Kritik

Kevin allein zu Haus allein in New York Home Alone

„Kevin – Allein in New York“ // Deutschland-Start: 10. Dezember 1992 (Kino) // 1. Oktober 2015 (DVD/Blu-ray)

Es ist mittlerweile eine bekannte Szene aus dem Hause der Familie McCallister. Abermals ist es Weihnachten und er herrscht großes Chaos, denn auch in diesem Jahr soll das große Fest woanders als daheim gefeiert werden, nämlich auf den sonnigen Stränden Floridas. Während sich seine Familie, vor allem seine Eltern (Catherine O’Hara und John Heard) auf ein paar entspannte Tage freuen, kann sich ihr Sohn Kevin (Macaulay Culkin) so gar nicht mit dem Gedanken an ein Weihnachtsfest ohne Schnee und Tannenbaum anfreunden. Nachdem es wie bereits im letzten Jahr zu einem Streit zwischen ihm und seiner Mutter kommt, muss Kevin abermals die Nacht alleine verbringen, jedoch ist er am nächsten Morgen, zur großen Erleichterung seiner Eltern, mit dabei, als es in Richtung Flughafen geht. Jedoch kann Kevin auf dem Weg zum Boarding nicht mit seiner Familie mithalten und es kommt zu einer folgenreichen Verwechslung, denn als das Flugzeug wieder verlässt, findet er sich in New York City statt in Florida wieder. Durch eine List schafft es Kevin ein Zimmer im renommierten Plaza Hotel zu erhalten und freut sich über die Tage ohne seine Familie, die mittlerweile sein Fehlen bemerkt hat. Doch auf den Straßen der Metropole begegnet Kevin allzu bekannten Gesichtern, nämlich denen von Harry (Joe Pesci) und Marv (Daniel Stern), die inmitten der Festtage einen Spielwarenladen ausrauben wollen. Als Kevin davon erfährt, beschließt er, dass er dies nicht zulassen kann und heckt nochmal viele Fallen aus, die den beiden das Handwerk legen sollen.

Schon wieder alleine
Nachdem Kevin – Allein zu Haus fast 500 Millionen Dollar einspielte, war es nur eine Frage der Zeit, bis ein Studio wie 20th Century Fox mit Plänen zu einer Fortsetzung kommen würde. Die kam dann doch schneller als gedacht, gerade einmal zwei Jahre nach dem ersten Teil, abermals basierend auf einem Drehbuch John Hughes und wieder mit Chris Columbus auf dem Regiestuhl. Mit einem Budget von 28 Millionen Dollar war das Budget der Fortsetzung auch deutlich angewachsen, musste es auch, bedenkt man, dass alleine die Gage für Culkin mittlerweile 4,5 Millionen Dollar betrug und eine Produktion in New York schon alleine der Örtlichkeit wegen um ein Vielfaches teurer ist. So versteht sich auch das zahlreiche product placement im Film.

Bei seinem Erscheinen konnte Kevin – Allein in New York zwar abermals das Publikum überzeugen, erntete aber zahlreich Schelte seitens der Kritik. Dass die Schere dieser beiden Meinungen immer etwas auseinander geht, ist nichts Neues und als Fan der Reihe wird man sich bestimmt nach wie vor über ein weiteres Abenteuer mit dem Spitzbuben Kevin freuen, den Macaulay Culkin wie immer mit der gehörigen Portion Charme, Naivität und Altklugheit spielt. Dennoch bleibt ein nicht zu ignorierender, fader Beigeschmack bei dieser Fortsetzung, die, wie oftmals moniert wurde, doch recht uninspiriert wirkt und die Formel des ersten Teils prompt wiederholt.

Insgesamt liegt eines der Hauptprobleme von Kevin – Allein zu in New York an dem schnell geschriebenen, teils unlogischen Skript. Wenn es um die komödiantischen Aspekte der Handlung oder den Erfindungsreichtum was die Fallen angeht, funktioniert Hughes‘ Skript nach wie vor sehr gut, aber ansonsten bleibt der Plot, der müde weihnachtliche Werte wie Nächstenliebe und Respekt aneinanderreiht, doch sehr brav und lässt das dynamische Chaos des ersten Teils vermissen. Dieses kommt erst in dem unvermeidlichen „Haus voller Fallen“-Teil der Handlung zum Tragen, der ungewollt eine arg sadistische Seite an Kevin McCallister offenbart, der laut lachend seinen Angreifern Ziegelsteine vom Dach entgegenschleudert.

Abermals ist es Joe Pesci und Daniel Stern, vor allem Letzterem, geschuldet, dass dieser letzte Akt nicht allzu düster ausfällt. Ihr wie im ersten Teil sehr physisches Spiel lässt in seinen besten Momenten an die Anarcho-Komödien der Marx Brothers oder die Sketche der Keystone Cops denken.

New York, New York
Wie das Haus in Kevin – Allein zu Haus ist der Ort der Handlung einer der heimlichen Stars des Films. Columbus’ Inszenierung nimmt sich viel Zeit, die touristischen Seiten New Yorks zu zeigen, ohne dabei die dunklen Ecken gänzlich auszublenden, beispielsweise die hohe Armut und Obdachlosigkeit, gespiegelt vor allem in Brenda Frickers Charakter, der innerhalb der Handlung aber eher blass bleibt.

Andererseits lädt der Film ein, diese Stadt durch die Augen eines Kindes zu sehen, fasziniert zu sein und erschrocken, in Chinatown Knaller zu kaufen und im Plaza Hotel ein Zimmer zu nehmen. Den richtigen Ton findet dies vor allem, wie schon beim ersten Teil, durch die kindlich-verspielte Musik John Williams‚, die einen große Teil zum Erfolg beider Filme beiträgt.

Credits

OT: Home Alone 2: Lost in New York
Land: USA
Jahr: 1992
Regie: Chris Columbus
Drehbuch: John Hughes
Musik: John Williams
Kamera: Julio Macat
Besetzung: Macaulay Culkin, Joe Pesci, Daniel Stern, Catherine O’Hara, John Heard, Tim Curry, Brenda Fricker

Bilder

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Kevin – Allein in New York
4.33 (86.67%) 3 Artikel bewerten

Kevin – Allein in New York
„Kevin – Allein in New York“ ist eine immer noch unterhaltsame, aber doch auch uninspirierte Fortsetzung zu „Kevin – Allein zu Haus“, die wenig Neues zu bieten hat und stattdessen sich an der Formel des ersten Teils orientiert. Vor allem dank der Leistungen Joes Pescis und Daniel Sterns sowie der Musik John Williams' kann der Film noch punkten.
6von 10

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