(„Peanuts“ directed by Alexis Lavillat, 2014)

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„Peanuts – Die neue Serie – Vol. 4“ ist seit 19. September auf DVD und Blu-ray erhältlich

Zu anderen nett zu sein, ist wichtig und auch irgendwie schön. Aber auch irgendwie anstrengend. Sally beispielsweise tut sich ungemein schwer damit, jedem eine Karte zu schreiben, der ihr etwas geschenkt hat – allein schon deshalb, weil sie gar nicht mehr weiß, von wem sie was bekommen hat. Ist aber auch unfair, dass ihre beiden Omas gleich heißen. Können die nicht einfach normale Namen haben so wie normale Menschen auch?

Es sind Geschichten wie diese, welche die Peanuts immer ausgezeichnet haben: In seinen Comicstrips warf Charles M. Schulz einen Blick auf das Leben in der amerikanischen Kleinstadt und erzählte dieses aus der Perspektive von Kindern. Erwachsene wird man deshalb auch bei den zehn Folgen auf Volume 4 vergeblich suchen. Es gibt sie, ja, etwa die Lehrerin, welche jedes Mal leidend aufseufzt, wenn Peppermint Patty wieder eine neue Erklärung hat, warum sie dieses Mal ihre Hausaufgaben nicht dabei hat. Aber wir hören oder sehen sie nicht, sie bleiben wie alle anderen Nicht-Kinder ominöse Schatten außerhalb des Geschehens, die – wenn es nach Sally ginge – eigentlich kein Zuhause haben dürften. Denn dafür sind diese in der Weltsicht der Kinder einfach nicht real genug.

Aber was ist schon real in einer Welt, in der ein Hund mal davon träumt, ein großer Schriftsteller zu werden, dann wiederum als Schlittschuh-Coach arbeitet? Konsequent ist das natürlich nicht, was zum einen mit der Welt der Kinder zusammenhängt, die sich von einer Sekunde zur nächsten in etwas ganz anderes verwandeln kann. Zum anderen damit, dass hier anders als bei vielen Filmen rund um die Peanuts die Original-Strips die Grundlage bildeten. Und wo eine Geschichte meist nur aus drei Bildern besteht, da kann es keinen roten Faden geben, auch wenn man sich bemühte, thematisch ähnliche Mini-Storys zu rund sieben Minuten langen Folgen zusammenzufassen.

Der Humor ist kindgerecht eher harmlos angelegt, damit auch die jungen Zuschauer einsteigen können. Erwachsene sind jedoch ebenfalls herzlich eingeladen, bei der Serie dabei zu bleiben, denn die kleinen Alltagsgeschichten werden immer wieder von skurrilen Momenten unterbrochen sowie kuriosen Weltansichten, wie man sie eben nur als Kind haben kann. Trotz der Zielgruppe sind die Gags eher leise, die großen Slapstickeinlagen, wie man sie aus heutigen Animationswerken kennt, fehlen hier, ebenso dröhnende Popnummern. Stattdessen werden die einzelnen Geschichten mit komischen Geräuschen unterlegt, welche sehr gut zum Comicerbe passen.

Apropos: Wie bei den vorangegangenen drei Volumes haben die französischen Normaal Animation Studios recht interessante Ideen gehabt, wie die Vorlage auch in animierter Form funktionieren könnte. Immer wieder werden einzelne Szenen wie in einem Comic umrahmt, die Figuren laufen dabei manchmal von Bild zu Bild. Zudem wird viel mit Farben experimentiert, um selbst innerhalb der kurzen Geschichten möglichst viel Abwechslung zu bringen. Da sich die schlichten Designs und Hintergründe zudem sehr an den Originalzeichnungen orientieren, stört es nicht weiter, dass Peanuts kein „echter“ Zeichentrick ist, sondern dem Rechner entstammt. Vergleichbar zu Die Peanuts – Der Film ist auch die Serienvariante zwar eine moderne Interpretation des manchmal etwas altmodischen Klassikers, aber eine, die den Ursprüngen auch wirklich gerecht wird, sie respektiert und damit deren speziellen Charme unbeschadet ins 21. Jahrhundert rettet.



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Peanuts – Die neue Serie – Vol. 4
Volume 4 von „Peanuts“ nimmt erneut Originalgeschichten der Comics und kombiniert diese mit modernen technischen Möglichkeiten. Auch wenn die Geschichten trotz allem ein wenig harmlos und für manche auch altmodisch sind, der Charme der kultigen Rasselbande blieb so erhalten.
7von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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