(„Small Time Crooks“ directed by Woody Allen, 2000)

Woody Allen Collection

„Schmalspurganoven“ ist als Teil der „Woody Allen Collection“ auf DVD und Blu-ray erhältlich

Der Plan ist perfekt, so denkt der nur mäßig erfolgreiche Ganove Ray Winkler (Woody Allen) jedenfalls: Vom Keller des benachbarten, leerstehenden Gebäudes aus könnte man doch ganz einfach einen Tunnel zur Bank graben und diese dadurch um all ihr Geld zu erleichtern. Und damit das im Vorfeld niemand merkt, eröffnen er und seine Frau Frenchy (Tracey Ullman) eine Bäckerei. Während sie oben Kekse bäckt und verkauft, kümmert sich der Rest der Bande um den Einbruch. Womit aber niemand gerechnet hat: Die Kekse werden zu einem wahren Renner und ziehen eine Heerschar von Kunden und sogar das Fernsehen an. Der ursprüngliche Plan wird damit bald zu den Akten gelegt und das Paar findet sich plötzlich unter den Schönen und Reichen wieder – ohne eine Ahnung zu haben, wie sie sich dort eigentlich zu verhalten haben.

Schmalspurganoven, das sind gleich zwei Filme in einem. Das Krimielement, welches sich im Titel andeutet und auch den Rahmen der Geschichte vorgibt, der beschränkt sich größtenteils auf den Anfang. Dieser ist dafür tatsächlich witzig: Wenn eine Reihe nicht allzu heller Ganoven vom großen Verbrechen träumen, sie dabei aber fast alles falsch machen, dann sind da ein paar Lacher vorprogrammiert – was wir auch Elaine May als Frenchys dämliche Cousine May verdanken. Ob das Szenario für einen ganzen Film gereicht hätte, ist fraglich, allzu viele Ideen finden sich darin nicht. Für einen unterhaltsamen Einstieg reicht es aber allemal.

Anschließend jedoch verlagert Woody Allen das Geschehen weg vom Tatort hin zu seinen Protagonisten und ihren Schwierigkeiten, sich in der neureichen Welt zurechtzufinden. Was als netter kleiner Heist Movie beginnt, wird nun zu einer Gesellschaftssatire. Viel größer werden die Ambitionen und der Anspruch bei diesem Wechsel jedoch nicht, ähnlich zu Celebrity fehlt es dafür einfach an dem nötigen Biss. Und auch dass am Ende die wohlmeinende Moral herausspringt, Geld allein macht nicht glücklich, reicht über Gemeinplätze nicht hinaus – Schmalspurganoven ist ein leichtfüßiger, eher seichter Spaß.

Ein Spaß ist die Komödie jedoch, trotz seines etwas unerwarteten Themenwechsels, trotz mangelnder Tiefe. Frenchy, die mithilfe des Kunsthändlers David (Hugh Grant) an ihrem kulturellen und intellektuellen Profil feilt, ist dabei die lohnenswertere Figur. Schön absurd sind beispielsweise die Szenen, wenn die Neureiche mit obskuren Wörtern um sich wirft, die sie zuvor in einem Wörterbuch gelernt hat – alle mit A beginnend natürlich, denn weiter ist sie noch nicht gekommen. Allein für Tracey Ullman lohnt sich der Film dann auch, nicht grundlos wurde die große Komödiantin für ihre Darstellung mit einer Golden-Globe-Nominierung belohnt. Die Männerfiguren können da nicht ganz mithalten: Der etwas schmierige David dient nur dazu, die verlogene Oberschicht zu symbolisieren, Ray ist am Ende für die nachdenklichen und etwas kitschigen Momente zuständig.

Schmalspurganoven
3.75 (75%) 16 Artikel bewerten

Schmalspurganoven
„Schmalspurganoven“ ist Heist Movie und Gesellschaftssatire in einem. Während beide Teile diverse witzige Szenen nach sich ziehen und vor allem die beiden Frauen im Ensemble glänzen, fehlt es der Komödie jedoch etwas an Biss, mehr als eine leichtfüßige, seichte Komödie ist der Film nicht.
7von 10

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