Ein Rezept fuer die Liebe

„Ein Rezept für die Liebe“ // Deutschland-Start: 25. März 2019 (DVD/Blu-ray)

Was damals idyllisch als gemeinsam geführte Pizzeria begann, sind heute zwei nebeneinander liegende, bei denen die beiden Familienoberhäupter kein gutes Haar aneinander lassen. Darunter leiden auch ihre beiden Kinder Nikki (Emma Roberts) und Leo (Hayden Christensen). Spielten sie noch als Kinder zusammen in den Straßen von Little Italy in Toronto, ging sie später nach London, um ihre kulinarische Ausbildung in einem Sternerestaurant zu machen, während er in der Pizzeria seines Vaters dessen ewige Leier vom Streit erduldet. Als Nikkis Chefin ihr die Leitung in ihrem neuen Restaurant anbietet, kehrt sie zur Vorbereitung für einige Wochen nach Hause zurück. Dort ist alles beim Alten … fast alles. Aus dem kleinen Leo ist inzwischen ein echter Mädchenschwarm geworden. Die beiden kommen sich nach Jahren der Fremde wieder näher und es dauert nicht lange, bis die ersten Funken fliegen. Einziges Problem: Ihre beiden Familien! Niemand darf davon erfahren, aber ewig geheim halten können sie es genauso wenig. Wenn jemand doch nur wüsste, womit der Streit damals begann.

Zwei Familien, ein Streit und jede Menge Pizza! Die Rezeptur der modernen romantischen Komödie ist bekannt: Man nehme zwei ungleiche Turteltäubchen, beträufle sie mit ein wenig Romantik und schmeiße sie anschließend in ein kühles Dramaturgiebad. Wer am längsten die Luft anhalten kann, hat am Ende die Möglichkeit auf ein glorreiches Happy End. Machen wir uns doch nichts vor: Am Ende gibt es immer das Happy End und wer würde es anders wollen?! Ich für meinen Teil kann mich noch so sträuben und wehren, aber angucken muss ich sie trotzdem – diese RomComs. Die Achillesverse meines von Ironie und Zynismus gestählten Kreativkörpers. Umso trauriger die Ausbeute der letzten Jahre. Ein Genre, welches wie viele andere eine andauernde Durststrecke erfährt und nur bedingt mit glitzernden Perlen im sumpfigen Flussbett auf sich aufmerksam machen kann.

Einmal Story mit allem, bitte
Man locke den misstrauischen Zuschauer also mit leckerem Essen zum Bestaunen, denn davon gibt es zur Genüge. Pizza soweit das Auge reicht, in allen erdenklichen Formen, und wenn man glaubt es gibt keine mehr, kommen von irgendwo zwei neue daher. Ganz so leicht macht es sich der Film jedoch nicht und verpackt die sich ankündigende Liebesromanze aus Kindertagen in ein karikaturhaftes Kostüm der überzeichneten Handlungen: Oma Franca (Andrea Martin) und Opa Carlo (Danny Aiello), die ihre Beziehung ebenfalls vor ihren Söhnen geheim halten. Die beiden Streithähne Sal (Adam Ferrara) und Vince (Gary Basaraba), die keine Sekunde vergehen lassen, um einander in die Pfanne zu hauen. Die beiden Ehefrauen Dora (Alyssa Milano) und Amalia (Linda Kash), die hinter dem Rücken der beiden Vino schlürfen und sich über den neuesten Klatsch und Tratsch den Mund wässrig reden. Nicht zuletzt komplimentieren der homosexuelle Luigi (Andrew Phung), der eigentlich Asiate ist und Lizao Ping heißt, ein Marihuana-Zwischenfall sowie eine notgeile Polizistin das irre italienische Intermezzo. Ein Absurditätsfeuerwerk der Superlative, welches nicht unbedingt kreativ ist, dafür aber mehr als unterhaltsam.

Liebe schmeckt anders
Dem steht die eigentliche Romanze gegenüber, die sympathisch daherkommt, durch die abstrusen Szenarien an Fahrt gewinnt, aber sich schlussendlich an einem wenig überzeugendem Pärchen die Zähne ausbeißt. Der auf jung getrimmte Hayden Christensen (First Kill) mit Möchtegernakzent wirkt neben einer ebenfalls schauspielerisch blass daherkommenden Emma Roberts (American Horror Story) gar fehl am Platz. Man sehnt sich nach den skurrilen Nebenschauplätzen, die der plastischen Liebelei eine willkommene Slapstick-Einlage verleihen.

Ein Rezept für die Liebe hat das Herz am richtigen Fleck, zumindest wenn man über die beiden Protagonisten hinaus auf eine völlig überzogene Familienfehde blickt, die in ihrem Humor an alte Klassiker wie Wie werde ich ihn los in 10 Tagen, Miss Undercover und Richie Rich von Regisseur Donald Petrie erinnert. Im Auge des Liebesorkans gibt es derweil aufgewärmte Liebeshäppchen nach Schema F. Ein gewagter Qualitätsspagat, der leider nicht aufgeht und ein Happy End der Kritik in weite Ferne rücken lässt.

Ein Rezept für die Liebe
3.65 (72.94%) 17 Artikel bewerten

Ein Rezept für die Liebe
Genreliebhaber kommen zwar auf ihre Kosten, was zu heutigen Zeiten aber leider nicht mehr viel heißen will. Eine amüsante Schar an Nebencharakteren fällt einer drögen Liebesgeschichte zum Opfer, deren Ursprung in einem unpassendem Schauspielerduo liegt.
6von 10

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