Coriolanus

„Coriolanus“ // Deutschland-Start: 16. Juli 2012 (DVD/Blu-ray)

Das römische Volk leidet unter einer Nahrungsmittelknappheit, welche die Bevölkerung nun auch gegen die Obigen aufgebracht hat. Insbesondere der hochdekorierte Feldherr Caius Martius (Ralph Fiennes) hat schon mehrfach die Wut des Volkes auf sich gezogen durch sein hochmütiges Verhalten und da er keinen Hehl aus seiner Verachtung für die Bürger macht. Die Qualitäten Martius‘ liegen daher weniger in der Diplomatie, sondern vielmehr auf dem Schlachtfeld, was sogleich getestet wird, da Rom von der volskischen Armee unter der Führung ihres Kommandanten Tullus Aufidius (Gerard Butler) angegriffen wird. In einem erbitterten Kampf gelingt es Caius Martius seinen Todfeind zu schlagen und zum Dank wird ihm bei seiner Rückkehr in Rom der Titel „Coriolanus“ verliehen. Seine Mutter Volumnia (Vanessa Redgrave) sowie Senator Menenius (Brian Cox) legen dem skeptischen Martius zudem nahe, sich um die Stelle als Konsul zu bewerben, eine Position, die es nötig macht, dass dich Martius dem Volk zeigt und sich dessen Gunst erschleicht. Jedoch bringen die extremen Ansichten des Feldherren sowie sein Temperament ihn auf Kollisionskurs mit den Bürgern und er provoziert eine tiefe Spaltung des römischen Reiches.

Das moderne Gewand des Barden
Im Making-of, welches sich auf den Heimkinoveröffentlichungen des Filmes befindet, berichtet Regisseur und Hauptdarsteller Ralph Fiennes von seiner Leidenschaft für eines der wohl sperrigsten Stücke William Shakespeares. Seitdem er 2000 zum ersten Mal in die Rolle des Caius Martius geschlüpft war, wollte Fiennes das Stück unbedingt verfilmen, diesem aber ein modernes Gewand verleihen. Die Verstrickungen der Politik sowie die Beziehung des Politikers zum Volk erkennt er als universelle Themen, die man ohne große Veränderungen in die heutige Zeit übertragen kann. Bei der visuellen Umsetzung verfolgt Fiennes, zusammen mit Drehbuchautor Richard Logan sowie Kameramann Barry Ackroyd, einen Ansatz, der vergleichbar ist mit Richard Loncraines Umsetzung von Richard III. (1995) mit Ian McKellen und Annette Bening.

Konkret heißt dies, dass das Rom im Film eine urbane Metropole ist, in der sich die Zeichen der tiefen Spaltung von Arm und Reich an jeder Straßenecke finden lassen. Die post-industriellen Spuren, der Dreck sowie die Verschmutzung, sowie die ständigen Kriege gegen Aufständische oder die volskische Armee haben ihren Beitrag dazu geleistet, eine Gesellschaft vor der Zerreißprobe zu definieren. Die drastischen Bilder, insbesondere bei den Straßenkämpfen, erinnern hierbei an die Aufnahmen aus heutigen Krisengebieten, was dem Geschehen eine unmittelbare Dramatik verleiht, die über den ganzen Film hinweg gehalten wird. In Coriolanus sind dies nicht bloß Dekor, sondern zentrale, handlungstragende Elemente, die uns in die Monstrosität der Charaktere, ihrer Handlungen sowie die damit verbundene Resultate anzeigen.

„Zorn ist meine Speise.“
Als Darsteller des Caius Martius interpretiert Fiennes diesen als bulligen, soldatischen Tugenden verschriebenen Menschen, für den der Konflikt alles ist. Unbewandert in der für einen Konsul so wichtigen Disziplin der Diplomatie, sucht Martius viel lieber das Schwert oder – sofern dies nicht zur Hand ist – eine scharfe Wortwahl. Trotz des Konfliktes, der durch sein Auftreten entfacht wird, ist Caius daher keinesfalls ein Bösewicht wie Richard III., da er vielmehr im Sinne seiner Erziehung sowie seiner Prinzipien handelt. Als seine Mutter verkörpert Vanessa Redgrave eben jene Unnachgiebigkeit, die sich ebenfalls in ihrem Sohn zeigt, wenn sie davon spricht, sie wäre bereit jeden ihrer Söhne für Rom auf dem Schlachtfeld zu opfern. Das Blut, der Schweiß und die Narben des Krieges zählen in dieser Familie alles.

Jedoch stellt Fiennes, wie auch das Skript Logans, diese Eigenschaften, sowie die allseits präsente Machtgier, als Symptome einer kranken Gesellschaft dar. Ohne klare Zuteilungen von „gut“ und „böse“ gleicht selbst das auftretende Volk in seinem Wankelmut eher der modernen Vorstellung des Wutbürgers. Die Leidenden unter diesem Grabenkrieg sind die Anderen, die keine Stimme zum Schreien haben und die ihr Leben außerhalb des Senats und den Marktplätzen der Stadt führen müssen.

Coriolanus – Enemy of War
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Coriolanus – Enemy of War
Mit einer Verfilmung des "Coriolanus" ist Ralph Fiennes eine gelungene Modernisierung des Shakespeare-Stückes gelungen, die dessen Komplexität in die heutige Zeit überträgt. Dies ist ein den Zuschauer fordernder Film, der – ähnlich wie dessen Hauptcharakter – die Auseinandersetzung mit dessen Themen provoziert.
8von 10

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