(OT: „Boyka: Undisputed IV“, Regie: Todor Chapkanov, Bulgarien, 2016)

Undisputed IV

„Undisputed IV: Bokya Is Back“ ist seit 1. August 2017 auf DVD und Blu-ray erhältlich

Boyka! Boyka! Boyka! Boyka! Boyka!

Der selbsternannte „most complete fighter in the world“ hat 2006 so einige Leute rund um den Globus dazu bewegt, begeistert anfeuernd seinen Namen zu rufen. Seit er im zweiten Teil des Undisputed-Franchises neben Michael Jai White debütierte – über den ersten soll an dieser Stelle der Mantel des Schweigens gelegt werden –, ist Yuri Boyka (Scott Adkins) wahnsinnig schnell zum Kult avanciert. Der Publikumsliebling zog eine immer größere Gefolgschaft an, YouTube wurde mit Clips von zusammengeschnittenen Kampfszenen geflutet und die Kommentare darunter ließen sich im Grunde auf eine Frage reduzieren: Wann kommt der nächste Boyka-Film?

Vier lange Jahre später war es soweit und Boyka durfte wieder auf den heimischen Bildschirmen seine Gegner durch den Ring prügeln. Gereicht hat das natürlich niemandem, denn auch wenn der dritte Teil sehr gut ankam (ich persönlich finde den zweiten Teil dennoch besser), wollten Fans am Ende des Tages nur eine Sache: MEHR! Und zwar mehr von Boyka. Nachdem Boyka in Undisputed II: Last Man Standing und Undisputed III: Redemption zwar durchaus einen Charakter hatte, aber hauptsächlich als reiner Kämpfer agierte, wird in Undisputed IV: Boyka Is Back eine neue Seite beleuchtet. Klar – Kämpfe gibt es immer noch. Die kommen zwar nicht ganz an so manches Highlight der zwei Vorgänger ran, sind aber dennoch gut choreographiert und gefilmt. Der Fokus liegt hier aber eher auf dem menschlichen Aspekt.

Aus Schuldgefühl hinein ins Kampfgetümmel
Boyka erhält endlich die Chance seines Lebens: Sein Manager hat ihm einen neuen Kampf organisiert; wenn er diesen gewinnt, qualifiziert er sich für ein Turnier und der Sieg desselben würde ihm einige Türen öffnen. Der für Boyka wie seinen Gegner wichtige Kampf endet für letzteren leider tödlich. Boyka möchte nicht so einfach mit dieser Schuld weiterleben und reist deshalb illegal in die russische Provinz, um die Witwe Alma (Teodora Duhovnikova) um Vergebung zu bitten. Bei ihr angekommen, erfährt er, dass sie quasi die Leibeigene des Gangsterbosses Zourab (Alon Moni Aboutboul) ist, welcher Boykas Gegner eine große Menge Geld geliehen hatte, die dieser nun logischerweise nicht zurückzahlen kann. Von seinem Gewissen geplagt und um die Frau zu befreien, geht Boyka auf den Deal des Verbrechers ein: gegen ausgewählte Kämpfer in dessen Ring antreten.

Die Undisputed-Filme drehten sich nie um irgendeine ausgeklügelte Story. Die Undisputed-Filme drehten sich immer um Yuri Boyka (noch mal: der erste soll an dieser Stelle übersehen werden). Während er sich in Teil zwei und drei den Bildschirm noch mit anderen Hauptdarstellern teilen musste, besteht er hier quasi sein erstes Solo-Abenteuer, weshalb der Originaltitel auch treffender gewählt ist. Boyka zu vermenschlichen ist eine riskante Wahl: Einerseits besteht die Gefahr, Fans zu verprellen, die sich mehr für den Kämpfer Boyka als für den Menschen Yuri interessieren. Andererseits kann es leicht passieren, dass die Entmystifizierung alles Bisherige kaputt macht. In Undisputed IV ist es zum Glück durchaus glaubwürdig gelöst. Zwar hätte der frühere Boyka sich einen Dreck um einen toten Gegner geschert (zumindest nicht so sehr, um zu riskieren, eine wichtige Turnierteilnahme zu verpassen), allerdings ist die Wandlung zufriedenstellend erklärt, steht nicht im Widerspruch zu den bisherigen Teilen, baut vielmehr sogar darauf auf.

Das Risiko des neuen Fokus zahlt sich aus
Es bleibt dennoch die Frage offen, ob es nicht die bessere Wahl gewesen wäre, Boyka wie gehabt weiterzuführen. Wobei auch das leicht hätte schiefgehen können, schließlich besteht in diesem Fall die Gefahr der Übersättigung. Regisseur Todor Chapkanov und Drehbuchautor David N. White haben also letzten Endes vielleicht doch die richtige Entscheidung getroffen. Scott Adkins ist ein unfassbar unterschätzter Schauspieler. Es muss nur einmal der direkte Vergleich zwischen einer Filmszene mit Yuri Boyka und einem Interview mit Scott Adkins gezogen werden – das sind zwei völlig unterschiedliche Menschen und zwar sowohl optisch als auch in Bezug auf die Stimmlage, die Betonung, den Sprachduktus und die Körpersprache. Für die Rolle wichtiger ist aber natürlich die körperliche Fitness und obwohl Adkins mittlerweile über 40 Jahre alt ist, wirkt Boyka so agil als sei er in seinen Zwanzigern.

Undisputed IV: Boyka Is Back
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Undisputed IV: Boyka Is Back
"Undisputed IV: Boyka is back" bleibt vielleicht etwas hinter den Möglichkeiten eines solchen Kult-Charakters zurück, ist aber dennoch eine würdige Fortsetzung. Obwohl Scott Adkins immer noch topfit ist, bleibt zu hoffen, dass nicht wieder vier, sieben oder gar elf Jahre bis zu einem neuen Auftritt Boykas vergehen – und "Undisputed V" läuft dann hoffentlich endlich auf der großen Leinwand, wo die exzellenten Kampfszenen hingehören.
7von 10

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