(„Smurfs: The Lost Village“ directed by Kelly Asbury, 2017)

Die Schluempfe das verlorene Dorf

„Die Schlümpfe – Das verlorene Dorf“ läuft ab 6. April 2017 im Kino

Manche Schlümpfe sind besonders stark, andere besonders schlau, vielleicht auch besonders griesgrämig. Nur bei Schlumpfine weiß bis heute keiner so recht, was sie eigentlich sein soll. Aus gutem Grund: Wurde sie einst doch von dem bösen Gargamel erschaffen, um die Schlümpfe zu fangen. Daraus wurde aber nichts, nun wohnt die kleine Schlumpfdame bei den anderen Schlümpfen in Schlumpfhausen – wenn sie nicht gerade damit beschäftigt ist, Pläne ihres Erschaffers zu durchkreuzen. Seine neueste Untat: Er will das verlorene Dorf finden, in dem ein zweites Schlumpfvolk leben soll, und deren Lebensenergie stehlen. Das können Schlumpfine, Schlaubi, Hefty und Clumsy natürlich nicht zulassen. Und so macht sich das Quartett heimlich auf, um ihre nichtsahnenden Artgenossen zu warnen.

Na bitte, geht doch. Kommerziell erfolgreich waren sie ja, die beiden ersten Versuche, den altehrwürdigen Schlümpfen mithilfe neuester Technik neues Leben einzuhauchen. Die Schlümpfe spielte 2011 über 550 Millionen Dollar ein, Die Schlümpfe 2 zwei Jahre später immerhin noch 350 Millionen. Leider war dies aber auch ein Beispiel dafür, dass Qualität und Erfolg nur manchmal Hand in Hand gehen. Gerade im Animationsbereich, wo hohes Tempo, Slapstick und laute Popmusik oft wichtiger erscheinen als der Inhalt, ist es zuweilen schwer zu verstehen, warum der eine Film populär ist, der andere nicht. Dabei waren die zwei Auftritte ja noch nicht mal reine Animationsfilme, vielmehr eine krude Mischung aus Real und CGI, die nicht einmal optisch Spaß machte.

Manchmal ist traditionell doch besser
Bei Die Schlümpfe – Das verlorene Dorf sollte nun alles anders werden. Und das bedeutet bei diesem Reboot vor allem eins: zurück zu den Anfängen. Nicht nur, dass dieses Mal von den Schlümpfen über Gargamel bis zu den Kulissen alles aus dem Computer stammt, man orientierte sich nun auch stärker an den Original-Comics des belgischen Künstlers Peyo. Hier gibt es keine komischen Culture-Clash-Einlagen mit einer realen Welt, sondern Zauberwelt pur. Diese war schon vor sechs Jahren noch der gelungenste Abschnitt eines drögen Abenteuers gewesen, dieses Mal durften sich die Kreativen von Sony Pictures Animation (Hotel Transsilvanien) mal so richtig austoben.

Vor allem visuell ist der Film eine einzige Pracht geworden. Ob es die kuriosen Viecher sind, die den Wald bevölkern – feuerspeiende Seepferdchenfliegen und im Dunklen leuchtende Hasenpferde – oder ein Fluss, der sich um sich selbst schlängelt, es gibt eine Menge zu sehen in Das verlorene Dorf. Eine Menge zu entdecken. Eine Menge zu mögen. Dazu erfreuen viele kleinere Spielereien und Effekte das Auge, die an tatsächliche Comics erinnern. Und vor allem sehen wir auch Schlümpfe, die den Namen verdienen. Der pseudorealistische, letzten Endes sehr hässliche Look der Vorgänger gehört zum Glück der Vergangenheit an, auch in der Hinsicht besann man sich früherer, besserer Zeiten.

Von Sprachverlust und Sprachwitz
Schade hingegen ist, dass man sich einer Besonderheit beraubte, die seit nunmehr 60 Jahren wie kaum ein anderes Element für die Schlümpfe stand: deren Sprache. Immer wieder schafften sie es in den letzten Jahrzehnten, normale Wörter durch „Schlumpf“ zu ersetzen und so auch einfachste Sätze zu verschlumpfen. Das ist aus nicht ganz ersichtlichen Gründen in Das verlorene Dorf fast völlig verlorengegangen. und das fällt auch deshalb auf, weil Sprache hier eigentlich eines der höchsten Güter im Film ist, die deutsche Synchronisation ist überaus gelungen. Und mal wieder überaus prominent besetzt. Christoph Maria Herbst und Axel Stein durften beide schon in Angry Birds – Der Film ihr komisches Sprachtalent zeigen, gerade Herbst ist als fieser, selbstverliebter Gargamel eine Wucht. Und auch Nora Tschirner (Everyone’s Going to Die), Heiner Lauterbach (Willkommen bei den Hartmanns) und Tim Oliver Schultz (Club der roten Bänder) hört man gern bei der Arbeit zu.

Am witzigsten ist aber eine Figur, die gar nicht spricht: Azrael. In Die Schlümpfe noch zu einer unzumutbar deformierten Kreatur verdammt, darf sich der Comic-Kater als ausgesprochen intelligenter, aber stets verkannter Sidekick wieder mehr als sehen lassen. Zu lachen gibt es dann auch einiges in Das verlorene Dorf, wobei gerade zum Ende hin dann doch die zwischenzeitliche Kreativität austauschbarem Slapstick Platz machen muss. Bei der Geschichte selbst ist ohnehin noch Luft nach oben, da wagte man so gar keine Experimente – vor allem beim etwas enttäuschenden Finale. Insgesamt aber ist der neue Auftritt der alten Bekannten eine schöne Überraschung. Und dieses Mal würde man ihnen tatsächlich den Erfolg wünschen, denn der Grundstein für eine vergnügliche Animationsreihe wurde hier allemal gelegt.

Die Schlümpfe – Das verlorene Dorf
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Die Schlümpfe – Das verlorene Dorf
Traditioneller und moderner zugleich: „Das verlorene Dorf“ orientiert sich inhaltlich wie optisch wieder stärker an den Original-Comics, setzte diese aber visuell wunderbar um. Trotz der im Verlauf zunehmend austauschbaren Geschichte ist die Rückkehr der Schlümpfe ein vielversprechender und witziger Einstand, der Lust auf mehr macht.
6von 10

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