(OT: „Tokyo Ghoul Jack/Pinto“, Regie: Sōichi Shimada/Tadahito Matsubayashi, Japan, 2015)

Tokyo Ghoul Jack Pinto

„Tokyo Ghoul Jack/Pinto“ ist seit 13. Oktober 2017 auf DVD und Blu-ray erhältlich

Es wird ja immer wieder gern darüber gemeckert, wie sehr sich Hollywood auf Fortsetzungen, Remakes oder Spin-offs stürzt, mit dem Ziel, aus maximaler Einfallslosigkeit eine ganze Menge Geld herauszuholen. Natürlich sind aber auch andere Länder dafür zu haben, Geschichten ein wenig mehr auszubreiten, wenn es einem guten Zweck dient: Profit. Gerade der Animebereich ist prädestiniert dafür, da Erfolgstitel gern noch Direct-to-Video-Produktionen nachgeschoben werden, die oft nicht mal sehr lang sein müssen. 20-30 Minuten, das reicht, um Fans bei Laune zu halten. Der Aufwand hält sich in Grenzen, meist werden kleine Nebengeschichten erzählt, die mit der Haupthandlung nichts zu tun haben, niemanden stören.

Das trifft auch auf Tokyo Ghoul Jack/Pinto zu. Nach der ersten Staffel Tokyo Ghoul und der fast direkt im Anschluss produzierten zweiten Staffel Tokyo Ghoul √A mussten die Anhänger der tragischen Menschenfresser in Japan wieder nur wenige Monate warten, bis es ein Wiedersehen mit ihren Lieblingen gab. Gewissermaßen. Tatsächlich setzt die OVA die Serie gar nicht fort, sondern erzählt die Vorgeschichte einiger Nebenfiguren. Ken Kaneki, der bisherige Protagonist der Serie, taucht auch gar nicht auf. In Jack, das ebenso wie die erste Staffel auf einem Manga von Sui Ishida basiert, bringt uns die Anfangstage der späteren Ghoul-Jäger Kishō Arima und Taishi Fura näher. Die waren einst enge Freunde, entwickelten sich später auseinander, kommen aber wieder zusammen, als es darum geht, den mörderischen Ghoul zur Strecke zu bringen, der einem ihrer Freunde das Leben gekostet hat. Pinto wiederum hat Shu Tsukiyama zum Inhalt, der schon in seiner Jugend ein ekstatischer Menschenfresser war und während seiner Fressraubzüge die fotobegeisterte Chie kennenlernt.

Nette Idee …
Die Idee hinter den beiden OVAs ist schon irgendwie nett. Beide erzählen sie von der Jugend späterer wichtiger Figuren, wobei die eine einem Ghoul gewidmet ist, die andere zwei Vertretern der Gegenseite. Überschneidungen der beiden Geschichten gibt es nicht, jede steht für sich. Man muss nicht einmal die zwei Animestaffeln gesehen haben, um hier folgen zu können. Es hilft aber, um den Figuren etwas mehr abgewinnen zu können. Denn allein schon aufgrund der Kürze der Animes – die zwei Episoden sind zwischen 25 und 30 Minuten lang – bleibt nicht viel Zeit für eine Einführung und viel Charakterisierung.

Aber Tiefgang war ohnehin nicht die Stärke der bisherigen Mangaadaption gewesen. Wo die Vorlage noch stärker mit den persönlichen Aspekten eines Menschen beschäftigt war, der gegen seinen Willen andere Menschen essen muss, setzt die stark gestraffte Animevariante lieber auf plakative Action. Das ist bei den beiden Spin-offs nicht anders. Jack ist nicht mehr als eine simple Rachestory, wie man sie eigentlich ständig zu Gesicht bekommt. Nur eben mit dem Horroreinschlag, dass der Bösewicht hier kein Obergangster ist, sondern ein Ghoul mit einem Kürbis auf dem Kopf. Pinto ist ein klein wenig interessanter, da hier die ungewöhnliche Freundschaft zwischen einem Menschenfresser und einem Menschenkind im Mittelpunkt steht.

… wenig spannende Umsetzung
Wirklich spannend ist aber auch die zweite Episode nicht. Mal wieder ist Tokyo Ghoul zu sehr versucht, besonders cool und edgy auftreten zu wollen, hat dabei aber nicht wirklich etwas zu erzählen. Gerade Jack leidet zudem darunter, dass die Optik des Studios Pierrot (Bleach, The Last: Naruto the Movie) erneut nicht gerade das Gelbe vom Ei ist. Wenn schon der Fokus auf dem Kämpfen liegt, dann sollte dabei doch auch ein bisschen was fürs Auge geboten werden. Die Animationen sind dafür aber zu schwach, die Spezialfähigkeiten der Ghoule beschränken sich ohnehin wie meistens auf irgendwelche tentakelartigen Körperteile, die mit Vorliebe Menschen durchbohren. Dazu gibt es Szenen, die selbst für Trash zu sehr over the top sind. Immerhin gibt es dieses Mal den einen oder anderen Hintergrund. Wer mit der Serie seinen Spaß hatte, schaut gerne mal rein und erfährt ein klein wenig mehr über die Figuren. Für tatsächlichen Horror bietet das hier aber nicht genug Nervenkitzel, für Freunde des Zwischenmenschlichen fehlt der menschliche Aspekt.

Tokyo Ghoul: Jack/Pinto
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Tokyo Ghoul: Jack/Pinto
Anstatt die beliebte Horror-Anime-Serie fortzusetzen, erzählen die beiden Episoden auf „Tokyo Ghoul Jack/Pinto“ die Vorgeschichten einiger Nebenfiguren. Das funktioniert grundsätzlich auch ohne Vorkenntnisse, richtet sich aber natürlich an die Fans der vorherigen Comicadaption. Der Rest kann das hier auch ignorieren, spannend sind die Spin-offs nicht, leiden mal wieder an mangelndem Tiefgang und einer wenig ansehnlichen Optik.
4von 10

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