„Das Leben des David Gale“ // Deutschland-Start: 13. März 2003 (Kino) // 18. September 2003 (DVD)

Professor Doktor David Gale (Kevin Spacey) gewährt der Journalistin Bitsey Bloom (Kate Winslet) drei Interviewtermine: am Dienstag, am Mittwoch und am Donnerstag, jeweils für zwei Stunden. Am Freitag geht es leider nicht, da Gale dann exekutiert wird. Er sitzt in einem Todestrakt in Texas, da er seine Kollegin Constance (Laura Linney) ermordert haben soll. Beide gehörten „Deatchwatch“ an, einer Aktivistenorganisation gegen die Todesstrafe. Die Beweislast ist erdrückend, aber ist Gale wirklich schuldig? Ist er Opfer einer Verschwörung? Bitsey und ihr Praktikant Zack (Gabriel Mann) fangen zwischen den Sitzungen mit Gale an, auf eigene Faust zu recherchieren.

Aus heutiger Sicht mag Das Leben des David Gale für den ein oder anderen Zuschauer einen äußerst unangenehmen Beigeschmack haben. Kevin Spacey im Gefängnis, Vergewaltigungsvorwürfe an Kevin Spacey, ein gefallener Kevin Spacey, den niemand mehr für seine Erfolge sieht, sondern nur noch für das, was er angeblich getan hat. Abgesehen von der Gefängnissache (noch) ist auf den ersten Blick nicht klar, ob dabei nun von Kevin Spacey oder der von ihm verkörperten Titelfigur die Rede ist. Life imitates art. Wer den Künstler nicht vom Kunstwerk trennen kann, sollte den Film vielleicht lieber nicht anschauen.

Spannender Film mit guten Einzelteilen
Das Leitmotiv, das die Söhne von Regisseur Alan Parker (12 Uhr nachts) – ihrerseits verantwortlich für den Soundtrack – komponiert haben, zeichnet sich nicht nur durch eine fatale Melancholie aus, sondern untermalt gewisse Schlüsselszenen auch noch virtuos, erhebt sie gleichsam, und dürfte dem Zuschauer noch eine ganze Weile nach dem Abspann ins Gedächtnis eingebrannt sein. Mit geschickt eingesetzter und klug komponierter Musik lassen sich oft einige Schwächen im Film kaschieren, was bei Das Leben des David Gale zum Glück nicht nötig ist. Die Performances der Darsteller sind durchweg überzeugend und verstärken die Spannung noch, die vom Skript selbst ausgeht. Weitere Unterstützung erhält der Film durch die Kameraarbeit von Michael Seresin (Mogli: Legende des Dschungels), welcher die Gefängnisszenen wie die Flashbacks gekonnt einfängt und in interessanten Bildern festhält. Gemeinsam mit Bitsey und Zack wird der Zuschauer Zeuge, wie sich das Puzzle Stück für Stück zusammensetzt und Gales Hintergrundgeschichte zum Vorschein kommt.

Der finale Twist am Ende mag auf einige Zuschauer wie Betrug wirken. In Wahrheit jedoch trägt er zur Charakterisierung mehrerer Figuren bei und erlaubt einen Einblick in die menschliche Psyche. Das Leben des David Gale würde auch ohne die Wende funktionieren und es ließe sich sicher argumentieren, dass sie die Aussage des Filmes zunichtemacht. Das trifft allerdings nur zu, wenn bereits von einer Aussage ausgegangen wird, die sich nur ohne die Wende begründen ließe. Da der Twist Teil des Films ist, muss er bei der Interpretation miteinbezogen werden, erst aus dem Ganzen lässt sich die Message herleiten. Anders als in Black Butterfly: Der Mörder in mir ruiniert das Ende den Film nicht, es ruiniert lediglich die Aussage, die jemand vielleicht gerne darin gesehen hätte. Nun heißt das nicht, dass Das Leben des David Gale nicht etwas cleverer konstruiert sein könnte. Auch ein strafferes Pacing wäre hier und da nicht verkehrt, fünf bis zehn Minuten kürzer hätten dem 130-Minuten-Werk durchaus nicht geschadet. Unterm Strich bekommt man hier aber einen spannenden Film mit packender Story geliefert.



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Das Leben des David Gale
"Das Leben des David Gale" ist kompetent erzählt und profitiert von guten Schauspielern und Kameraeinstellungen. Das Ende konterkariert in gewisser Hinsicht die vermeintliche Aussage des Filmes, illustriert aber anschaulich, wie weit manche Menschen für ihre Überzeugungen zu gehen bereit sind.
7von 10

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