(„Taiyō no Ōji Horusu no Daibōken“ directed by Isao Takahata, 1968)

Horus Prince of the SunWährend seines Kampfes mit einigen Silberwölfen weckt der junge Horus versehentlich einen Steinriesen. Als er diesen von einem Splitter befreit, entpuppt sich Letzterer als ein Schwert. Das „Schwert der Sonne“ soll es sein, so der Gigant, und müsse von Horus neu geschmiedet werden, damit er zum Sonnenprinz werden könne. Und zu eben diesem Zweck begibt sich der Junge nach dem Tod seines Vaters auf eine Reise in den Norden. Noch bevor er dort ankommt, begegnet er dem Dämon Grunwald, der die gesamte Menschheit ausrotten will und ein kleines nahegelegenes Dorf terrorisiert.

Trotz seiner beliebten Serien Heidi und Marco, im Westen war Isao Takahata vor seinem meisterhaften Kriegsdrama Die letzten Glühwürmchen kaum einem ein Begriff. Ein Neuling im Animegeschäft war der Japaner zu dem Zeitpunkt nicht mehr, sein Debüt als Filmregisseur lag zu dem Zeitpunkt bereits zwanzig Jahre zurück. Mitbekommen hatte das seinerzeit aber kaum jemand. In Japan verschwand Horus, Prince of the Sun nach nur zehn Tagen schon aus den Kinos, in den USA lief der auch als The Little Norse Prince bekannte Film immerhin im Fernsehen. Die Deutschen blicken hingegen bis heute in die Röhre, wer die Abenteuer von Horus sehen will, ist auf Importe aus den USA, England oder Frankreich angewiesen. Und das ist umso erstaunlicher, da Horus, Prince of the Sun nicht nur Takahatas Debüt war, sondern gleichzeitig auch die erste Zusammenarbeit mit Hayao Miyazaki, der hier für Animationen zuständig war. Und die beiden waren es schließlich auch, die 1985 zusammen das legendäre Studio Ghibli gründeten.

Mit der visuellen Finesse der späteren Filme darf man das hier natürlich nicht vergleichen. Obwohl Takahata und Miyazaki drei Jahre an dem Werk arbeiteten und dabei kräftig das Budget überzogen, reichte am Ende das Geld nicht aus. Und das zeigt sich gerade bei den Actionszenen. Während der Kampf gegen einen riesigen Fisch prima gelungen ist, sind andere ein wenig holprig. Ganz schlimm wird es bei zwei Szenen, wo ausschließlich mit Standbildern gearbeitet wird. Durch schnelle Schnitte und Überlagerungen kommt zwar Dynamik ins Geschehen, was aber eigentlich ein epischer Höhepunkt sein sollte, verkommt so zu einem kuriosen Intermezzo. Von diesen unschönen Momenten und vereinzelt gewöhnungsbedürftigen Designs einmal abgesehen ist Horus, Prince of the Sun trotz seines Alters aber noch erstaunlich gut anzusehen – gerade im Vergleich zu früheren Filmen von Toei Animation (Erzählung einer weißen Schlange, Der Zauberer und die Banditen). Die skandinavischen Vorbildern nachempfundenen Hintergründe sind stimmig, vor allem durch den Einsatz von Farben wurden hier sehr ansehnliche Bilder geschaffen. Manchmal kippt die Atmosphäre auch leicht ins Surreale.

Inhaltlich ging man ebenfalls etwas neue Wege, indem versucht wurde, sich von der zuvor streng verfolgten jungen Zielgruppe zu lösen und etwas erwachsener zu werden. Blut fließt hier keins, heutige Zuschauer werden aufgrund der geänderten Sehgewohnheiten eher mit den Achseln zucken und Horus, Prince of the Sun harmlos finden. Bemerkenswert ist aber schon, wie hier zumindest ansgestrebt wurde, ein bisschen mehr in die Abgründe zu schauen und auch den Figuren mehr Tiefe zu geben. Das ist gerade bei Hilda, einem Mädchen, welches Horus später trifft, auffällig, die kontinuierlich auf der Grenze zwischen gut und böse wandelt. Und auch bei den Dorfbewohnern zeigen sich einige hässlichere Tendenzen.

Sonderlich komplex ist die Geschichte trotz dieser Ambivalenz nicht, vielmehr besteht der Film aus einer Ansammlung neuer Bedrohungen, welche überwunden werden müssen. Eine richtige Entwicklung findet dabei nicht statt, wirklich interessant sind die einzelnen Etappen auch nicht unbedingt. Dass Horus, Prince of the Sun zwischenzeitlich ein wenig schwächelt, liegt aber auch an Hildas häufigen Gesangseinlagen. Von der bewährten Kombination aus Zeichentrick und Liedern wollte man sich hier wohl nicht lösen, nur dass hier eben keine fröhlichen Ohrwürmer geträllert werden, sondern recht monotone Elegien, die das Geschehen unnötig aufhalten. Wie an anderen Stellen auch zeigt sich hier der Wille zum Kompromiss, der Film ist eine eigenartige Mischung aus Bewährtem und Neuem. Das macht Horus, Prince of the Sun zu einem historisch spannenden Film, den man allein schon der beteiligten Personen wegen mal gesehen haben sollte. Lässt man diesen ganzen Kontext jedoch weg, bleibt ein eher eintöniges Abenteuer, das nie so mitreißend wird, wie man es gern hätte.

Horus, Prince of the Sun
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Horus, Prince of the Sun
Isao Takahatas noch immer erstaunlich ansehnliches Regiedebüt versuchte 1968 mit Animekonventionen zu brechen, was zu teils interessanten Ergebnissen führte, zwischendrin aber auch schwächelt – gerade bei den eintönigen Gesangseinlagen und den Standbildactionszenen.
6von 10

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