(„They Do It With Mirrors“ directed by Norman Stone, 1991)

Miss Marple Collection

„They Do It With Mirrors“ ist als Teil der „Agatha Christie’s Miss Marple Collection“ erhältlich

Was geht da nur vor sich in Stonygates? Auf Bitte einer Freundin besucht Jane Marple (Joan Hickson) deren Schwester Carrie-Louise Serrocold (Jean Simmons), die sie seit ihrer Kindheit kennt, aber schon viele Jahre nicht mehr gesehen hat. Inzwischen zu einer vermögenden Frau geworden, lebt Carrie-Louise mit ihrem dritten Mann Lewis (Joss Ackland), der ihr Anwesen in ein Internat für schwer erziehbare Jugendliche verwandelt hat. Ein Pulverfass, das jederzeit hochgehen kann – so zumindest die landläufige Meinung Außenstehender. Und tatsächlich kommt es während Miss Marples Aufenthalt zu einem Unglück, allerdings einem, aus dem sie nicht recht schlau wird.

Eigentlich hatte Joan Hickson nach Karibische Affäre beschlossen, nicht wieder Agatha Christies beliebte Hobbydetektivin Miss Marple spielen zu wollen. Dann aber ließ sie sich doch noch überreden, die verbliebenen zwei Romane umzusetzen. Den Anfang machte They Do It With Mirrors, das auf dem 1952 erschienenen Buch „Fata Morgana“ basiert, dem fünften großen Fall der brillanten Altjungfer. Anders als die vorangegangenen zehn Filme der Reihe wurde dieser hier seinerzeit nicht fürs deutsche Fernsehen synchronisiert, weshalb er selbst in der aktuellsten DVD-Sammlung seinen englischen Titel behält und nur im O-Ton verfügbar ist.

Fans der britischen Krimiautorin oder speziell der BBC-Filmreihe durften sich trotz der fehlenden deutschen Sprache darüber freuen, dass der Teil doch noch seinen Weg hierher schaffte – wenngleich They Do It With Mirrors aus verschiedenen Gründen eher im qualitativen Mittelfeld zu finden ist. Das erste Problem betrifft das Figurenfeld, das zwar viele potenzielle Verdächtige bereit hält, aber schon im Original unnötig kompliziert ist. Dreimal war Carrie-Louise Serrocold verheiratet, aus allen drei Ehen finden sich Überbleibsel hier. Da noch den Überblick zu behalten, wer jetzt eigentlich mit wem wie zusammenhängt, kostet wertvolle Zeit, die lieber für das Rätselraten aufgewendet hätte werden sollen.

Andererseits wird in der ersten Hälfte ohnehin nur relativ wenig geistiger Knabberkram geboten. Der obligatorische Mord findet erst spät statt, stattdessen wird ähnlich zu Bertrams Hotel lange Zeit lediglich davon geredet, dass etwas Böses passieren wird. So wie dort ist das dann auch hier nicht ganz so spannend, da die Suche nach dem Täter in den üblicherweise recht handlungsarmen Miss-Marple-Krimis nun mal der interessantere Teil ist. Hinzu kommen kleine Versäumnisse in der Verfilmung, etwa der ungelenk eingebaute Satz, der den Titel bildete. Und auch Carrie-Louise’ Einschätzung der Situation – im Buch ein zentraler Bestandteil – wurde hier nur verstümmelt wiedergegeben.

Ansonsten hält sich They Do It With Mirrors jedoch eng an die Vorlage und bietet auch die üblichen Stärken der Reihe: Die Ausstattung und das Setting des alten viktorianischen Landhauses sind stimmungsvoll, die Besetzung erstklassig. Hickson gilt als unscheinbare (und ungenierte) Schnüffelnase für viele als definitive Interpretation von Miss Marple, unterstützt wird sie dieses Mal von Veteranen wie Jean Simmons und Joss Ackland sowie dem recht unbekannten Neal Swettenham als psychisch labiler Edgar Lawson. Und auch Chief Inspector Slack (David Horovitch) ist wieder mit von der Partie, dessen Reibereien mit der besserwissenden alten Dame für humoristische Tupfer sorgen. Für einen verregneten Sonntagnachmittag oder Krimiabend reicht es, zumal eine Reihe von falschen Fährten geschickt eingebaut wurden, an denen man sich die Zähne ausbeißen darf.

Fata Morgana
4.33 (86.67%) 3 Artikel bewerten

Fata Morgana
Ausstattung und Besetzung sind bei „They Do It With Mirrors“ wieder einmal sehr gut, dafür braucht der Fall ziemlich lange, bis er einmal in die Gänge kommt. Und auch das unnötig verschachtelte Figurengefüge sorgt dafür, dass es der Miss-Marple-Krimi nur bis ins qualitative Mittelfeld schafft.
6von 10

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