(„Solness“ directed by Michael Klette, 2015)

Solness

„Solness“ läuft ab 23. Juni im Kino

Im Leben des renommierten Architekten Solness (Thomas Sarbacher) läuft es schon seit Längerem nicht mehr rund. Seine Ehe existiert eigentlich nur noch auf dem Papier, seit dem Tod der Kinder haben er und seine Frau Aline (Doris Schretzmayer) sich immer weiter entfremdet. Und auch bei der Arbeit ist sein inneres Feuer erloschen, junge Kollegen wie Jakob (Robert Stadlober), die er um sich schart, sind für die Ideenlieferung zuständig. Unterbrochen wird dieser trübe Alltag erst, als eines Tages die junge Architekturstudentin Hilde (Julia Schacht) auftaucht und behauptet, Solness von früher zu kennen. Mehr noch, er schulde ihr etwas. Doch so sehr er sich auch bemüht, er kann sich beim besten Willen nicht an die junge Frau erinnern.

Ein Mann liegt auf dem Kinoplakat im Dunkeln, sein Kopf an eine seltsame Apparatur befestigt, es geht um eine laszive junge Dame und ein gemeinsames Geheimnis, an das sich der Protagonist nicht erinnern kann, eine lange zurückliegende Begegnung und ein Versprechen – das deutet eigentlich einen Beitrag zum Thrillergenre an. So ganz stimmt das aber nicht, auch wenn das Drama tatsächlich oft um Abgründe geht, um kleine Psychospielchen, untermalt von eiskalten, oft düsteren Bildern.

Wenn Solness Sport treibt beispielsweise, dann ist das weder in einer schicken Villa noch einem modernen Fitnessstudio. Bedrückend ist die leere Halle, finster, unfreundlich, einsam. Und auch irgendwie brutal und grob, das Trimmdichgerät gibt einen metallischen Lärm von sich, als befände sich der Architekt im Krieg. Was gewissermaßen auch stimmt. Ein Krieg mit der Zeit, einer mit den jungen Kollegen, welche den ausgebrannten Solness bald überflügelt haben. Ein Krieg mit sich selbst, dem eigenen Körper. An einer Krankheit leidet Solness, so viel ist klar, die ihm das Leben entnimmt. Mehr erfahren wir nicht, mehr müssen wir vielleicht auch nicht erfahren.

Allgemein ist Solness nicht unbedingt ein Film, der mit Erklärungen um sich wirft. Das eine oder andere Puzzleteil findet im Laufe der knapp anderthalb Stunden zwar noch seinen Platz, beispielsweise dürfen wir erfahren, wie der alte Architekt und die mysteriöse Studentin sich kennengelernt haben. Aber nicht alles ist am Ende auch wirklich einleuchtend, manches wird impliziert, andere Punkte bleiben für immer im Dunkel des abweisenden Architekturbüros und seiner Menschen verborgen. Gerade im zwischenmenschlichen Bereich hätte Regisseur und Drehbuchautor Michael Klette, der hier Motive aus dem Theaterstück „Baumeister Solneß“ von Henrik Ibsen verwendet, ein bisschen mehr anbieten können.

Doch darum ging es wohl eher weniger, dafür feilte der deutsche Filmemacher an der äußeren Erscheinung, arbeitet viel mit kühlen Schauplätzen, lässt Gegenwart und Vergangenheit in einem undurchsichtigen Strudel miteinander eins werden. Auch Ausflüge ins pulsierende Berliner Nachtleben dürfen nicht fehlen, Bilder von rauschenden Feiern werden gezeigt, verdrängte Erinnerungsfetzen, bis man hier irgendwann gar nicht mehr so genau weiß, was noch Realität, was Einbildung ist. Die kunstvoll konstruierte bedrohliche Stimmung findet dabei zwar nie ein Pendant in der Handlung, welches erstere rechtfertigen würde, ist dabei aber doch so überzeugend in Szene gesetzt, dass man bis zum Schluss diesem selbstverlorenen, relativ unsympathischen Menschen bei seinen Kämpfen zusieht.



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Solness
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Solness
„Solness“ erzählt mit düsteren Bildern von einem Mann, dem nicht mehr viel im Leben geblieben ist und der von seiner Vergangenheit eingeholt wird. Dabei bleibt das Drama bewusst im Vagen, feilt lieber an seiner gelungenen Atmosphäre und lässt die Grenzen zwischen Realität und Vorstellung verschwinden.
7von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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