(„Die Weihnachtsgeschichte“ directed by Klaus Marschall, 2016)

„Die Weihnachtsgeschichte“ läuft seit 27. November im Kino

Was ist das nur für ein Stern, der da so hell am Abendhimmel leuchtet? Für die drei Weisen Kaspar, Melchior und Balthasar ist klar, dass dieser etwas Großes ankündigen muss: die Geburt des Messias! Während sie sich auf den Weg machen, erfährt auch Maria von dem nahenden Ereignis, der Engel Gabriel hat ihr verraten, dass sie bald Mutter wird. Für die Auserkorene ist das jedoch eine etwas schwierige Situation, steht die Hochzeit mit Josef doch erst noch an – was sollen die Leute da denken? Aber den beiden bleibt ohnehin kaum Zeit, um über die Situation nachzugrübeln, denn für eine Volkszählung sind sie aufgerufen, in ihre Geburtsstadt zurückzukehren.

Zuletzt war es um die Augsburger Puppenkiste ja ein wenig still geworden. War sie in den 60ern und 70ern dank ihrer TV-Adaptionen von Kinderbüchern wie Urmel aus dem Eis oder Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer aus den deutschen Haushalten kaum wegzudenken, beschränkte sie in den letzten Jahren ihre Auftritte auf das Theater. Ein bisschen vermisst wurden sie aber schon, trotz der heute etwas altmodisch wirkenden Marionetten, weshalb es immer mal wieder Diskussionen gab, sie zurück ins Fernsehen zu holen. In der Zwischenzeit wagen die Puppenmeister jedoch den Schritt auf die große Leinwand, an den vier Adventssonntagen ist ihre Interpretation der biblischen Weihnachtsgeschichte in deutschen und österreichischen Kinos zu bewundern.

Wie es sich für die einstigen Kinderhelden gehört, wurden dabei vor die kleinen Zuschauer bedacht und zu ihren Gunsten ein bisschen was an der Geschichte herumgeschrieben. Schon wenn die drei Weisen zu Beginn des einstündigen Films vom Sternbild des Esels sprechen, wird klar, dass das hier in eine etwas andere Richtung geht. Und auch später spielt das graue Tier eine ausgesprochen prominente Rolle. Zwischenzeitlich ist es sogar so, dass die menschlichen wie göttlichen Figuren fast völlig in Vergessenheit geraten, insgesamt auch nur wenig Charakter haben, stattdessen die tierischen sich des Geschehens annehmen.

Blasphemisch wird Die Weihnachtsgeschichte dadurch natürlich nicht, trotz der diversen humorvollen Einlagen begegnen die Augsburger dem religiösen Stoff mit viel Respekt. An der positiven Botschaft, welche dem Publikum hier mit auf den Weg gegeben wird, ändern die simplen Witzchen wie Gabriels Landeprobleme schließlich nichts, auch der Dialekt- und Akzentkauderwelsch – wer hätte gedacht, dass damals die Leute schon Österreichisch und Französisch sprachen? – bleiben ohne inhaltliche Auswirkungen. Hier soll ein bisschen besinnliche Stimmung kreiert werden, dazu ein bisschen Spaß, um die lieben Kleinen über die Hintergründe von Weihnachten aufzuklären. Auf Slapstickeinlagen, ohne die Animationsfilme heutzutage kaum noch auskommen, muss man hier verzichten, nicht nur des Stoffes wegen hat man bei der Puppenshow das Gefühl, weit in die Vergangenheit gerückt zu sein.

Spannender als der recht einfache, für Erwachsene nur wenig interessante Film ist daher, wie das heutige Publikum auf eine solche bewusst altmodische Inszenierung reagieren wird – umso mehr, da es sich um ein Kinoevent handelt. Fäden, die vom Himmel kommen? Ausdruckslose Gesichter? Immerhin sind die Kulissen wieder liebevoll gestaltet, wenn auch thematisch bedingt nicht auf dem Niveau etwas von Strings, das vor einigen Jahren gezeigt hat, wie visuell abwechslungsreich Marionettenfilme sein können. Dafür gibt es hier ein paar bekannte Weihnachtsmelodien, die ausgesprochen geschickt mit jüdischen Klängen zu einem etwas anderen musikalischen Erlebnis verknüpft werden.

Die Weihnachtsgeschichte
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Die Weihnachtsgeschichte
„Die Weihnachtsgeschichte“ ist eine betont altmodische Inszenierung des biblischen Stoffes, die trotz kleinerer humorvoller Einlagen nahe an der Quelle bleibt und zusammen mit der bemerkenswerten Musik zu einem einfachen wie besinnlichen Puppenabenteuer für Kinder wird.
6von 10

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