(OT: „El Bar“, Regie: Álex de la Iglesia, Spanien, 2017)

El Bar

„El Bar – Frühstück mit Leiche“ ist seit 24. August 2017 auf DVD und Blu-ray erhältlich

Es ist ein ganzer normaler Tag in der kleinen Bar in Madrid. Oder er war es zumindest. Trini (Carmen Machi) ist wie immer da, um am Automaten ihr Glück zu suchen. Für Amparo (Terele Pávez) und Sátur (Secun de la Rosa) ist es ein Arbeitstag wie jeder andere. Der obdachlose Israel (Jaime Ordóñez) sucht nur nach einem Grund, sich wieder hemmungslos zu besaufen. Als plötzlich auf der Straße Schüsse fallen und zwei Männer getötet werden, heißt es für die vier sowie für Elena (Blanca Suárez), Nacho (Mario Casas), Andrés (Joaquín Climent) und Sergio (Alejandro Awada) aber erst einmal in Deckung zu gehen. Richtig verzwickt wird die Lage jedoch erst, als ein weiterer Gast tot zusammenbricht und den acht dämmert: Da ist was gewaltig faul.

Regisseur und Co-Autor Álex de la Iglesia scheint zuletzt Gefallen daran gefunden zu haben, einen einzelnen Schauplatz zu wählen und die dort anwesenden Menschen aufeinander zu hetzen. In My Big Night wählte er eine Galaveranstaltung, um sich genüsslich über das Showgeschäft auszulassen. Nun ist es eben eine Bar, in der es vor seltsamen, eitlen und im Zweifelsfall brutalen Menschen nur so wimmelt. Dass der neue Film des spanischen enfant terrible (Mad Circus, Witching & Bitching) einem so vertraut vorkommt, liegt aber auch an der Besetzung: Mit Casas, Suárez, Machi und Pávez sind gleich vier Schauspieler vom letzten Mal wieder mit von der Partie. Manche sind gleich dreimal in Folge dabei gewesen, wenn der Filmemacher an die Arbeit geht.

Alles anders als erwartet
Ansonsten sollte man aber nicht mit allzu konkreten Erwartungen an die Sache gehen, da sich de la Iglesia einen Spaß daraus macht, am Ende doch wieder alles auf den Kopf zu stellen. Schon bei der Genrezuteilung dürfte man sich hier eher schwertun. Thriller ist sicher nicht verkehrt, wie sich die Figuren hier zusammenraufen, um ihre eigene Haut vor einer unbekannten Bedrohung zu retten. Von Horror ist manchmal gar die Rede. Aber auch Komödie würde passen, schwarze Komödie, da hier viel mit bösem Humor gearbeitet wird. Gleichzeitig ist Mystery ein wichtiger Faktor, da man wie der wild zusammengewürfelte Haufen so gar keine Ahnung hat, was gespielt wird und es an Theorien nicht eben mangelt. Wohl aber an konkreten Hinweisen.

Wer für diesen Aspekt den Film sehen möchte, wird daher nur zum Teil glücklich. Gerätselt werden darf dabei natürlich eine Menge, anders als bei vielen Filmen sind hier Betroffene wie Zuschauer gleichermaßen ratlos. Es ist aber auch zu verwirrend, was sich in der Bar und davor so abspielt. Ein Rätsel, das de la Iglesia mit sichtlichem Spaß seinem Publikum stellt, an dessen Auflösung er aber nur wenig Interesse hat. Der Reiz von El Bar liegt daher auch weniger an einer ausgefeilten Geschichte, sondern an dem zunehmend abstruseren Verlauf. Erlaubt ist, was geht. Erlaubt ist aber auch, was nicht geht.

Es lebe der Unsinn!
Größere inhaltliche Ansprüche sollte man wie bei den letzten Filmen des Spaniers lieber besser nicht stellen. Hin und wieder blitzen mal satirische Elemente durch, werden aber ebenso schnell von dumpferen Szenen ersetzt, die von Eskalation leben, nicht von Raffinesse. Mitunter wird der Beitrag von den Fantasy Filmfest Nights 2017 auch härter: Je weiter der Film voranschreitet, je aussichtsloser die Lage, umso stärker lassen die Protagonisten ihre Hüllen fallen – zivilisatorische wie textile. Das kann sexistisch und blöd sein, eine tragische Mischung aus Klischees und Karikaturen, die man für ihren fehlenden Sinn hassen oder die absurde Unvorhersehbarkeit lieben kann. Eigenwillig ist El Bar – Frühstück mit Leiche so oder so.

El Bar – Frühstück mit Leiche
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El Bar – Frühstück mit Leiche
„El Bar – Frühstück mit Leiche“ beginnt wie ein Thriller, wird zur schwarzhumorigen Komödie, nimmt den Umweg über Mystery, um am Ende beim Horror anzukommen. Klingt verrückt? Ist es auch. Die eigenwillige Genremischung ist weder feinfühlig, noch sonderlich intelligent, aber doch ein beträchtlicher Spaß für all die Zuschauer, die sich an grotesken Wendungen erfreuen können.
7von 10

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