Studio 54

„Studio 54 – The Documentary“ // Deutschland-Start: 12. Juli 2019 (DVD)

40 Jahre ist es her, dass einer der berüchtigtsten Clubs in New York seine Tore öffnete. 40 Jahre, in denen Mitbegründer Ian Schrager die Schließung, den Skandal um den Club und den Tod seines Kollegen Steve Rubell verarbeiten musste. Mit der Dokumentation spricht er nun zum ersten mal vor der Kamera unter der Regie von Matt Tyrnauer über seine Erlebnisse und wie er die Zeit in und mit einem der buntesten Clubs durchlebt hat.

Ende der Siebziger Jahre eröffnete der Club in einem alten Theater, welches auch zuvor noch als Fernsehstudio genutzt wurde. Die beiden Gründer Steve Rubell und Ian Schrager, die sich bereits im Studium kennengelernt hatten, erkannten die Zeichen der Zeit und fanden mit dem Club das Verwirklichungsprojekt, von dem sie schon mehrere Jahre träumten. Die Gesellschaft befand sich nach dem Vietnamkrieg und der Watergate-Affäre gewissermaßen mental im Umbruch. Man hatte es satt, sich Gedanken machen zu müssen, suchte nach einem Ort der Sorglosigkeit und Freiheit. Clubs boten für alle genau diese Gelegenheit. Dass Discomusik nicht unerheblich dazu betrug, begründet sich darauf, dass Menschen jeglichen Alters, Herkunft und Orientierung durch sie zusammenkamen. So auch im Studio 54.

Zurück in die Vergangenheit
Und damit wird die Dokumentation nicht nur ein Porträt der Clubkultur sondern im kleinen auch Gesellschaftsporträt der 70er Jahre. Was einen zusätzlich interessanten Blick auf die Geschichte wirft. Denn es macht einmal mehr deutlich, wie viele Menschen sich im Grunde doch nach Zugehörigkeit und einer friedlichen Gemeinschaft sehnen, in der es egal ist, woher man kommt, wen man liebt oder welchen Job man ausübt. Studio 54 wurde für viele eine Art Zufluchtsort, in dem sie ihre Persönlichkeit voll ausleben konnten. Alles in einer Zeit in der Drogen irgendwie dazugehörten und auch AIDS noch keine große Rolle spielte. Was natürlich dazu führte, dass auch Freizügigkeit und Sex zum Clubbild dazugehörte und insgesamt sehr sorglos gehandhabt wurde.

Dass der Club aber nicht nur zu einen Zufluchtsort wurde, sondern auch eine komplett neu Welt erschuf und zu einem angesagten Promitreff wurde, lässt sich auf die Werbestrategie und das Unterhaltungstalent der beiden Gründer zurückführen. Einladungen im großen Stil wurden verschickt, Fotografen und Journalisten bezahlt, damit Artikel sowie Meldungen groß und auf Seite eins in den Nachrichten erschienen. Immer mehr Promis, immer mehr Menschen, die den Club besuchen wollen, immer mehr finanzieller Gewinn – aber mit der Zeit kommen auch immer mehr Neider. Und da gerät Studio 54 1979 in Schwierigkeiten, denn die Steuerfahndung wird auf sie aufmerksam.

Dass damit zunächst einmal das Ende des Clubs besiegelt werden sollte, war in dem Moment wohl noch niemandem bewusst. In dem Kapitel des Clubdaseins erlebt der Zuschauer eine fast spielfilmreife Attitüde Schragers und Rubells, die einem trotz aller Ernsthaftigkeit der Lage ein Schmunzeln abverlangt. Die Dokumention zu Studio 54 punktet mit einem Zusammenschnitt aus Originalaufnahmen, Fotos, Zeitzeugeninterviews und der Schilderung von Ian Schrager. Farbenfrohe Bilder, mitreißende Discomusik und Absurditäten am Fließband täuschen aber nicht darüber hinweg, mit welcher Maßlosigkeit, Überheblichkeit und vielleicht auch Arroganz der Club zu einem gewinnbringenden Objekt wurde.



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Studio 54 – The Documentary
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Studio 54 – The Documentary
Die Dokumentation ist gleichermaßen informativ als auch unglaublich unterhaltsam, das zum einen Gesellschaftsporträt zum anderen Porträt der Clubkultur ist. Die Mischung stimmt, genauso wie im berüchtigten Studio 54 damals auch.
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