stark, arrogant, cool) und Walter (nervös, einfallsreich, weltfremd) werden gleich zu Beginn festgelegt, groß dran gerüttelt wird später nicht mehr. Außer dass die beiden sich anfreunden, versteht sich, das gehört bei einem solchen Film dazu. Beim Gegenspieler sieht es nicht wirklich besser aus, immerhin wurde ihm aber eine Motivation zugestanden, die über das übliche „ich bin böse“ hinausgeht.

Hey, die kenne ich doch!
Ein weiterer Pluspunkt: Blue Sky Studios haben sich wirklich Mühe gegeben, die animierten Figuren an ihre jeweiligen Vorbilder anzugleichen. Sowohl bei Lance, der im englischen Original von Will Smith (Aladdin) gesprochen wird, wie auch bei Walter, dessen Stimme Tom Holland (Spider-Man: Far From Home), sehen die Charaktere den Sprechern ähnlich, zumindest im Hinblick auf Gesicht und Mimik. Ansonsten ging man bei den Designs mit Humor an die Sache, gerade auch bei den Tauben, die in Spione undercover zu den heimlichen Helden werden. Es ist dann auch diese grundalberne Idee, die in einem witzig-überzogenen Finale auf die Spitze getrieben wird, die dabei hilft, dem Film doch noch eine Form von Identität zu verleihen.

Es reicht nur irgendwie nicht so ganz. So schön manche Ideen sind, darunter Walters Vorliebe für südkoreanische Seifenopern oder eine unwiderstehlich niedliche Geheimwaffe, so sehr werden diese verbraten, wieder aufgewärmt und ein zweites Mal, ein drittes Mal serviert, in der Ansicht: Ach, merkt doch keiner. Für die ganz Jungen vor den Leinwänden wird das sicherlich zutreffen, wenn deren Aufmerksamkeitsspanne die Dauer einer Werbeunterbrechung nicht überschreitet. Beim Rest ergeben sich aber trotz eines hohen Tempos und einer prinzipiell durchaus ordentlichen Optik recht schnell Abnützungserscheinungen: Ein netter Film zur Bespaßung und Zeitüberbrückung, mehr auch nicht.

Credits

OT: „Spies in Disguise“
Land: USA
Jahr: 2019
Regie: Troy Quane, Nick Bruno
Drehbuch: Brad Copeland, Lloyd Taylor
Musik: Theodore Shapiro
Animation: Blue Sky Studios

Bilder

Trailer



(Anzeige)

Spione undercover
4 (80%) 19 Artikel bewerten

Spione undercover
Machen ein Erfinder und eine Supertaube gemeinsame Sache … Moment, wie? Das Szenario von „Spione undercover“ ist schon recht bescheuert, was in den besten Momenten auch ausgekostet wird. Doch trotz vereinzelt witziger Einfälle, der Animationsfilm kommt übers nette Mittelfeld nicht hinaus, da das Tempo zwar hoch ist, irgendwie aber nur wenig Interessantes geschieht.
5von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.