(„Léon“ directed by Luc Besson, 1994)

Lange bevor Luc Besson Drehbücher von Filmen wie From Paris With Love oder Taken verfasste, gelang ihm 1994 mit The Professional der große Wurf. Laut Interviews war der Streifen eigentlich nur ein Lücken- und jetzt im Nachhinein wohl auch ein Kassenfüller, da die Zeit für Das Fünfte Element, ein weiterer grandioser Erfolg übrigens, einfach noch nicht gekommen war.

Léon ist nicht nur der Originaltitel sondern auch der Name des Profikillers von dem uns Besson hier erzählt. Gespielt wird diese Hauptfigur von Jean Reno, der hier wohl die Performance seines Lebens gab.
 Der wortkarge und (vermutlich) französische Immigrant verdient sich seine Brötchen im Big Apple indem er für Mafiaboss Tony (Danny Aiello) irgendwelche Leute umbringt. Er steht bei den Italienern hoch im Kurs, denn es gibt keinen sorgfältigeren und präziseren Cleaner als ihm. So etwas wie Freizeit existiert für Léon nicht. Ein striktes Fitnesstraining, gezielte Ernährung und viel Training lautet die Devise und wenn er nach getaner Arbeit nach Hause in seine heruntergekommen Wohnung zurückkehrt, verbringt er die Nacht in der Ecke auf einem Sessel, am Tischchen daneben die Pistole griffbereit haltend.

Als er eines Tages miterlebt wie die chaotische und in illegale Geschäfte verwickelte Nachbarsfamilie (u.a. Michael Badalucco) von irgendwelchen korrupten Bullen niedergemetzelt wird, läuft ihm die einzig Überlebende des Massakers regelrecht die Arme. Die zwölfjährige Mathilda (Natalie Portman) entpuppt sich sehr schnell als aufgewecktes und keckes Mädchen, das wahrlich nicht auf dem Mund gefallen ist. Nachdem sie dann auch noch per Zufall dahinter kommt wie Lèon sein Geld verdient, ist das Mädchen restlos begeistert. Sie will nicht nur Auftragskillerin werden, sondern mit den dann erworbene Fertigkeiten auch die Mörder ihrer Familie zur Strecke bringen.

Interessant ist, vor allem im direkten Vergleich zu Bessons jüngsten Geschreibsel, dass der Film primär von seinen Figuren und natürlich deren außergewöhnliche Beziehung lebt anstatt auf Action zu setzen.Diese wird zuweilen sogar nur angedeutet wenn etwa Léon blutverschmiert von einem Job zurückkehrt, dessen Ausführung der Zuschauer aber nie gesehen hat.
Mal abgesehen, dass der Film uns, zumindest teilweise, illustriert wie ein minderjähriges Mädchen zum Profikiller ausgebildet wird, lag und liegt die Brisanz wohl daran, dass Mathilda sich in ihren Retter und letztlich wohl auch Vaterfigur verknallt. Von Pädophile kann aber natürlich nicht die Rede sein, vielmehr wirkt das Ganze so wie ein unschuldiges Liebesabenteuer zwischen zwei Schulkindern. Reno lässt seine Figur äußerst weltfremd und irgendwo auch infantil wirken, was deshalb oft den optisch nicht übersehbaren Altersunterschied etwas relativiert.

Neben den bereits gelobten Reno muss natürlich auch Gary Oldman erwähnt werden, der hier als Bösewicht fungiert und seinen Job sehr gut macht. Alleine die Szene in der er Mathildas Verwandtschaft quasi im Alleingang vernichtet und über klassische Musik paraphrasiert ist ganz, ganz groß. Die damals größte Entdeckung war aber wohl die junge Natalie Portman, die Kritik und Publikum gleichermaßen begeisterte und damit in Hollywood Fuß fassen konnte. Hoffentlich darf ich sie Anfang nächsten Jahres wieder so loben wenn denn auch bei uns Aronofskys Black Swan anläuft.

Warum man von Leon – Der Profi immer noch die reine Kinofassung vermarktet ist mir schleierhaft. Ich habe diesmal diese deutlich gekürzte Version gesichtet und war am Ende darüber erzürnt was dabei geschnitten wurde. Es sind wertvolle aber vor allem menschliche Momente die hier fehlen und dem Werk wesentliche Bestandteile rauben. Am Ende ist es eine ganze halbe Stunde die der Schere zum Opfer fiel und, vorausgesetzt man kennt den Director‘s Cut, einem das Filmerlebnis deutlich vermiest.

Zum Glück betrifft das dann aber weniger den wunderbaren Soundtrack von Eric Sierra der vor allem gegen Ende nochmals ordentlich aufdreht.
 In jeder Hinsicht also ein absolut grandioser Film der einfach in jede gut sortierte Sammlung gehört

Léon – Der Profi
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