Sarah (Sarah Bolger) kommt einfach nicht zur Ruhe. Gerne würde sie ihren Mann beweinen, der vor ihrer eigenen Haustür ermordet wurde. Doch sie ist viel zu sehr damit beschäftigt, für ihre Kinder Lucy (Macie McCauley) und Ben (Rudy Doherty) zu sorgen und dabei irgendwie über die Runden zu kommen. Und dann taucht auch noch Tito (Andrew Simpson) auf, ein kleiner Dealer aus der Gegend, der gerade dem lokalen Drogenboss Leo (Edward Hogg) jede Menge Ware geklaut hat. Die will er nun bei Sarah verstecken, um von dort aus seine Geschäfte weiterzuführen. Das führt nicht nur zu regelmäßigen Konflikten zwischen den beiden. Die alleinerziehende Mutter muss auch noch fürchten, dass entweder Leo oder die Polizei bei ihnen vorbeischaut, vom Jugendamt ganz zu schweigen …

In Drogenthrillern sind es meistens irgendwelche Cops, die gegen die bösen Dealer in den Kampf ziehen, damit am Ende das Gute doch noch siegt. Aber es geht auch anders, wie A Good Woman Is Hard to Find beweist. Polizisten gibt es hier zwar auch. Die würde jedoch niemand wirklich als Freund und Helfer bezeichnen wollen. In einer anfänglichen Szene wimmeln sie Sarahs Anliegen, die Ermordung ihres Ehemannes aufzuklären, als Zeitverschwendung ab. In einer späteren treten sie selbst als bedrohliche Einheit auf, die keinerlei Grenzen kennt und meint, selbst entscheiden zu können, was denn nun Recht eigentlich bedeutet.

Alle auf eine!
Tatsächlich zeigt der Film seine Protagonistin als eine von allen Seiten belagerte bis unterdrückte Frau. Ob es die besagte Polizei ist, die ständig meckernde Mutter oder die diversen Drogenschufte, die das Sagen haben, jeder hat es auf sie abgesehen. Sie kann nicht einmal ungestört zum Supermarkt gehen, ohne sich abschätzige Kommentare eines Angestellten dort anhören zu müssen. Lediglich eine Dame vom Jugendamt zeigt Verständnis für ihre Lage, versucht sich zumindest hineinzufühlen, was es heißt, als alleinstehende Mutter vor dem Nichts zu stehen. Der Rest? Der will das nicht, kann es vielleicht auch nicht.

Das hört sich nach einem Sozialdrama an. Tatsächlich erinnert A Good Woman Is Hard to Find teilweise auch mehr an die Werke eines Ken Loach (Ich, Daniel Blake) als an Genrekollegen. Zwar bastelt Regisseur Abner Pastoll (Road Games) schon früh an der bedrohlichen Atmosphäre herum. Einen Drogendealer in der eigenen Wohnung zu haben, das hat schon was von einem Home-Invasion-Thriller. Aber es bleibt bei einer abstrakten Gefahr, einer wenig gemütlichen Ruhe vor dem Sturm, bevor es dann irgendwann doch einmal zur Sache gehen darf und der Film sich seine Genreesporen verdient.

Zwischen allen Stühlen
Eine Rachethriller ist der Beitrag des Fantasy Filmfests 2019 damit nicht. Eher versucht er, die unterschiedlichsten Genres unter einen Hut zu bekommen. So ganz funktionieren will das aber nicht, A Good Woman Is Hard to Find irritiert mehr durch die diversen, wenig kompatiblen Elemente, als dass die Kombination zu einer spannenden Reibung führen würde. Für ein tatsächliches Sozialdrama ist das hier zu gewollt, für Rape’n’Revenge hingegen zu zahm – da fehlt die Crowdpleaser-Komponente, wenn Sarah irgendwann doch zur Gegenwehr greift. Irgendwann wird es zudem so absurd, was weder zu der Charakterisierung noch der allgemeinen Stimmung passt.

Dass dieser überkonstruierte Mischmasch überhaupt noch einigermaßen anzuschauen ist, das verdankt er in erster Linie Hauptdarstellerin Sarah Bolger (Emelie). Sie verleiht der Figur der gebeutelten Mutter, die zum Schutz ihrer Kinder über sich hinauswachsen muss, die Art Bodenhaftung, welche das Drehbuch vermissen lässt. Eine Heldin aus Verzweiflung sozusagen. Das allein reicht dann zwar nicht aus, um sich aus dem Mittelmaßmorast zu befreien, wirklich gesehen haben muss man A Good Woman Is Hard to Find sicher nicht. Der Film erfüllt aber seinen Zweck und fasst sich einigermaßen kurz. Zumindest als Zuschauer könnte es einen schlimmer treffen.

A Good Woman Is Hard to Find
4.08 (81.54%) 13 Artikel bewerten

A Good Woman Is Hard to Find
„A Good Woman Is Hard to Find“ erzählt von einer alleinerziehenden Mutter, die über sich hinauswachsen muss, um ihre Familie zu beschützen. Der Film ist dabei eine wenig überzeugende Mischung aus Sozialdrama und Rachethriller, die beiden Bestandteilen nicht gerecht wird, aufgrund der starken Hauptdarstellerin aber zumindest passabel ist.
5von 10

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