Herzen schlagen laut

„Herzen schlagen laut“ // Deutschland-Start: 29. November 2018 (DVD)

Die Zeichen stehen auf Veränderung im Leben von Frank (Nick Offerman). Da wäre sein Plattenladen, den er viele Jahre geführt hat, der sich inzwischen aber einfach nicht mehr rentiert und deshalb bald Geschichte ist. Vor allem aber geht ihm nahe, dass seine Tochter Sam (Kiersey Clemons), die er nach dem Tod seiner Frau allein großgezogen hat, fortgehen wird, um Medizin zu studieren. Als die beiden noch einmal zusammen musizieren, so wie sie es früher oft getan haben, bietet sich ihnen plötzlich eine ganz neue Perspektive: Ihr Lied „Heart Beats Loud“ wird zu einem Überraschungshit auf Spotify. Was wäre, wenn sie eine Band gründen und auf Tour gehen würden, was schon immer Franks großer Traum war?

Als vor über 40 Jahren das Sundance Film Festival gegründet wurde, dann um unabhängigen Nachwuchsfilmemachern eine Bühne zu bieten. Und auch wenn hin und wieder nach wie vor etwas eigenwillige Werke auf dem Filmfest ihre Premiere feiern, so ist der Name Sundance doch auch für viele zu einem Synonym für gefällige Tragikomödien geworden, die quasi die Mainstream-Variante des Nerds darstellen und niemanden wirklich weh tun wollen. Etwas, das man sich gut anschauen kann, das im Anschluss aber auch schnell wieder vergessen ist.

Böse haben Sendepause
Herzen schlagen laut, das 2018 das Festival abschloss, ist ein solcher Film. Ein netter Film, in vielerlei Hinsicht. Hier gibt es niemandem, der einem etwas Böses will oder nennenswerte Mängel aufweist. Sicher, Frank zeigt nicht so wahnsinnig viel Verständnis für den Lebensweg, den seine Tochter einschlagen will. Und Kompromissbereitschaft gehört ebenfalls nicht zu seinen herausragenden Eigenschaften. Trotz seines Zottelbartes ist er eher wie ein großes Kind, das auch mal ein wenig patzig werden darf, wenn das alles nicht so läuft wie von ihm gedacht.

Gleichzeitig ist es aber eben auch irgendwie charmant, mit welchem Enthusiasmus Frank an seinen Träumen festhält, wie sichtbar ihm das Herz aufgeht, wenn er seine Tochter spielen und singen hört. Denn das Leben kann irgendwie ganz einfach sein. Zumindest für Brett Haley, der hier Regie führte und das Drehbuch mitschrieb. Konflikte gibt es in Herzen schlagen laut natürlich schon. Doch irgendwie sind die alle sehr schnell beigelegt, es muss ja weitergehen mit der Musik. Das erinnert an die Filme von John Carney (Once, Sing Street), das ebenfalls Musik mit Feel-Good-Dramen kombinierte.

Kann man hören
Die raue Verletzlichkeit, die zumindest in den früheren Filmen des Kollegen zu hören war, die fehlt hier jedoch. Stattdessen greift Herzen schlagen laut auf Indie-Popsongs zurück, die irgendwie genauso glatt und konturlos sind wie der Film selbst. Dass sich Frank später weigern wird, aus seinem Plattenladen ein Café-Crossover zu machen, ist da irgendwie schon ironisch. Denn der Soundtrack hier ist im höchsten Maße Coffeeshop-tauglich. Etwas, das man sehr gut im Hintergrund laufen lassen kann, wenn man einen Milchkaffee schlürft, ein Puzzle legt oder sich dem Hausputz zuwendet.

Was dem Drama an Konturen fehlt, das macht es durch die erstklassige Besetzung wieder wett, gerade auch bei den Nebenfiguren. Toni Collette (Hereditary – Das Vermächtnis), Ted Danson, Blythe Danner und Sasha Lane (American Honey), das ist ein Cast, den man sich in jedem Umfeld gefallen lässt, der auch hier viele zwar konforme, aber doch auch eben schöne Momente mit sich bringt. Pluspunkte sammelt Herzen schlagen laut zudem durch die gemischtrassige, lesbische Beziehung von Sam, die in anderen Filmen als etwas ganz Besonderes dargestellt würde, hier aber so beiläufig entsteht, als wäre das längst Alltag. Wer nicht genug bekommen kann von Filmen, bei denen alles gut ist, auch wenn es das eigentlich nicht ist, der findet hier daher einiges zum Liebhaben. Große Leidenschaft bringt das aber nicht mit, dafür fehlt hier bei aller Sympathie dann doch eben die Persönlichkeit.

Herzen schlagen laut
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Herzen schlagen laut
Der Vater verliert seinen Plattenladen, die Tochter geht fort, um Medizin zu studieren – das hört sich bitter an. Stattdessen ist „Herzen schlagen laut“ aber ein durch und durch nettes Feel-Good-Drama über eine musikalische Annäherung, das erstklassig besetzt ist, dem es aber an Ecken und Kanten fehlt, um wirklich zu Herzen zu gehen.
6von 10

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