(„Schlupp vom grünen Stern“ directed by Sepp Strubel, 1986)

„Schlupp vom grünen Stern“ ist seit 2. Dezember auf DVD erhältlich

Viele Millionen Roboter haben die Bewohner des grünen Planeten Balda 7/3 bereits gefertigt, Routine und Effizienz bestimmen den Alltag auf dem technologisch hoch entwickelten Planeten. Als sie entdecken, dass einer ihrer Roboter eine Seele hat, haben sie entsprechend wenig Verwendung dafür – also weg damit! Doch genau das geht schief: Anstatt wie geplant auf dem Müllplaneten zu landen, findet sich das Fehlkonstrukt auf dem blauen Planeten Terra 1 wieder. Das sorgt nicht nur dort für Ungemach, da er für einen Staubsauger gehalten wird, der seine Arbeit nicht besonders gut macht. Aber auch auf dem Heimatplaneten ist man über diese Verwechslung nicht sehr glücklich, der Fabrikationsgelehrte Ritschwumm soll dem als Schlupp bekannten Roboter hinterherreisen und zerstören.

Die Kinderbuchautorin Ellis Kraut ist ja in erster Linie für die von ihr erfundene Figur „Pumuckl“ bekannt, die zuerst als Hörspiel, später auch in Buchform und im Fernsehen für viele zu einem festen Bestandteil der Kindheit wurde. Im Vergleich dazu ist Schlupp ein ziemlicher Niemand. Ein Kinderbuch von 1974 und zwei Serien von der Augsburger Puppenkiste Mitte der 80er, mehr hat die Karriere des kleinen Roboters nicht hervorgebracht.

Ein bisschen schade ist das schon, wie die unlängst auf DVD wiederveröffentlichte erste Staffel beweist. Denn an Charme mangelt es Schlupp vom grünen Stern sicher nicht. Die kuriosen Außerirdischen, deren Haare ein Eigenleben zu pflegen scheinen, und vor allem der ständig mit seinem Armen umherwirbelnde Schlupp, das sind schon Figuren, wie man sie gern öfter gesehen hätte. Dass die Umsetzung durch die bayerischen Puppenmeister mit viel Liebe zum Detail erfolgte, versteht sich von selbst. Da streckt sich mal der Löwe im Hintergrund, die Garage ist mit Utensilien zugemüllt, auch der kleine Zirkus, in dem der Roboter einen Auftritt haben soll, ist sehr nett gestaltet – wenn man über die unentwegt sichtbaren Marionettenfäden hinwegsehen kann.

So richtig viel Abwechslung halten die vier Episoden jedoch nicht bereit. Am unterhaltsamsten ist da noch der Auftakt, in dem wir nicht nur über den sonderbaren grünen Planeten informiert werden, sondern eine ältere Dame an der Technik verzweifelt. Viel Culture-Clash-Potenzial kommt bei diesem ungeplanten Aufeinandertreffen von Erdbewohnern und Roboter noch hinzu, vergleichbar zu den humorgeprägten Zeitgenossen Alf oder Mork vom Ork. Viel draus gemacht wird aber nicht: Schlupp mag lustig blinken, ist in seinen Kommunikationsfähigkeiten aber so eingeschränkt, dass er immer ein Fremdkörper bleibt, der herumgeschoben wird, ohne selbst groß was zu machen. Die Seele, die dem kleinen Roboter innewohnen soll, als Zuschauer merkt man davon relativ wenig.

Zum Ende hin wird es daher auch zunehmend eintöniger, Geschichte und Schauplätze sind nicht abwechslungsreich genug, um die fehlende Persönlichkeit des Protagonisten auszugleichen. Und auch zu den menschlichen Puppen lässt sich nur schwer ein echter Zugang aufbauen, da sie dafür zu kurz auftreten, teilweise auch zu sehr einem reinen Stereotyp entsprechen. Aber es ist schon ein nettes, kindgerechtes und nostalgisch stimmendes Abenteuer, das trotz seiner auf die Zukunft gerichteten Science-Fiction-Elemente fest in seiner damaligen Zeit verankert.

Schlupp vom grünen Stern
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Schlupp vom grünen Stern
Die Puppenvariante des Kinderbuchs ist eine detailverliebte Adaption voller Charme und kurioser Figuren. Auf Dauer mangelt es jedoch an Abwechslung, auch weil die Titelfigur zu passiv agiert und letzten Endes ohne Persönlichkeit bleibt.
6von 10

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