„Lino – Ein voll verkatertes Abenteuer“ // Deutschland-Start: 17. Oktober 2019 (Kino) // 14. August 2020 (DVD)

Im Leben von Lino läuft momentan verkehrt, was nur verkehrt laufen kann. So hat er beruflich einfach keinen Erfolg, was er auch tut. Nicht einmal sein Katzenkostüm, mit dem er als Animateur Kinder unterhalten wollte, konnte daran etwas ändern. Und nun sitzt er auch noch auf der Straße, weil er seine Miete nicht zahlen kann. Aber vielleicht gibt es ja eine Lösung? Zumindest verspricht der selbsternannte Magier Don Léon das. Dummerweise ist das Ergebnis seiner Bemühungen aber so gar nicht das, was Lino sich vorgestellt hat, als er wieder als Katze zu sich kommt – dieses Mal als echte. Und das ist nur der Anfang eines chaotischen Trips für die beiden, wenn ihnen bald die Polizei auf den Fersen ist …

In den letzten Jahren hat es eine Reihe sehr ungewöhnlicher Animationsfilme aus Südamerika gegeben, die alle auf ihre Weise empfehlenswert waren. Das surreal angehauchte Abenteuer Tito and the Birds aus Brasilien beispielsweise. Die Schwarzweiß-Comidadaption Virus Tropical aus Kolumbien. Chile wiederum faszinierte – und verstörte – mit dem experimentellen Stop-Motion-Albtraum The Wolf House. Da wird man unweigerlich neugierig, wenn ein weiterer lateinamerikanischer Animationsfilm bei uns gezeigt wird, umso mehr, wenn das sogar im Rahmen eines regulären Kinostarts erfolgt.

Keine Zeit, muss weiter!
Die Klasse der obigen Kollegen kann Lino – Ein voll verkatertes Abenteuer dann aber doch nicht halten. Ohnehin hinkt der Vergleich, da Regisseur und Drehbuchautor Rafael Ribas hiermit fest ein jüngeres Publikum im Blick hat. Und das geht dann doch oft mit weniger ausgeprägten Ambitionen einher, sowohl in Hinblick auf die Optik wie auch den Inhalt. Wobei durchaus einiges drinsteckt in der brasilianischen Produktion. Es ist sogar so vollgestopft mit Figuren, Ereignissen oder auch völligem Blödsinn, dass man kaum zum Luftholen kommt und einem schon mal der Kopf schwirren kann.

Das wird dann bei Kindern funktionieren, deren Aufmerksamkeitsspanne nur wenige Sekunden beträgt. Länger muss man hier normalerweise nicht warten, bis etwas passiert. Gleichzeitig war Ribas darum bemüht, den jungen Zuschauern und Zuschauerinnen aber auch etwas für den weiteren Lebensweg mitzugeben. Was genau die Aussage von Lino – Ein voll verkatertes Abenteuer sein soll, wird dabei aber nicht klar. Mal geht es um Selbstvertrauen, mal darum, sich um andere zu kümmern, denen man über den Weg läuft. Viele Passagen haben auch gar keinen nennenswerten Inhalt, sondern sind lediglich zur Belustigung eingebaut.

Ein tierisch anstrengender Humor
Leider sind viele dieser humorvoll gemeinten Szenen jedoch eher anstrengend als unterhaltsam. Die ständigen Pups-Witze zeugen nun nicht gerade von einer größeren Kreativität. Auch Verfolgungsjagden gehören zum festen Sortiment von Animationsfilmen, ohne Slapsticksequenzen arbeitet heute kaum noch ein Werk. Dass Lino zu einem echten Kater wird, anstatt nur ein Kostüm zu tragen, ist da noch der originellste Einfall, wirklich sehr lustig ist er aber nicht. Immerhin, durch das hohe Tempo hat man die diversen missglückten Witze schnell wieder vergessen, da man zu sehr damit beschäftigt ist, bei dem Chaos da vorne nicht den Überblick zu verlieren.

Während der Inhalt nur mäßig geglückt ist, trotz gelegentlicher warmherziger oder auch absurder Momente, ist Lino – Ein voll verkatertes Abenteuer visuell erstaunlich gut gelungen. Sicher sollte man sich keine Wunderwerke erwarten, mit der technischen Brillanz von Pixar darf man das hier erst gar nicht vergleichen. Aber es gibt doch immerhin eine Reihe ungewöhnlicher Designs, die Animationen gehen in Ordnung. Bei den Lichteffekten und der Farbwahl kann man ebenfalls nicht meckern, es wäre spannend zu sehen, was das Team mit mehr Geld anfangen könnte – und einem besseren Drehbuch. Ein größerer kommerzieller Erfolg wäre hier eine ziemliche Überraschung, zumal derzeit praktisch jede Woche ein neuer Animationsfilm ins Kino kommt. Fürs Mittelfeld reicht es bei dieser menschlichen Katze aber zumindest schon.



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Lino – Ein voll verkatertes Abenteuer
„Lino – Ein voll verkatertes Abenteuer“ ist ein recht zwiespältiges Vergnügen. Auf der einen Seite rennt die Geschichte um einen Mann, der in eine Katze verwandelt wurde, ziellos umher, verfolgt von zahlreichen oft wenig geglückten Gags. Dafür sieht der brasilianische Animationsfilm besser aus, als man hätte erwarten können, was zusammen mit einigen absurderen Einfällen dann doch noch fürs Mittelfeld reicht.
5von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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