(„Mother’s Day“ directed by Garry Marshall, 2016)

„Mother’s Day“ ist seit 12. Januar 2017 auf DVD und Blu-ray erhältlich

24/7 im Einsatz und trotzdem immer mit ganzem Herzen bei der Sache. Mütter haben den wohl härtesten Job der Welt und gedankt wird es mit einem ihnen gewidmeten Tag im Jahr – wenn überhaupt. Denn die alleinerziehende Sandy (Jennifer Aniston) soll diesen einen kleinen Funken der Anerkennung teilen. Nicht nur hat ihr Ex-Mann Henry (Timothy Olyphant) neu geheiratet, sie ist auch noch um einiges jünger und soll jetzt ebenfalls Teil des Muttertags sein. Ganz zum Leid von Sandy sind auch ihre zwei Söhne hin und weg von der neuen Wochenendmami. Derweil überraschen die Eltern der Schwestern Jesse (Kate Hudson) und Gabi (Sarah Chalke) die beiden mit einem spontanen Besuch und erfahren dabei von deren verheimlichten Leben. Der Gymbesitzer Bradley (Jason Sudeikis) erlebt mit seinen zwei Töchtern den ersten Muttertag seit dem Tod seiner Frau. Die junge Mutter Kristin (Britt Robertson) hadert mit dem Heiratsantrag ihres Freundes Zack (Jack Whitehall), der sich als Stand-Up Comedian beweisen will, und die karrieregetriebene Fernsehmoderatorin Miranda (Julia Roberts) sehnt sich nach der Liebe ihres Lebens, die sie vor vielen Jahren zurückließ. Ein Muttertag, wie ihn sich keiner der Protagonisten je erträumt hätte.

Und täglich grüßt Garry Marshall (Pretty Woman). Nach Valentinstag, Happy New Year und etlichen weiteren romantischen Komödien folgt nun der nächste Schmachtstreifen mit Schmunzelfaktor. Wieder widmet er sich einem speziellen Festtag, reichert es mit einer Vielzahl verschiedener Szenarien an und beträufelt den Liebesbraten mit einer Schar an prominenten Schauspielern. Die Erfolgsrezeptur des Amerikaners besteht auch weiterhin und hat sich nicht verändert. Wer den Regisseur kennt, der weiß zudem, dass diese scheinbar losen Handlungsstränge auf einige wenige Knotenpunkte hinauslaufen. Es eröffnet sich einem ein bunter Strauß an Persönlichkeiten und Lebenssituation. Von der geschiedenen Sandy über den verwitweten Bradley bis hin zur erfolgreichen Miranda verschlägt es die Geschichte in viele emotionale Stimmungslagen.

Dabei überschneiden sich manche schon ungewohnt früh. Hier ist Sandy die antreibende Hauptfigur, die mit Jesse bereits befreundet ist, Bradley das ein ums andere Mal über den Weg läuft, Kristin auf dem Spielplatz begegnet und mit Miranda bei einem Jobauftrag konfrontiert wird. Deren eigentlicher Grund für ihre chronische Einsamkeit und Sehnsucht nach Liebe sowie Zacks Antragsdebakel mit Kristin finden erst zu einem späteren Zeitpunkt ihre Auflösung. Bei all dem Drama bleibt das Gefühl einer Daily Soap nicht aus, das sich durch seine abwechslungsreiche aber auch teils realitätsfremde oder zumindest überzogene Inszenierung manifestiert. Leider ist genau das der große Kritikpunkt des Films, der ansonsten auf Nummer sicher geht und die Erwartungshaltung der Genrezuschauer erfüllt.

Sei es eine spontane Party samt Clown und Springburg oder der Kauf eines ganzen Blumensortiments. Geld spielt keine Rolle, solange das erwünschte romantische Ergebnis erreicht wird. Die klischeehaften Vorstadtmütter, deren einzig wahres Problem der verpasste Yogatermin zu sein scheint, sind seit Jahren gang und gäbe in amerikanischen Rom Coms. Das macht sie allerdings nicht weniger unsympathisch und abgehoben. Da kann selbst eine Jennifer Aniston oder Kate Hudson nur bedingt Potential aufbauen, während man sich von einem banalen Problem ins nächste schleudert. Dabei sind gewisse Aspekte hochinteressant: Sandys Neid auf die neue Frau ihres Ex-Manns und der Befürchtung, nur noch die Nr. 2 im Leben ihrer Söhne zu sein. Kristins lähmende Existenzängste und Zweifel. Die Schwestern, die ihr wahres Leben verheimlichen, um einem Konflikt mit ihren Eltern aus dem Weg zu gehen und viele mehr. Der Film strotzt förmlich vor relevantem Gesprächsmaterial, was unter einem Gewicht von dem Unterhaltungsgrad dienenden Slapstickeinlagen zu ersticken droht und nur in seltenen Fällen das Licht des Tages erblickt.

Mother’s Day: Liebe ist kein Kinderspiel
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Mother's Day: Liebe ist kein Kinderspiel
Fans von Garry Marshalls dürfen aufatmen und sich zumindest annähernd unterhalten fühlen. Dennoch ist der dramatische Qualitätsabfall über die letzten Jahre nicht von der Hand zu weisen und die behäbige Geschichtenerzählung inzwischen zur Alibimethode verkommen. Der originelle Romantiker wird zum Plagiat seiner eigenen Filme.
5von 10

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