Whatever Happens Next

„Whatever Happens Next“ // Deutschland-Start: 8. November 2018 (Kino)

Ein wirkliches Ziel hat der 43-jährige Paul Zeise (Sebastian Rudolph) ja nicht. Oder besser: Er hat viele. Denn der Weg ist das Ziel. Der darf ihn dann auch hinführen, wohin er mag. Zu fremden Leuten, mit denen er sich das Auto teilt oder die Wohnung, wenn sie gerade nicht aufpassen. Nicht immer mit ihrem Einverständnis, versteht sich. Das kommt schon noch später. Und wenn nicht: auch kein Problem. Da wartet noch viel mehr darauf, von ihm entdeckt zu werden, so viele Erlebnisse, die er noch machen kann. Außer natürlich wenn ihn Ulrich Klinger (Peter René Lüdicke) zuvor schnappt, der ihm auf den Fersen ist.

„Wer bist du eigentlich?“ Als der junge Mann die Frage äußert, der ein wenig mit dem Gedanken überfordert ist, einen Wildfremden an seinem Tisch sitzen zu haben, spricht er auch dem Publikums aus der Seele. Wer ist dieser seltsame Kerl eigentlich, der sich vom Zufall treiben lässt, mal hier mal dort auftaucht? Ob Regisseur und Drehbuchautor Julian Pörksen eine Antwort darauf hat, das wird nicht so recht ersichtlich. Sein Debütfilm Whatever Happens Next hält sich in der Hinsicht vornehm zurück. Man muss ja nicht alles verstehen, Hauptsache, es macht Spaß.

Humor ist, wenn man trotzdem lacht
Das macht diese wundersame Mischung aus Drama, Komödie und Roadmovie. Ungefragt sogar. Die unbekümmerte Dreistigkeit, mit der Paul, von dem wir lange nicht mal den Namen kennen, durch die Welt zieht, ist ein Grund zur Freude. Der andere sind die Reaktionen der Menschen, denen er begegnet. Die meisten wissen nicht, wie ihnen geschieht, kaufen ihm die Geschichten ab, die er erzählt. Sind verwundert, wenn sie die Wahrheit erfahren, manchmal auch mächtig sauer. Verständlich. Wer lässt sich schon gerne anlügen?

Warum Paul das tut, auch das darf jeder selbst überlegen. Später wird es zwar ein paar Hinweise geben. Doch das ist nicht genug, um daraus ein tatsächliches Porträt zu machen. Für eine Figur, die so sehr im Fokus des Geschehens steht, bleibt Paul bis zum Schluss bemerkenswert schwer zu fassen. Das wird sicher nicht jedem Zuschauer gefallen. Whatever Happens Next, das auf der Berlinale 2018 debütierte, hält sich fern von den üblichen Erwartungen an einen solchen Roadmovie. Verbreitet einerseits gute Laune, ist aber doch kein Wohlfühlfilm.

Aufmunterung ohne Erkenntnis
Am Ende einer solchen Reise steht meistens eine große Erkenntnis, die unterwegs erarbeitet wurde, alternativ eine Annäherung zweier Menschen. Letztere gibt es hier marginal, schließlich taucht unterwegs auch Nele (Lilith Stangenberg) auf, mit der Mr. Nobody viel Zeit verbringt. Aber es bleibt an der Oberfläche, dafür gibt Paul nicht genügend preis. Er ist einfach da, so irgendwie, zieht sein Ding durch, was auch immer dieses sein mag. Ein Ausreißer, der gut zuhören kann, offen ist für alles und selbst reine Projektionsfläche bleibt. Er wird das, was andere in ihm sehen wollen.

Was Whatever Happens Next bei all dieser Unbestimmtheit gelingt: Der Film bringt eine Unbekümmertheit in den deutschen Film zurück. Er ist witzig, ohne sich zum Affen machen zu müssen, ist ernst, ohne sich in Betroffenheit zu ersaufen. Und selbst wenn am Ende vielleicht keine Lehre herausspringt, die uns zu besseren Menschen macht, so ermuntert Pörksen doch dazu, wieder etwas gelassener in die Welt zu gehen. Mutiger zu sein. Sich einfach auf das einlassen, was uns begegnet – was auch immer das sein mag.

Whatever Happens Next
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Whatever Happens Next
Gehe ich links? Gehe ich rechts? Ist beides recht: „Whatever Happens Next“ ist die Geschichte einer Nicht-Geschichte, begleitet einen Mann, von dem nie richtig klar wird, wer er ist. Der Roadmovie rund um ein unbekümmertes Chamäleon ist mal witzig, dann wieder ernst, insgesamt eine Aufmunterung dazu, das Leben locker zu nehmen und sich auf das einzulassen, was uns unterwegs begegnet.
7von 10

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