Khello Brueder

„Khello Brüder“ // Deutschland-Start: 7. November 2019 (Kino)

Das Flüchtlingsthema lässt uns nicht los, zumindest nicht in den hiesigen Kinosälen. Nachdem kürzlich mit Datsche, Zoros Solo und Heimsuchung gleich drei deutsche Spielfilme erschienen, die sich der Thematik auf humorvolle Weise annäherten, gibt es nun auch im Dokumentarfilm-Bereich Nachschub. Beispiele hierfür gab es in den letzten Jahren bekanntlich nicht zu knapp. Zahlreiche Filmemacher*innen aus dem In- und Ausland haben sich der Problematik angenommen und die unterschiedlichsten Aspekte beleuchtet. Viele berichteten eher umfassend über die allgemeine Situation, wenn auch mit einem speziellen Fokus. Andere wählten ihren Zugang über die persönliche Schiene.

Letztere ist dann auch für Hille Norden das Mittel der Wahl geworden. Genauer stellt sie in Khello Brüder zwei Brüder vor, die zeitversetzt aus dem syrischen Aleppo flohen und in Deutschland eine neue Heimat suchten. Die beiden Schicksale sind zwangsläufig vergleichbar, gleichzeitig aber auch sehr unterschiedlich. Während Tarek als Kontingentflüchtling vergleichsweise einfach den Weg zu uns fand, war sein Bruder Zakwan monatelang unterwegs und ist von den Erfahrungen stark traumatisiert.

Wenn nichts mehr übrig bleibt
Was die beiden jedoch eint: Sie tun sich schwer damit, ihr altes Leben in der Fremde fortzusetzen. Obwohl Tarek inzwischen leidlich gut Deutsch spricht, reicht das kaum aus, um seinen Beruf fortzusetzen – als Journalist braucht man hier dann doch noch etwas mehr Sprachpraxis. Tarek hat es in der Hinsicht einfacher, da er als Künstler ohnehin sprachlos agiert. Seine Bilder sind grundsätzlich von allen zu verstehen, wenngleich sie natürlich sehr von seinen Erfahrungen geprägt sind. So sind die Farben aus seinen Werken verschwunden, mit Hilfe von dunklen Tönen versucht er das Erlebte zu verarbeiten.

Khello Brüder folgt den beiden über einen längeren Zeitraum, zeigt sie bei dem Versuch, heimisch zu werden und noch einmal von vorne zu beginnen. Das geht zwangsläufig mit diversen Rückschlägen einher, macht aber doch Hoffnung. Wenn Zakwan Unterkunft bei einem Paar findet, ohne dass dieses ihn je getroffen hat, dann ist das nicht nur für ihn ein Segen. Es bedeutet auch eine kleine Streicheleinheit für das Publikum, das angesichts fortwährender Hetze und dumpfer Beschimpfungen langsam die Hoffnung für die Menschheit verliert. Zumal auch die Behörden mitspielen und den beiden keine größeren Steine in den Weg legen.

Ein Beispiel für gelungene Integration ist der Dokumentarfilm dennoch kaum, allein schon durch die schwierige berufliche Lage. Dafür demonstriert Khello Brüder eindrucksvoll, was es bedeutet, das eigene Land verlassen zu müssen, alles aufzugeben, Besitz, Familie, Identität. Das Bild des faulen Schmarotzers, der es sich bei uns auf unsere Kosten gut gehen lassen will, bekommt so einen harten Widerspruch. Zumal die zwei auch viel von ihrer Heimat erzählen und den dortigen Zuständen, der großen Lebensgefahr, denen sich noch immer viele aussetzen, weil sie eben nicht fliehen können oder wollen. Trotz der sehr persönlichen Natur des Films hat er damit auch universelle Qualitäten und zeigt, wie aktuell und relevant das Thema ist, selbst wenn wir es so oft schon gehört haben.

Khello Brüder
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Khello Brüder
„Khello Brüder“ erzählt von zwei syrischen Brüdern, die nach Deutschland geflohen sind und versuchen, sich ein neues Leben aufzubauen. Das ist zwangsläufig sehr persönlich, hat aber auch universelle Themen und erinnert daran, was die Menschen auf der Flucht alles zurücklassen mussten.
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