(„Jean Ziegler“ directed by Nicolas Wadimoff, 2016)

„Jean Ziegler – Der Optimismus des Willens“ läuft ab 23. März 2017 im Kino

So richtig vielversprechend hört sich das eigentlich nicht an. Ein Dokumentarfilm über den ehemaligen Chauffeur von Che Guevara? Über einen Mann, der 50 Jahre später immer noch unbeirrt gegen den Kapitalismus ankämpft? Nicht, dass etwas gegen den Beruf einzuwenden wäre, gegen das Festhalten an Werten oder auch gegen den Widerstand gegen eine von Banken regierte Welt. Aber wenn der Regisseur auch noch ein Anhänger des besagten Mannes ist, seitdem er ihn vor vielen Jahren mal hat sprechen hören, dann lässt das nicht unbedingt auf eine allzu reflektierte Auseinandersetzung mit dem Thema schließen. Und so schön es auch ist, wenn es Querdenker gibt, die mit der Diktatur des Geldes hadern, so etwas kann schnell danebengehen, wie das polemische Europa – Ein Kontinent als Beute kürzlich zeigte.

Jean Ziegler – Der Optimismus des Willens geht da zum Glück in eine andere Richtung, obwohl es außer Ziegler selbst nur wenige Protagonisten gibt. Doch der hat dafür tatsächlich eine Menge zu sagen. Und das auch noch in den verschiedensten Sprachen: Wohl auch aufgrund seiner langjährigen Arbeit bei der UNO hören wir den gebürtigen Schweizer mal Französisch, dann Englisch, Deutsch oder auch Spanisch sprechen. Er ist gebildet, eloquent, manchmal sogar etwas witzig. Und er ist selbstkritischer, als man es vermuten könnte. Er habe viele Fehler gemacht, verrät er irgendwann. Manche, die ihn sogar vor ein Gericht bringen könnten, wenn andere davon wüssten. Der schlimmste Fehler: So sehr war er mit der Bedrohung aus dem Westen beschäftigt, dass er die aus dem Osten unterschätzte. Riad nennt er als Beispiel. Aber es sind viele Gefahren, die er da hätte nennen können.

An anderen Stellen zeigt sich Ziegler weniger einsichtig. Seine Geringschätzung der Presse verbirgt er nicht wirklich. Ebenso wenig lässt er mit sich reden, wenn es um die Menschenrechte in Kuba geht. Manchmal müsste man die Menschen eben zu etwas zwingen. Spannend wird es dann auch, wenn es den alten Mann wieder in das kommunistische Land verschlägt und er dort eine Gesellschaft im Aufbruch vorfindet. Von dem alten revolutionären Geist ist kaum mehr etwas übrig geblieben, geradezu wehmütig stellt er fest, dass die Jugend von heute kein Interesse mehr an Politik hat. Dass sie überhaupt nicht mehr kämpfen will. An der Stelle treffen Überzeugungen und Weltansichten aufeinander, aber auch Generationen. Fürsprecher findet er meistens nur bei Leuten seines Alters. Übrig gebliebene. Von der Zeit vergessene.

Regisseur Nicolas Wadimoff, der sich ansonsten relativ zurückhält und keine eigene Meinungen zur Schau stellt, sorgt an diesen Stellen auch immer mal wieder dafür, dass es vorangeht, sich die Auseinandersetzung nicht im Kreis dreht. Er fragt nach, konfrontiert Ziegler mit der Gegenwart, der Vergangenheit. „Wir sind für die Unendlichkeit bestimmt“, sagt der überzeugte Optimist. Und während er da so dem Horizont entgegenstapft, alt geworden, aber kein bisschen weniger kämpferisch, dann möchte man ihm auch irgendwie glauben. Und zumindest für einen kurzen Moment schafft es der Altrevoluzzer auch, einen etwas mitzureißen, vieles wieder infrage zu stellen, was wir schon längst akzeptiert haben.

Jean Ziegler – Der Optimismus des Willens
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Jean Ziegler – Der Optimismus des Willens
Seit über 50 Jahren kämpft Jean Ziegler gegen den Kapitalismus und hat auch im Alter nichts an Leidenschaft eingebüßt. Das ist gerade bei den Gegenüberstellungen von alten Überzeugungen und neuen Realitäten spannend sowie bei den selbstkritischen Momenten des Altlinken.
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