(„Le Mans: Racing Is Everything“ directed by James Erskine, 2017)

„Le Mans: Racing Is Everything“ ist auf Amazon Prime erhältlich

Es ist das vielleicht prestigereichste Autorennen der Welt und eine der größten Sportveranstaltungen des Jahres: die 24 Stunden von Le Mans. Mehr als 50 Autos, sowohl Prototypen als auch GT-Fahrzeuge, treten bei dem legendären Rennen an der Sarthe in insgesamt vier Klassen gegeneinander an. Dabei wechseln sich pro Team jeweils drei Fahrer auf den bis zu 1.000 PS starken Boliden ab. Die Frage, welcher Aufwand höher ist, der körperliche oder der menschliche, ist dabei kaum zu beantworten. Klar ist jedoch, dass Mensch und Maschinen während dieses Rennens an ihre Grenzen stoßen. Während diesem einen Wochenende im Sommer werden Dramen erlebt, Legenden geboren, und nicht zuletzt wird auch Motorsportgeschichte geschrieben.

Die Doku-Miniserie Le Mans: Racing Is Everything begleitet sechs Teams und deren Piloten vor und hinter den Kulissen bei der Vorbereitung, dem Qualifying und dem großen Rennen im Jahr 2015. Dabei kommen sowohl gestandene Rennfahrer wie André Lotterer, Mark Webber und Sébastien Buemi als auch Verantwortliche, so zum Beispiel der damalige Audi Motorsportchef Dr. Wolfgang Ullrich und Andreas Seidl, Teamchef von Porsche, zu Wort. Wirklich viel Inhaltliches kommt dabei jedoch nicht rum. Das meiste was sie sagen ist oberflächlich. Und das ist ein Problem, was viele Motorsportfans mit der Doku-Serie von James Erskine haben dürften: Sie ist eher für Neulinge gemacht.

Wenig Neues für Fans
Diejenigen, die sich bereits seit längerem mit den 24 Stunden von Le Mans und der World Endurance Championship, die Meisterschaft, in deren Rahmen das Rennen zweimal rund um die Uhr ausgetragen wird, beschäftigen, dürften kaum etwas Neues erfahren. Der Technologie der Fahrzeuge und der Bedeutung der Rennserie für die Serienfertigung von Straßenfahrzeugen wird keinerlei Bedeutung beigemessen. Dabei ist gerade das einer der interessantesten Punkte dieses Wettbewerbs. Ebenso wird nur sehr wenig Zeit auf das Privatleben der Akteure und deren Vorbereitung auf das große Event verwendet. Der Blick hinter die Kulissen fällt recht rasch und ernüchternd aus. Gerade zu solch einem Zweck sind solche Dokumentationen eigentlich da, um dem Zuschauer noch nie dagewesene Einblicke zu geben. Doch genau das macht Le Mans: Racing Is Everything nicht.

Stattdessen präsentiert James Erskine eine recht unübersichtliche Zusammenfassung der 2015er Ausgabe des 24-Stunden-Rennens. Wie bereits gesagt, begleitet er dabei sechs Teams, leider fast ausschließlich nur die aus der Prototypen-Klasse 1. Dabei springt der Brite jedoch unaufhörlich hin und her. Geht es im einen Moment noch um einen bestimmten Fahrer, geht es kurz darauf wieder um einen ganz anderen Rennstall. Danach bekommt der Zuschauer ein paar Bilder aus der Historie des Rennens an der Sarthe präsentiert, bevor wieder ein Interview mit einer anderen Person kommt – zu einem völlig anderen Thema. Das wird bereits nach kurzer Zeit sehr anstrengend. Von daher kann man sich auch gut und gerne eine einfache Fernseh-Zusammenfassung des damaligen Rennens anschauen, das wird am Ende bei weitem einfacher zu verarbeiten sein. Was ebenfalls für diese Alternative spricht: Es gibt kaum Zeitlupenaufnahmen. Für diese hat Erskine nämlich ganz offensichtlich eine Schwäche. Es vergehen kaum ein paar Minuten, in denen keine Slow Motion gezeigt wird, die dafür sorgen soll, dass alles auch einen angemessenen dramatischen Touch bekommt.

Le Mans: Racing Is Everything
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Le Mans: Racing Is Everything
"Le Mans: Racing Is Everything" ist eine Doku-Miniserie, die sich vor allem an Neulinge des Metiers wendet. Die sechs etwa 25 Minuten langen Episoden sollen dabei abwechslungsreich sein, sind letztlich aber nur eine etwas chaotische und oberflächliche Zusammenfassung des 24-Stunden-Rennens von 2015.
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