Kritik

Book of Monsters

„Book of Monsters“ // Deutschland-Start: 2. Januar 2020 (Kino)

An ihre Kindheit denkt Sophie (Lindsey Craine) nicht so wahnsinnig gerne zurück, denn das würde bedeuten, auch an ihre Mutter zu denken, die eines Tages von einem Monster unterm Bett verschleppt wurde. Aber jetzt ist sie ja kein Kind mehr. Genauer steht sogar ihr 18. Geburtstag an. Und das will gefeiert werden! Leider tauchen jedoch nicht nur ihre Freundinnen auf und jede Menge anderer partywütiger Gäste. Auch ein paar Monster sind da und wollen unbedingt mitmischen, zum Leidwesen der Menschen, welche sie mit Vorliebe in Stücke reißen. Bald muss Sophie feststellen, dass die ungeladenen Bestien nicht grundlos da sind, sondern vielmehr mit dem Vorfall in ihrer Kindheit zusammenhängen …

Nostalgie ist in! In den letzten Jahren haben reihenweise Filme und Serien die 1980er wiederentdeckt, gerade solche, die aus einem Genre-Umfeld kommen. Es und Stranger Things sind da sicherlich die beiden bekanntesten Beispiele, andere Versuche ließen nach deren Erfolg nicht lange warten. Book of Monsters geht da in eine ähnliche Richtung, verzichtet aber auf das passende Setting. Der Film selbst spielt durchaus in der Gegenwart, sofern man das beurteilen kann. Es laufen auch nicht die typischen Sampler-Evergreens im Hintergrund, die einem die Tränen in die Augen treiben – obwohl eine Party dafür prädestiniert wäre. Und doch ist klar, dass hier eindeutig einer früheren Zeit gedacht wird.

Tricks einer früheren Zeit
Genauer erinnert Book of Monsters daran, wie es war, als Kreaturen der Hölle noch handgemacht waren und nicht dem Computer entsprungen sind. Regisseur Stewart Sparke arbeitet mit Kostümen und realen Requisiten, um damit die Invasoren aus einer anderen Welt zu verbildlichen. Viel Geld hatte er dafür nicht, das ist schnell ersichtlich. Die englische Crowdfunding-Produktion hat nur so das Nötigste zusammengekratzt, um damit einen Film auf die Beine stellen zu können. Da muss man über so manchen billigen Anblick hinwegsehen können. Manchmal wird versucht, das fehlende Budget zu kaschieren, nach dem Motto: lieber nicht zu viel zeigen. An anderen Stellen wird es offen vor sich hergetragen.

Doch was dem Film an technischer Finesse fehlt, das macht er zumindest teilweise durch Herzblut wieder wett. Book of Monsters ist eines dieser Werke, bei denen man merkt, dass echte Fans bei der Arbeit waren und dabei jede Menge Spaß hatten. Ob der sich auf das Publikum überträgt, ist mal wieder eine Frage der persönlichen Vorlieben. Wer beispielsweise nicht mit diesen handgemachten Monster-Vorbildern von anno dazumal aufgewachsen wird und ein bisschen wehmütig an früher zurückdenkt, dem wird bei dem Anblick kaum warm ums eigene Herz werden. Der wird dem Geschehen dann vermutlich auch wenig abgewinnen können.

Viel Tod, wenig Spannung
Spannend ist Book of Monsters kaum, zumindest nicht auf die Weise, die ein Horror-Publikum erwarten dürfte. An Gefahren mangelt es dabei sicher nicht, sind die Monster erst einmal eingetroffen, wird mächtig getötet, gemetzelt und kübelweise Kunstblut verschüttet. Doch das geschieht immer auf eine bewusst übertriebene Weise, so übertrieben, dass hier eher Lachen als Fürchten angesagt ist. Sonderlich raffiniert ist das natürlich nicht. Der Humor ist letztendlich ebenso schlicht wie die Tricks, glänzt zudem nicht mit allzu viel Abwechslung. Im Mittelpunkt stehen die diversen kuriosen Monster und die ebenso kuriosen Versuche, diese mit all dem aufzuhalten, was ein typisches Partyhaus eben so anbietet.

Das ist eine Weile ganz amüsant. Glücklicherweise überstrapaziert der Film auch nicht die Geduld des Publikums: Die Laufzeit liegt bei nicht einmal 80 Minuten, was die Schlachterplatte gut verdaulich macht. Fans altmodischer Horrorkomödien können durchaus mal reinschauen, beispielsweise beim nächsten Videoabend mit Freunden und Bier. Book of Monsters fällt jedoch eher unter die Kategorie „sympathisch“, als dass man das Werk tatsächlich gut nennen müsste. Denn obwohl hier andauernd irgendwas passiert, um die Aufmerksamkeit der Zuschauer und Zuschauerinnen bloß nicht zu verlieren, es ist nur wenig dabei, an das man sich im Anschluss groß erinnern würde.

Credits

OT: „Book of Monsters“
Land: UK
Jahr: 2018
Regie: Stewart Sparke
Drehbuch: Paul Butler
Musik: Dave S. Walker
Kamera: Hamish Saks
Besetzung: Lyndsey Craine, Anna Dawson, Lizzie Stanton, Michaela Longden, Rose Muirhead, Steph Mossman

Bilder

Trailer

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Book of Monsters
„Book of Monsters“ nimmt uns mit auf die Party einer Jugendlichen, bei der ungefragt jede Menge Monster auftauchen. Die Horrorkomödie ist sympathisch, vor allem für ein älteres Publikum, das sich noch an die billigen handgemachten Direct-to-Video-Filme aus den 80ern erinnert. Spannend oder abwechslungsreich ist sie jedoch kaum.
5von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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