(„Brave“ directed by Mark Andrews, Brenda Chapman, Steve Purcell, 2012)

MeridaEine Prinzessin hat immer Haltung zu bewahren, sich zurückzunehmen und des Friedens willens den ältesten Sohn eines der anderen Clans zu heiraten. So will es die Tradition. Merida hat jedoch noch nie viel für die Traditionen übriggehabt. Anstatt sich in schönen Kleidern am Hof aufzuhalten, zog es sie immer mehr in die Natur, übte sich lieber am Bogenschießen als an vornehmer Konversation. Um nicht wie für sie angedacht verheiratet zu werden, ist ihr dann auch kein Trick zu schade. Einer davon schlägt jedoch völlig fehl: Als sie einer Hexe einen Kuchen abkauft, der ihre Mutter verändern soll, stürzt sie das Reich und ihre Familie fast ins Unglück.

Würde Pixar nun zur Fortsetzungsmaschine mutieren? Ein bisschen sah das 2012 danach aus. Zuvor waren mit Toy Story 3 und Cars 2 zwei Nachfolger in die Kinos gekommen, Letzterer markierte sogar den Tiefpunkt des Animationsstudios. Und für 2013 war Die Monster Uni angekündigt. Die einzige Hoffnung auf kreative Höhenflüge, wie man sie zuvor von den Kaliforniern gewohnt war, lag zwischen dem Sequeltrio versteckt. Und tatsächlich: Mit Merida betrat Pixar zwar kein komplettes Neuland, ein paar Änderungen gab es aber schon. Und die betrafen vor allem die stark weibliche Note.

Nicht nur, dass mit Titelfigur Merida erstmals eine weibliche Figur im Mittelpunkt stand, von Helen Parr in Die Unglaublichen vielleicht einmal abgesehen, Geschichte und Regie gingen ebenfalls zum ersten Mal auf eine Frau zurück: Brenda Chapman, die zuvor in Der Prinz von Ägypten Regie geführt hatte und hier nun ihr großes Pixar-Debüt ablieferte. Ganz glücklich war die Zusammenarbeit zwar nicht, Chapman wurde noch während der Produktion ersetzt, hat inzwischen auch bekannt gegeben, nie wieder mit Pixar arbeiten zu wollen. Ihr Einfluss ist aber trotz allem zu spüren: Merida ist eine junge, willensstarke Frau, die sich den gängigen Rollenmustern wiedersetzt, eingefahrenen Traditionen den Kampf ansagt, keinen Mann zum Glücksichsein braucht.

Zumindest jetzt noch nicht, denn bei aller Stärke ist Merida dann doch noch ein Kind, darf sich im Film auch immer mal wieder wie ein solches verhalten. Aber eben eins, das über sich hinauswachsen muss, bei ihren Abenteuern Kraft, Mut und Grips braucht und damit zur Identifikationsfigur vieler Mädchen werden durfte. Das ist jetzt nicht ganz neu, soll es aber auch gar nicht sein. Merida – Legende der Highlands ist eine bewusste Anlehnung an die Märchen und Legenden von einst, in der es noch echte Helden, echte Magie und zum Schluss eine echte Moral gab. Ein bisschen wandelte man hierbei dann aber doch zu sehr auf bewährten Pfaden. Die zum Teil verrückten Ideen und Anspielungen, die wir von Pixar kennen und lieben, die fehlen hier, Merida wäre ohne Weiteres auch als Disney-Märchen durchgegangen. Insgesamt ist der Film dann auch Die Eiskönigin und Küss den Frosch deutlich näher als den studiointernen Verwandten.

Das mag man durchaus als eine kleine Verschwendung empfinden, ist als Ergebnis aber doch zumindest gelungen. Das liegt zum einen am Humor, der erneut auf skurrileren Nebenfiguren basiert – die Hexe ist einfach herrlich, auch bei den Clans gibt es einige seltsame Gestalten. Zum anderen – wie sollte es anders sein? – an der umwerfenden Optik. Dass Animationen bei Pixar traditionell State of the Art sind und einige der talentiertesten Designer dort werkeln, ist bekannt. Dieses Mal kommen aber auch fantastische, mal weitläufige, dann wieder verwunschene Landschaften aus den schottischen Highlands hinzu, die man sich auch ohne Geschichte gern anschaut. Ebenfalls bemerkenswert ist Meridas Lockenpracht, die mit den sonst oft platten Haarprachten der CGI-Konkurrenz unbarmherzig den Boden wischt. Ein anderes Problem, das auch Pixar hier nicht in den Griff bekam, war das der unnatürlichen Haut der Figuren. Gerade im Zusammenspiel mit den aufwendig gestalteten Haaren und Kostümen ist der Puppenplastiklook eine ziemliche Enttäuschung, bildet einen sehr unschönen Kontrast. Perfekt ist Merida auch deshalb nicht, kein Vergleich zu vorherigen Pixar-Meisterwerken, nach dem durchwachsenen Cars 2 aber zumindest wieder ein Schritt in die richtige Richtung.



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Merida – Legende der Highlands
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Merida – Legende der Highlands
Das ansonsten sehr klassische „Merida“ gibt dem Pixar-Werk eine ungewohnt weibliche Note, zeigt sich dabei regelrecht feministisch. Das ist auch aufgrund der umwerfenden Optik und einzelner komischer Szenen sehenswert, aber insgesamt nicht auf dem hohen Niveau des Animationsstudios.
7von 10

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