„Ein königlicher Tausch“ // Deutschland-Start: 28. Februar 2019 (Kino)

Im Jahr 1721 plant der französische Regent Philippe d’Orleans (Olivier Gourmet), Frieden mit Spanien zu schließen, und bietet dem spanischen Staatsoberhaupt (Lambert Wilson) an, die jeweiligen Thronfolger miteinander zu verheiraten: Maria Anna Victoria (Juliane Lepoureau), die vierjährige Tochter des spanischen Königs, soll den 11-jährigen Louis XV (Igor van Dessel) ehelichen, während Philippes 12-jährige Tochter Louise Elisabeth (Anamaria Vartolomei) die Gemahlin des spanischen Erben Louis (Kacey Mottet-Klein) werden soll. Madrid empfängt den Vorschlag mit großer Freude und die Zeremonie wird unverzüglich in die Tat umgesetzt. Nach dem Austausch der Prinzessinnen auf einer kleinen Insel im Grenzfluss zwischen Spanien und Frankreich scheint zunächst alles nach Plan zu laufen. Doch mit der Zeit gerät das Vorhaben aus den Fugen.

Der französische Regisseur Marc Dugain gelangte vergleichsweise spät zum Film. Nach dem Politikstudium fand er seine Leidenschaft im Schreiben, veröffentlichte zehn Romane und wurde mit über 30 verschiedenen Literaturpreisen ausgezeichnet. Nach seinem Regiedebüt im Jahr 2010 ist Ein königlicher Tausch Dugains vierter Spielfilm. Die Vorlage hierfür lieferte der gleichnamige Roman der französischen Autorin und Historikerin Chantal Thomas, die auch den Stoff für das preisgekrönte Drama Lebe wohl, meine Königin! lieferte.

Plötzlich Prinzessin?
Ein königlicher Tausch befasst sich mit den wahren Begebenheiten um zwei parallele, royale Hochzeiten, die arrangiert wurden, um politischen Frieden und Stabilität zu gewähren. Dabei nimmt sich Dugain einen realen, jedoch weitgehend unbekannten Teil der europäischen Geschichte vor. Die Umsetzung der Rahmenbedingungen ist von der Wahl der Schauspieler, über das Kostüm und die Kulisse bis hin zur Kameraarbeit überaus gelungen.

Besonders beeindruckend sind die Performances der Kinderdarsteller. Der zum Zeitpunkt der Dreharbeiten 12-jährige Igor van Dessel und die 8-jährige Juliane Lepoureau überzeugen in ihren Rollen durch Souveränität und überraschende Feinfühligkeit für ihre Figuren. Auch die Nebenrollen wurden mit talentierten Schauspielern wie Thomas Mustin und Catherine Mouchet besetzt, die den Charakteren Tiefe und Eigenheit verleihen.

Der Plot spinnt sich um das entscheidende Ereignis des Austauschs der beiden Prinzessinnen und um die Konsequenzen, die sowohl die Nationen, die Familien, wie auch die beiden Mädchen selbst betreffen. Das Schicksal, in den damaligen Verhältnissen als Prinzessin geboren zu werden, war kein rosiges. Wie die verwelkte Großmutter der französischen Monarchie der kleinen Maria Anna Victoria kurz nach ihrer Ankunft in Versailles erklärt, haben Prinzessinnen nur eine Funktion: zu politischen Zwecken verheiratet zu werden, um dann möglichst viele Erben zu produzieren. Freier Wille, Selbstbestimmung oder gar Liebe waren den weiblichen Nachkommen europäischer Königshäuser kein Begriff.

Maria Anna Victoria, zu diesem Zeitpunkt vier Jahre alt, fiebert also darauf hin, erwachsen zu werden, denn die französische Aristokratie setzt sie und ihren 11-jährigen Gatten unter Druck, endlich einen Thronfolger hervorzubringen. Denn die Zeiten sind hart und man weiß nie, ob und wann der aktuelle Herrscher krank oder gemeuchelt vom Thron fällt. Im angrenzenden Spanien weigert sich Prinzessin Nr. 2, die jugendliche Louise Elisabeth, den Annäherungsversuchen ihres frisch vermählten Ehemanns nachzugeben. Der Plan der Väter scheint nicht aufzugehen.

Kostümfilm der anderen Art
Dabei ist Ein königlicher Tausch, international auch als The Royal Exchange bekannt, natürlich vor allem eines: ein Kostümfilm. Die Kulissen und das Kostüm sind bis ins kleinste Detail durchdacht und umgesetzt. Der italienische Designer Fabio Perrone, der für die Kostüme einer Vielzahl historischer Filme verantwortlich ist, musste mit einem relativ geringen Budget auskommen. Doch ein Film dieses Genres funktioniert nur, wenn die Kostüme authentisch und hochwertig aussehen. Inspiriert von Gemälden und Skizzen der formalen Mode des frühen 18. Jahrhunderts gelang es trotz finanzieller Einschränkungen, extravagante und authentische Kleider zu entwerfen und somit den bestechenden Look des Films zu bestimmen.

Obwohl Ein königlicher Tausch in einem Genre angesiedelt ist, dass tendenziell entweder zu kaltblütiger Brutalität oder zu triefendem Kitsch neigt, vermeidet der Beitrag vom Filmfest München 2018 beide Extreme. Dagegen stehen Authentizität und realitätsnahe, wie ausführliche Darstellung im Fokus. Jede Szene vermittelt aufgrund der Ausstattung, der teilweise düsteren Beleuchtung und der Aufmerksamkeit für kleine Feinheiten ein hohes Maß an Natürlichkeit.

Längen und Spannungslosigkeit
Trotz der Tatsache, dass der Film mithilfe des aufwendigen Kostüms, der bedeutenden, wie wahren Geschichte und der authentischen Umsetzung den richtigen Grundstein für einen mustergültigen Historienfilm legt, fehlt es dem Plot unglücklicherweise an narrativer Dynamik, um aus der Masse hervorzustechen. An sich ist der Film schön abgerundet, denn die Geschichte kehrt schließlich an ihren Ausgangspunkt zurück. Obwohl sich rückblickend in der Zwischenzeit nicht viel getan hat, trägt der Film doch einige bedeutende Botschaften. Die Entscheidung zu atmosphärischer Szenen, statt aktiver Handlung kann glücklich ausgehen und überaus poetisch sein, doch Ein königlicher Tausch gelingt das leider nur im Ansatz. Aufgrund der Sehnsucht nach nüchterner Authentizität und dem Versuch, möglichst nah an den realen Gegebenheiten zu bleiben, lässt das Drehbuch nicht zu, dass der Plot dem Fortschritt zu Liebe mithilfe fiktionaler Stilmittel in Schwung gebracht wird. Dadurch entsteht eine sich durch den Film ziehende, teils langatmige Seichtheit, aus der weder spannungs-, noch emotionsgeladene Spitzen hervorstechen.

Ein königlicher Tausch
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Ein königlicher Tausch
"L'échange des princesses" ist ein exzellent umgesetzter Kostümfilm, der sowohl in seiner Besetzung, als auch in der bisher filmisch unerforschten Thematik zu überzeugen weiß. Leider ist der Plot aus narrativer Sicht nicht ganz ausgegoren, weshalb es dem Film generell an Energie fehlt.
7von 10

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