3 Tuerken und ein Baby
© EuroVideo

3 Türken & ein Baby

(„3 Türken & ein Baby“ directed by Sinan Akkuş, 2014)

3 Tuerken und ein Baby DVDMan kann nicht unbedingt behaupten, dass Celal (Kostja Ullmann), Sami (Kida Ramadan) und Mesut (Eko Fresh) richtige Gewinnertypen sind. Über dreißig sind sie, leben immer noch in der Wohnung ihrer Eltern, haben keine Frauen und bald auch keinen Lebensunterhalt mehr: Das Brautgeschäft, das ihnen vererbt wurde, steht kurz vor dem Bankrott, wenn sie nicht sehr schnell sehr viel Geld auftreiben, müssen sie ihren Laden schließen. Und als wären das nicht schon genug Probleme, muss Celal auch noch seiner Ex-Freundin Anna (Jytte-Merle Böhrnsen) über den Weg laufen, über die er nie so wirklich hinweggekommen ist. Als die kurze Zeit später in einen Unfall verwickelt wird und ins Krankenhaus eingeliefert wird, steht nun Celal plötzlich in der Verantwortung, sich um Annas Baby zu kümmern – was die Situation dann komplett aus dem Ruder laufen lässt.

Etwas ältere Zuschauer oder Fans von 80er-Jahre-Komödien werden bei dem Titel natürlich sofort an den französischen Film Drei Männer und ein Baby oder auch dessen US-Remake Noch drei Männer, noch ein Baby denken müssen, die vor fast 30 Jahren zu internationalen Kassenschlagern wurden. Da kann 3 Türken & ein Baby erfolgstechnisch nicht mithalten, qualitativ ebenfalls nicht. Aber so ganz funktioniert der Vergleich ohnehin nicht, denn trotz des ähnliches Titels hat der deutsche Urahn nur relativ wenig mit den Vorbildern gemeinsam, das Baby selbst spielt zwar eine wichtige Rolle, ist letzten Endes aber nur einer von mehreren Handlungssträngen.

Das ist dann auch das eine Problem von 3 Türken & ein Baby: Statt eines roten Fadens gibt es wahllos zusammengesetzte Szenen, als würde man eine Sketchshow sehen und nicht einen Film. Regisseur und Drehbuchautor Sinan Akkus war es offensichtlich nicht genug, drei erwachsene Männer zu zeigen, die plötzlich mit einem Kleinkind herumhantieren müssen, jeder der drei Brüder bekommt auch noch eine eigene, separate Nebenhandlung zugesprochen: Während Celal schon früh die letzten Ersparnisse verspielt und deswegen verzweifelt auf der Suche nach Geld ist, versucht Sami sein Singledasein zu beenden und scheitert dabei ebenso kläglich wie sein Bruder Mesut, der von einer Karriere als Sänger träumt.

Das zweite Problem: Vieles davon ist nicht wirklich lustig. Gerade der Strang um die ambitionierten Musiker bleibt ohne zündende Idee, ansonsten wird eine Mischung aus Culture Clash, Situationskomik und Kleinjungenhumor geboten. An manchen Stellen geht das Rezept auf, etwa wenn Celal als Escortboy eine ältere Dame beglücken soll, die in der Begegnung vor allem eine Bestätigung von Klischees erhofft. Und auch Samis grandios gescheitertes Date zeigt ebenso witzig wie entlarvend die Tücken einer Internetverabredung, inklusive der kleinen (Selbst-)Täuschungen, die damit einhergehen. Oft aber plätschert 3 Türken & ein Baby etwas vor sich hin, trotz der vielen bekannten Gesichter – Christoph Maria Herbst, Frederick Lau, Jacob Matschenz und Axel Stein haben Kurzauftritte – ist die Komödie ein bemerkenswert unbemerkenswerter Film, der trotz sympathischer Figuren nie so wirklich in Fahrt kommt.



(Anzeige)

Viele Handlungsstränge, viele bekannte Gesichter, aber nur wenig gelungene Gags: „3 Türken & ein Baby“ reiht relativ wahllos Szenen aneinander, ohne sich dabei für einen roten Faden zu interessieren, bietet ein buntes Potpourri aus verschiedenen Humorsorten. Aber nicht jede davon funktioniert hier, oft plätschert die Komödie einfach unentschlossen vor sich hin.
5
von 10