Kritik

Major Dundee

„Major Dundee – Sierra Charriba“ // Deutschland-Start: 17. April 1965 (Kino) // 12. Dezember 2019 (Mediabook)

Im Süden der USA, an der Grenze zu Mexiko, hat Major Amos Dundee (Charlton Heston) das Kommando über ein Kriegsgefangenenlager übertragen bekommen. Der Posten ist alles andere als begehrt und wird innerhalb der Soldaten als Strafe gesehen, weil Dundee Befehle missachtet hat. Völlig unterbesetzt und mit knappen Ressourcen muss er nicht nur Ordnung unter den Gefangenen herstellen, sondern sich auch gegen Indianerangriffe zu Wehr setzen. Als einer dieser Angriffe einen Außenposten der Union zerstört, viele Männer und Frauen ihren Tod finden und deren Kinder von den Apachen entführt werden, sieht Dundee eine Chance, sich wieder etwas beliebter zu machen in den Augen seiner Vorgesetzten. Er beschließt die Apachen und ihren Häuptling zu jagen, koste es, was es wolle. Allerdings braucht er hierfür jede Hilfe, die er finden kann, sodass er gezwungen ist die Gefangenen, vor allem aber seinen Erzrivalen Captain Ben Tyreen (Richard Harris) um Hilfe zu bitten. Unter verschiedensten Versprechungen und unter Zuhilfenahme vieler Druckmittel stellt Dundee eine Truppe aus Soldaten und Verbrechern zusammen, welche die Fährte aufnehmen. Jedoch ist die Stimmung unter den Männern sehr angespannt, es kommt immer wieder zu Ausschreitungen, die vor allem die Fehde zwischen Dundee und Tyreen stets aufs Neue entfachen. Zudem sind die Apachen nicht fern, beobachten die Männer und planen ihren Angriff.

Ein Himmelfahrtskommando
Die besten Geschichten, neben denen, die der Film erzählen kann, sind solche, die deren Entstehung thematisieren. Bei den eher harmlos-harmonischen Making-ofs, die man bei vielen Heimkinoveröffentlichungen im Bonus-Material findet, bekommt man meist eher eine zusammengeschnittene PR-Schau, bei der sich jeder Akteur nur darin übertrumpft, den anderen zu loben. Fast schon wünscht man sich ein solches Raubein wie Sam Peckinpah zurück, der nicht nur mit Western wie The Wild Bunch – Sie kannten kein Gesetz Filmgeschichte schrieb, sondern dafür bekannt war, sich gerne einmal für seine kreative Vision mit Studios, Produzenten oder gar Darstellern zu überwerfen.

Im Falle von Major Dundee oder Sierra Charriba, unter dem der Film in Deutschland auch bekannt ist, wähnte sich Peckinpah zunächst als Regisseur eines großen Monumentalwesterns, der die Wunden und Anspannungen in den letzten Jahren des amerikanischen Bürgerkrieges behandeln sollte. Als dann das Budget gekürzt wurde, war dies der Anfang einer langen Fehde zwischen Regisseur und Studio, in deren Verlauf Peckinpah mit Rauswurf gedroht wurde und letztlich am finalen Schnitt nicht selbst Hand anlegen durfte.

Dennoch sieht man die monumentale Vision der Regie sowie des Drebuchs, an dem Peckinpah mitschrieb, in vielen Szenen an. Anhand der Rivalität zwischen Charlton Hestons und Richard Harris beispielsweise zeigt der Film den tiefen Keil, den der Krieg zwischen ehemaligen Freunden getrieben hat. Während der eine durch die Gewissheit, auf der Verliererseite zu stehen, zunehmend verbittert wird, spielt Heston einen Befehlsmenschen, einen jener maskulinen Helden, dessen Handeln einem eigenen Code folgt, den er seinen Männern durch Drills und gebrüllte Befehlsketten einzutrichtern versucht. Moral und Ehre verwischen bisweilen, hat er doch ein klares Ziel und ein klares Feindbild und wenn die Verfolgung dieser Ziele ein Himmelfahrtskommando sein sollte, dann ist dieser Mann ganz vorne mit dabei.

Der Westen ohne Gnade
Wie in so vielen seiner Western definiert Peckinpah eine Welt ohne Gnade, eine Welt des Blutes und der Gewalt. Gerade die Kriegsszenen, beispielsweise die Bilder des Massakers der Apachen, geben einen Einblick in die Version des Westens, die Peckinpah versuchte in Major Dundee darzustellen, die vielleicht in einem Director’s Cut noch konsequenter ausgesehen hätte. Dennoch unterstreicht gerade das Zusammenspiel der Musik Daniele Amfitheatrofs und der Bilder Sam Leavitts die Wahrheit dieses Krieges, die Zerstörung und die Wunden, die einen scharfen Kontrast zu jeglichen Heldenbildern aufzeigen.

In diesem Westen differenziert Peckinpah nicht zwischen Weißen und Schwarzen, Indianern und Cowboys oder Union und Konföderierten. Der Kampf macht die alle gleich, das Blut ist auf jeder Seite rot und das Biest, welches durch den Krieg zum Vorschein kommt, schlummert in jedem. Niemand außer Peckinpah konnte, wie es auch in Major Dundee der Fall ist, jenes Chaos des Krieges so ausdrucksstark und in all seiner hässlichen Eleganz zeigen.

Credits

OT: „Major Dundee“
Land: USA
Jahr: 1965
Regie: Sam Peckinpah
Drehbuch: Sam Peckinpah, Oscar Saul, Harry Julian Fink
Kamera: Sam Leavitt
Musik: Daniele Amfitheatrof
Besetzung: Charlton Heston, Richard Harris, James Coburn, Jim Hutton, Senta Berger, Warren Oates, Michael Anderson Jr.

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Major Dundee – Sierra Charriba
„Major Dundee“ ist ein zynischer, brutaler Blick auf die letzten Jahre des amerikanischen Bürgerkrieges. Wenn auch nicht immer konsequent, so überzeugen die Leistungen der Darsteller, allen voran Heston und Harris, sowie viele Bilder dieses Filmes, setzen sich zusammen zu einem nicht ganz stimmigen, aber nichtsdestotrotz packenden Western.
7von 10

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