Iron Sky The Coming Race

„Iron Sky: The Coming Race“ // Deutschland-Start: 21. März 2019 (Kino)

Das war’s dann wohl. Nachdem sich die Menschheit mit den Mondnazis einen heftigen Atomkrieg geliefert hat, ist die Erde kein sonderlich einladender Ort mehr. Und auch der Mond, wohin sich alle flüchteten, sieht seinen letzten Tagen entgegen. Aber was tun? Während die einen ihr Glück im Weltraum suchen und neue Planeten besiedeln wollen, machen sich Mechanikerin Obi Washington (Lara Rossi), Pilot Sasha (Vladimir Burlakov) und Kämpfer Malcolm (Kit Dale) auf den Weg zur Erde. Denn in deren Inneren, so heißt es, soll eine ganz eigene Welt existieren, die für die Menschen eine neue Heimat werden könnte. Doch dort haben es sich schon ganz andere gemütlich gemacht …

Was lange währt, ist endlich … da. Schon 2012 wurde angekündigt, dass es eine Fortsetzung zu Iron Sky – Wir kommen in Frieden geben würde. Richtig erfolgreich war die Science-Fiction-Komödie um versteckte Mondnazis zwar nicht, zumindest nicht im Vergleich zum Budget – 8 Millionen Euro standen hier 7,5 Millionen Euro gegenüber. Da Letztere aber zu einem großen Teil über Crowdfunding eingenommen waren und der Film ohnehin nur eine reine Fanangelegeheit war, galten die normalen Regeln der Marktwirtschaft nicht bei der Entscheidung, ob es einen Nachfolger geben würde. Regeln der Logik sowieso nicht.

Größer und doch kleiner
Auch The Coming Race wurde wieder mittels Beteiligung der Fans finanziert, das Budget hat sich diesmal sogar mehr als verdoppelt. An den Kinokassen dürfte sich der Aufschlag aber kaum bemerkbar machen, denn so richtig groß ist der Hype derzeit nicht. Feierte der Vorgänger immerhin noch bei der Berlinale Weltpremiere, reichte es diesmal nur für ein kleineres Festival in Finnland. Und von Feierlaune kann keine Rede sein, die Reaktionen dort waren mäßig bis verheerend. Hierzulande sieht es nicht besser aus.

Ein Grund ist sicher, dass ein derart absurdes Szenario – die Nazis haben auf dem Mond eine geheime Basis gegründet – beim zweiten Mal nicht dieselbe Wirkung erzielen kann. Das hatte Timo Vuorensola, der erneut Regie führte und das Drehbuch mitschrieb, aber auch gar nicht vor. Nazis sind im Film praktisch gar nicht mehr zu sehen. Stattdessen bedient sich The Coming Race an einem 1871 erschienenen Roman von Edward Bulwer-Lytton über eine unterirdische Herrenrasse, von deren Existenz manche Verschwörungstheoretiker tatsächlich überzeugt war. Aber auch das sieben Jahre zuvor veröffentlichte Die Reise zum Mittelpunkt der Erde von Jules Verne hat seine Spuren hinterlassen.

Zwischen zwei Welten gefangen
Das Ergebnis ist äußerst zwiespältig. War Iron Sky seinerzeit gut gelaunter Trash, gleicht der Nachfolger eher einem klassischen Abenteuer. Das hat einen gewissen altmodischen Charme, denn vergleichbare Filme gibt es heutzutage praktisch gar nicht mehr. Nur ist The Coming Race eben nichts Halbes und nichts Ganzes. Bei dem Versuch, beides zu sein, manövrierte sich Vuorensola in ein Niemandsland, das keines von beidem richtig macht, Traditionelles mit Bescheuertem verbinden will. Für Trash ist das hier zu sehr von sich selbst überzeugt, für ein spannendes Abenteuer aber zu albern, sodass am Ende niemand wirklich etwas davon hat. Selbst die damals lustigen satirischen Elemente zünden diesmal nicht. Anspielungen auf Apple-Kult im Jahr 2019? Das kommt dann doch ein paar Jahre zu spät.

Hin und wieder zeigt Iron Sky: The Coming Race, dass da doch mehr drin gewesen wäre. Wer beispielsweise die Szene nicht schon aus dem Trailer kennt, darf an einem späten grotesken Auftritt von Udo Kier seinen Spaß haben. Zudem ist das Erkundungstrio Lara Rossi (Crossing Lines – Staffel 2), Vladimir Burlakov (Deutschland 83) und Kit Dale sympathisch, auch wenn sie nicht so viel Forderndes zu tun bekommen. Das ist am Ende nicht die große Katastrophe, die manche in dem Film sehen wollen. Er ist nur irgendwie langweilig und unerwartet gewöhnlich, weder so lustig noch so spannend, wie er gern sein möchte.

Iron Sky: The Coming Race
4 (80%) 13 Artikel bewerten

Iron Sky: The Coming Race
Der Vorgänger hat durchaus einen gewissen Kultstatus, vom Nachfolger ist das eher nicht zu erwarten. Der Versuch, eine von klassischen Abenteuerromanen inspirierte Geschichte mit dem Trash von „Iron Sky“ zu kombinieren, führt zu keinem nennenswerten Ergebnis. „The Coming Race“ überzeugt weder als das eine, noch das andere, es mangelt am Ende sowohl an zündenden Gags wie auch an Spannung.
4von 10

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