(„The Care Bears’ Adventures in Wonderland“ directed by Raymond Jafelice, 1987)

Zu Hilf, zu Hilf! Der böse Zauberer des Wunderlandes hat die Prinzessin entführt. Und wenn diese nicht bald von jemandem gerettet wird, hat die Herzkönigin keine andere Wahl, als den Schurken zum obersten Herrscher zu machen. Glücklicherweise hat das weiße Kaninchen einen Plan: Sein Neffe Bunny Sauseherz und dessen Freunde, die Glücksbärchis, sollen ihm helfen, die Prinzessin zu befreien und das Wunderland zu retten. Und bis es so weit ist, darf die unscheinbare Alice, welche der Prinzessin zum Verwechseln ähnlich sieht, erst einmal deren Rolle übernehmen. Der Zauberer hat jedoch gar nicht vor, dieser Scharade tatenlos zuzusehen, und schickt deshalb seine Schwergen los, um die Bärchis aufzuhalten.

Was war eigentlich zuerst? Die Spielzeuge? Die Zeichentrickserien? Die Comics? Oder doch die Cornflakespackung? Die 80er Jahren sahen die Geburt zahlreicher Franchises, welche über alle Medien hinweg die Kinder der Herzen und die Geldbeutel der Eltern erobern sollten und dabei so erfolgreich waren, dass man oft gar nicht mehr sagen konnte, wie alles angefangen hat. Eines davon betraf die Glücksbärchis, kleine etwas pummelige Bären in den unterschiedlichsten Farben, jedes mit einem Symbol auf dem Bauch. Ursprünglich als Grußkartenmotive entstanden, wurden sie später vor allem durch ihre Fernsehauftritte bekannt. Und weil diese Lust auf noch mehr (Geld) machten, folgten ab 1985 auch diverse Kinofilme, welche die plüschigen Helden in etwas größeren Abenteuern zeigten.

Der dritte davon erschien 1987 und stellte eine Art Crossover mit Lewis Carrolls Kinderbuchklassiker „Alice im Wunderland“ dar. Brillant oder schwachsinnig? Das ist hier gar nicht so leicht zu beantworten. Auf der einen Seite wurde das Buch ohnehin in vielen Adaptionen auf seine sehr kinderaffinen Elemente beschränkt, zu einem fantasievollen Abenteuer in bunter Kulisse reduziert. Warum diese also nicht um Bären, Löwen und Elefanten erweitern, die Regenbögen aus ihren Bäuchen schießen können?

Während für das intendierte jüngere Zielpublikum dabei sicher so mancher Traum in Erfüllung ging, war Die Glücksbärchis – Abenteuer im Wunderland für Alice-Fans eine herbe Enttäuschung. Nicht nur, dass die Geschichte völlig umgeschrieben, farblose Figuren wie der namenlose Zauberer hinzugefügt wurden, die alten Bekannten sind kaum mehr wiederzuerkennen. Die neue Karriere der Raupe als Verkehrspolizist ist dabei immerhin noch ein witziger Einfall, aus der Herzkönigin eine mütterliche, herzensgute Person zu machen, überzeugt da schon weniger. Vor allem aber verlor Alice ihre etwas vorlaute, neugierige Art, wurde zu einem von Selbstzweifeln geplagten Mauerblümchen, das sich nichts zutraut. Wenn diese im Laufe des Films zur Heldin hochgepäppelt wird, hat das natürlich Vorbildfunktion für kleine Mädchen, die ebenfalls noch ihren Weg finden müssen. Nur hätte es für einen derartigen Allerweltszeichentrickfilm eben nicht die berühmte literarische Vorlage gebraucht, von dessen anarchischem Geist und Witz ist hier gar nichts mehr zu spüren.

Immerhin schimmern an manchen Stellen die surrealen Anwandlungen des Buches noch durch, ansonsten aber ist Die Glücksbärchis – Abenteuer im Wunderland ein vor allem auf Nettigkeit und Gefälligkeit bedachter Film, inhaltlich wie optisch. Sollte man über diesen irgendwie stolpern und gerade ein paar Kinder zu Hand haben, können diese unbesorgt erst einmal vor dem Fernseher geparkt werden – weder der Zauberer noch dessen unfähige Schergen, beispielsweise die ebenfalls umgedichteten Tweedledum und Tweedledee, werden jemals tatsächlich bedrohlich. Es gibt aber deutlich bessere Alternativen zu dem doch sehr mittelprächtigen und wenig kreativen Zeichentrickrelikt, welcher kommerziell dermaßen enttäuschte, dass es daraufhin ganze 17 Jahre dauerte, bis sich erneut ein Filmstudio an den Glücksbärchis versuchte.

Die Glücksbärchis – Abenteuer im Wunderland
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Die Glücksbärchis – Abenteuer im Wunderland
Wenn Glückskartenfiguren auf Kinderbuchkreaturen stoßen, ist das auf den ersten Blick eine interessante Idee. „Die Glücksbärchis – Abenteuer im Wunderland“ ist es jedoch weniger, da von dem literarischen Vorbild kaum mehr etwas übrigblieb. Die Optik ist solide, die Absicht gut, der Film als solches ist aber mittelprächtig und nur wenig kreativ.
5von 10

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