(„Southside with You“ directed by Richard Tanne, 2016)

„My First Lady“ ist seit 19. Januar 2017 auf DVD und Blu-ray erhältlich

Wir schreiben das Jahr 1989. Der Sommer ist in voller Blüte und ein junger Mann (Parker Sawyers) bittet eine junge Frau (Tika Sumpter), ihn auf ein Gemeindetreffen zu begleiten. Er ist Jurastudent, der den Sommer über in einer Anwaltskanzlei in Chicago arbeitet, sie seine Supervisorin. Sie willigt ein, doch aus dem eigentlichen Treffen unter Kollegen wird ein handfestes Date. Von der örtlichen Kunstausstellung über einen Kinobesuch mit anschließender Kugel Eis bis hin zum alles entscheidenden Kuss. Zwei ungleiche Persönlichkeiten, die einander kennen und lieben lernen. Mehr als 27 Jahre später ist diese Liebe weltbekannt und stärker denn je. Die Rede ist von Barack Obama und Michelle Robinson, dem Präsident der Vereinigten Staaten und seiner First Lady.

Pünktlich zum amerikanischen Amtswechsel häufen sich die letzten Male des Staatsoberhaupts. Die letzte Abstimmung, der letzte Flug in der Air Force One und die letzte Rede. Dabei wendete Präsident Obama das Wort an seine Liebste und dankte ihr unter Tränen. Ein emotionaler Moment, der dem in Hawaii geborenen Demokraten keinesfalls fremd ist. Sind er und seine Frau doch für zahlreiche Medienauftritte bekannt und beliebt, in denen sie mit Charme und Witz die Massen unterhalten, ihre politische Agenda aber nie aus den Augen verlieren. Die authentische Energie des polarisierenden Ehepaars greift Richard Tanne in seinem Regiedebüt auf und komprimiert sie auf den Wendepunkt einer bis dato unverbindlichen Bekanntschaft. Ein Tag, der alles veränderte und Jahre später amerikanische Geschichte schreibt. Eine Liebesgeschichte, die das beliebte Power-Paar zurück zu seinen Anfängen führt und den Zuschauer Mäuschen spielen lässt.

Es würde einer simplen Romanze gleichen, wüsste man nicht um die weitreichende Bedeutung dieses einen Treffens und dessen Ausgangs. Dem lockeren Barack Obama steht eine unerschütterliche Michelle Robinson gegenüber, die von seinen Annäherungsversuchen zunächst nichts wissen will. Zu hart hat sie gearbeitet, um als schwarze Frau anerkannt und respektiert zu werden, als dass sie es für eine flüchtige Sommerliebelei aufs Spiel setzen würde. Hier hätte das Treffen enden können, wäre sich der junge Obama seiner Sache nicht sicher gewesen. Minuten später hatte er ihre Aufmerksamkeit, Stunden später ihr Interesse und einen Kuss später ihr Herz. Die schönsten Geschichten schreibt noch immer das Leben selbst, doch nur selten prägen sie eine ganze Nation so fundamental.

Tannes Ansatz eines Films, der sich ausschließlich auf das erste Date der beiden konzentriert, ist so simpel und rudimentär, dass er mit einem weniger imposanten Paar nicht die selbe Wirkung erzielt hätte. Dafür sind die Szenarien zu alltäglich, die Begegnungen zu vorhersehbar und der Inhalt zu überschaubar. Womit der biografische Teil des Ganzen erfüllt wäre und intime Dialoge die Führung übernehmen. Das ungleiche Duo liefert sich einen Schlagabtausch nach dem anderen, weist sich gegenseitig in die Schranken und schon bald sprühen die ersten Funken. Er ist der typische Casanova, sie die unnahbare Schönheit, er ein Mann des Volkes, sie eine Frau mit Werten. Diese persönliche Ebene zieht den Fokus geschickt auf sich, wobei Sawyers und Sumpter in ihren respektiven Rollen überzeugen und einen Blick hinter den Vorhang riskieren, abseits der aus Funk und Fernsehen bekannten Auftritte. Der ist zwar nur von kurzer Dauer, zeigt aber das wohl größte Erfolgsrezept des Ehepaars auf – die gegenseitige Wertschätzung.

My First Lady
4.25 (85%) 4 Artikel bewerten

My First Lady
Geschichte und Handlung verblassen angesichts der beiden Hauptfiguren, die sich zu jeder Zeit im Mittelpunkt des Geschehens befinden und den Film dadurch zu einem sehr intimen Erlebnis machen. Überraschungen gibt es keine, dafür der authentisch erzählte Beginn einer Liebesgeschichte die bis heute besteht und dem Weißen Haus in Zukunft fehlen wird.
7von 10

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