„Marianne & Leonard: Words of Love“ // Deutschland-Start: 7. November 2019 (Kino)

Als im November 2016 der Sänger und Songschreiber Leonard Cohen verstarb, brach eine für dieses Jahr mittlerweile traurige Routine an. In dem Jahr, welches auch die Tode von Musikern wie Prince und David Bowie mit sich brachte, musste sich die Welt abermals von einem ganz großen Künstler verabschieden, dessen Songs und Werke vielen Halt gegeben haben, bezaubert haben, und der nicht zuletzt seine Ambitionen als Autor verband in seinen unglaublich poetischen Songs. Cohen selbst schien seinen Tod vorauszusehen, denn gerade sein letztes Album You Want It Darker ist erfüllt von der Dunkelheit, einer gewissen Todessehnsucht und dem Abschied von diesem Leben.

Wie so viele war auch der britische Regisseur Nick Broomfield (Kurt & Courtney, Whitney. Can I Be Me) tief getroffen vom Todes Cohens. In Interviews erklärt der Filmemacher, dass die Nachricht einherging mit der Erkenntnis, nun einen Teil des eigenen Lebens hinter sich zu haben, zu dem man keinen Kontakt außerhalb von Erinnerungen oder Fotos hat. „Man verliert den Bezug zum großen Ganzen“, erläutert Broomfield mit Bezug auf das eigene Leben und den Menschen, die einem etwas bedeuten. Einen ähnlichen Ausgangspunkt nimmt dann auch seine Dokumentation über Leonard Cohen und seine Muse sowie Geliebte Marianne Ihlen an, die Cohen in seinem Song So Long Marianne verewigt hat.

In den 1960er Jahren treffen Ihlen und Cohen das erste Mal auf der griechischen Insel Hydra zusammen, die zu einem Rückzugsort vieler Künstler und Aussteiger geworden war. Das Gefühl der Heimatlosigkeit sowie der Isolation in ihrer eigenen Familie verbindet beide, bringt sie schließlich zusammen. Während Leonard sich der Schriftstellerei widmet, unterstützt Ihlen ihn, wo es nur geht, und findet Anschluss zu den anderen Künstlern auf der Insel. Als sie den Frust ihres Geliebten ob des ausbleibenden Erfolgs als Autor bemerkt, unterstützt sie ihn, wie viele andere auch, seinen Plan, es als Songschreiber zu versuchen. Gleich mit seinem ersten Song Suzanne landet Cohen einen großen Hit in den Vereinigten Staaten, der erste von vielen, wie sich bald herausstellen sollte.

Dennoch hat der Erfolg einen Preis, denn schon bald ist Leonard immer weniger auf Hydra und immer mehr im Studio oder auf Tournee. Die Beziehung leidet sehr unter der ständigen Distanz zwischen den beiden, und Marianne noch mehr wegen der ständigen Frauengeschichten um ihren Geliebten.

Die Frau hinter dem Song
Wie schon in seinen vorherigen Dokumentationen über Musiker und ihre Beziehungen versucht sich Broomfield am Spagat zwischen der Person des Künstlers und des Menschen. Dies gilt im Falle von Marianne & Leonard sowohl im Falle Cohens als auch Ihlens, deren Lebenswege nachverfolgt werden, Parallelen aufgezeigt werden und ihre Anziehung zueinander definiert wird. Bei all der Bewunderung, die man für die Songs eines Leonard Cohens hat, bleibt der starke Eindruck, den diese Frau auf sein Schaffen hinterlassen hat. Broomfield gelingt es, sein Publikum für beide Personen zu interessieren, mit ihnen zu leiden, auch wenn gerade Cohen in seinem Verhalten Ihlen gegenüber bisweilen streitbar bleibt.

Ein nicht unwesentlicher Bestandteil in ihrer beider Leben nimmt der Zwiespalt zwischen dem gewünschten Leben, dem Erfolg und der Herkunft ein. Die paradiesisch anmutende Insel Hydra, die immer wieder in zahlreichen Aufnahmen aufblitzt, spielt hierbei eine wichtige Rolle, gibt sie doch Einblick in die Möglichkeit des Lebens und Miteinanders, die sie bot für Menschen wie Cohen und Ihlen. Beide können nicht ohne dieses Leben, diese Insel, was speziell Cohen immer wieder zurückkehren lässt. Andererseits wird sie immer mehr zum goldenen Käfig für Ihlen, wie die zahlreichen Interviews mit Zeitzeugen, Verwandten und Freunden zeigen, da sie sich immer weniger als Teil des Lebens ihres Geliebten sieht.



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Marianne & Leonard: Words of Love
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Marianne & Leonard: Words of Love
„Marianne & Leonard: Words of Love“ ist eine berührende, oft sehr poetische Geschichte über eine Liebe, die nicht sein konnte. In zahlreichen Interviews sowie Archivaufnahmen lässt Nick Broomfield die gemeinsame Zeit, aber auch ihre Trennung auferstehen, was seinen Film nicht nur zu einer Musikerbiografie macht, sondern auch zu einem Film über die Macht der Liebe und der Worte.
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