(„I Want to See the Manager“ directed by Hannes Lang, 2014)

I Want to See the Manager

„I Want to See the Manager“ läuft ab 3. September im Kino

Was haben ein indischer Geschäftsmann, chinesische Autokaufregularien und venezuelische Hausbesetzer miteinander gemeinsam? Sie hängen alle irgendwie mit einer sich verändernden Welt zusammen, in der die traditionellen Wirtschaftshierarchien nicht mehr funktionieren. Das zumindest ist der Eindruck, den I Want to See the Manager erwecken will, ohne aber wirklich etwas dafür zu tun.

Der Titel wird einigen bekannt vorkommen, stammt aus einem berühmten Zitat des amerikanischen Autors William S. Burroughs: „After one look at this planet any visitor from outer space would say ,I want to see the manager.‘“ Wer angesichts dieser Vorlage amüsante Skurrilitäten erhofft, sieht sich jedoch getäuscht, allein die chinesischen Bemühungen, der drohenden Autoflut durch strenge Auflagen und die Verlosung von Genehmigungen Herr zu werden, klingt für deutsche Ohren etwas abwegig. Der Rest der Episoden, welche Regisseur Hannes Lang in sieben verschiedene Länder führt, schwanken zwischen informativ und traurig.

Die vergeblichen Bemühungen eines als Gladiator verkleideten Italieners, Touristen gegen ein Trinkgeld zu einem Foto zu bewegen, gehen in ihrer deprimierenden Erbärmlichkeit bis an die Schmerzgrenze. Und auch ein leerstehendes Gebäude in Karakas, das einst ein Juwel des Kapitalismus werden sollte, jedoch nie fertig gestellt wurde und nun Aktivisten ein Zuhause bietet, ist weniger zu Unterhaltungszwecken geeignet. Der Beitrag über ein Altersheim in Thailand scheut nicht einmal vor Tränen zurück.

Andere Episoden haben den Blick hingegen fest auf die Zukunft gerichtet und sind dabei auch deutlich enthusiastischer. Lithium sei ihre Zukunft, erklären verarmte Bauern in Bolivien und versuchen aus diesem Reichtum Kapital zu schlagen. Ein amerikanischer Forscher schildert seine Vision, wie wir dank Kyrotechnik irgendwann einmal unsterblich werden können. Der besagte Geschäftsmann aus Indien wiederum lässt uns an Prognosen teilhaben, über den Aufstieg der Schwellenländer, den Abstieg der Industrienationen, darüber wie in einigen Jahrzehnten alles ganz anders aussehen wird. Und er tut dies mit einer so offensichtlichen Freude und ohne Erwiderung – sei es durch die Filmemacher, noch andere Protagonisten –, dass man sich insgeheim fragt, ob I Want to See the Manager vielleicht nicht doch ein Propagandafilm sein soll.

Aber das ist auch allgemein das Problem des Dokumentationsfilms: Er sagt nicht, was er will, ob er überhaupt etwas will. So interessant einzelne Episoden auch sein mögen, sie werden zu keinem echten Gesamtkonzept verknüpft. Die Auswirkungen der wirtschaftlichen Umwälzungen auf die Menschen soll beleuchtet werden, heißt es. Davon ist oft aber wenig zu spüren, die Wahl der Geschichten wirkt zu willkürlich. I Want to See the Manager eignet sich also weniger als tatsächlicher Wegweiser durch die für Außerirdische so chaotische Welt, nicht einmal als repräsentativer Querschnitt, dafür hat das hier zu wenig mit dem Alltag zu tun. Eher ist die Reise um den Globus eine hübsch bebilderte, sehr kontrastreiche Impressionensammlung, die man im Anschluss aber relativ schnell wieder vergessen hat.

I Want to See the Manager
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I Want to See the Manager
Sieben Länder, sieben Geschichten – die einzelnen Episoden von „I Want to See the Manager“ sind mal komisch, mal traurig, zwischendurch auch einfach nur informativ. Das ist vereinzelt interessant und auch hübsch bebildert, insgesamt aber zu wahllos und ohne roten Faden.
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