Togetherness Staffel 1
© Warner Bros

Togetherness – Staffel 1

(„Togetherness – Season one“ directed by Mark Duplass, Jay Duplass, 2015)

Togetherness Staffel 1
„Togetherness – Die komplette erste Staffel“ ist seit 18. Februar auf DVD erhältlich

Wirklich schlecht haben es Brett (Mark Duplass) und Michelle (Melanie Lynskey) eigentlich nicht getroffen. Seit Jahren sind sie miteinander verheiratet, lieben sich noch immer, haben zwei Kinder und auch finanziell passt es dank Bretts Arbeit als Tontechniker. Doch glücklich sind sie nicht, zumindest nicht so richtig. Brett hadert mit den Umständen seines Jobs und Michelles Freudlosigkeit im Bett. Die wiederum langweilt sich über die tagtägliche Routine und ihre fehlende Aufgabe. Ihrer Schwester Tina (Amanda Peet) geht es aber auch nicht besser: Mit fast 40 ist sie immer noch Single, scheitert bei ihren Datingversuchen, auch als Verkäuferin von Hüpfburgen ist der Erfolg überschaubar. Dieses Schicksal teilt sie mit Alex (Steve Zissis), dessen Schauspielkarriere nie so wirklich begonnen hat. Und noch etwas teilen die beiden: die Schlafmöglichkeit. Beide ziehen nämlich vorübergehend bei Brett und Michelle ein, was für alle Beteiligten eine Menge Chaos bedeutet.

Lange, zu lange, hat es gedauert, bis es sich das Brüderpaar Mark und Jay Duplass mal wieder auf den Regiestuhl gemütlich gemacht hat. Untätig waren sie zwar nicht gewesen in den letzten Jahren, gerade Mark war als Schauspieler schwer beschäftigt – mit schönen (Journey of Love, Meine beste Freundin, ihre Schwester und ich) und weniger schönen (The Lazarus Effect, Tammy) Ergebnissen. Doch auf ihre typische Mischung aus lebensnahen Geschichten, Alltagsdialogen und skurrilen Figuren hat man während dieser Zeit verzichten müssen. Nun melden sich die einstigen Lieblinge der Indieszene mit ihrer ersten Serie zurück und beweisen dabei, dass die nichts von ihrer Kunst eingebüßt haben.

Der Formatwechsel hat dabei erstaunlich wenig Spuren hinterlassen. Auch dass mit HBO ein Bezahlsender die Kohle für die Produktion vorstreckte merkt man kaum, allenfalls der Verzicht auf Kameraticks wie in Jeff, der noch zu Hause lebt zeigt, dass man hier erwachsener geworden ist. Oder das, was bei den Duplass-Brüdern als erwachsen durchgeht. Tatsächlich ist Togetherness gerade deshalb so sehenswert, weil die vier Protagonisten zwar älter geworden sind, zum Teil ihren Platz gefunden haben, am Ende aber doch mit vielem zu kämpfen haben, irgendwie nicht wirklich schlau aus allem geworden sind. Wenn Brett und Alex im Auto eine imaginäre Schlagzeugeinlage darbieten, Tina aus Rache an einem Exlover dessen Grundstück verwüstet oder die Enddreißiger sich in einer besonders mitreißenden Szene ein Kick-the-Can-Duell mit Jugendlichen liefern, dann geht einem vor lauter infantilen Albernheit das Herz über.

Neu ist das natürlich nicht. „Was ist nur aus mir und meinem Leben geworden?“, haben sich in der letzten Zeit auffallend viele Filmpaare gefragt, die daraufhin von einer peinlichen Szene in die nächste stolpern. Ein bisschen erinnern die ehelichen Probleme von Brett und Michelle dann auch an die derben Komödien Bad Neighbors und Sex Tape. Nur dass die Duplass-Brüder zusammen mit Serienmitschöpfer Steve Zissis, der auch eine der Hauptrollen übernahm, nicht die traurigen Momente vergessen, nicht die hässlichen. Und hässlich ist hier einiges. Nicht in dem Sinn, dass es hier zu heftigen Auseinandersetzungen kommt, die sind eher in der Minderzahl. Vielmehr zeigt die Serie in einer bemerkenswerten Ehrlichkeit, was es heißt, nach einigen Jahren noch mit dem Partner Sex zu haben oder welche bösen Streiche die Natur dem eigenen Körper so spielen kann.

Zum Ende hin wird die Mischung aus skurrilen Momenten und lebensnahen Geschichten doch noch ein wenig konventioneller. Und warum man die inzwischen so inflationär im Fernsehen eingesetzten Cliffhanger nun auch im Tragikomödienumfeld einsetzt, das wissen nur die TV-Götter. Aber auch wenn die erste Staffel nicht ganz so stark endet, wie sie begonnen hat, so ist Togetherness doch ein kleines Juwel, das von warmherzigen und authentischen Darstellungen getragen wird und ein Muss für ein älteres Publikum ist. Umso schöner, dass trotz eher überschaubarer Einschaltquoten eine Folgestaffel bereits in den Startlöchern steht und hoffentlich auch dann ihren Weg hierher finden wird.



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Mal skurril-albern, dann wieder brutal ehrlich erzählt „Togetherness“ von den wenig idealen Lebensumständen vierer Enddreißiger. Zwar baut die erste Staffel zum Schluss ein wenig ab, bietet auf dem Weg dorthin aber so viele komische und mitreißende Szenen, dass dies kaum ins Gewicht fällt.
8
von 10