Kritik

Drei Männer und ein Baby 3 hommes et un couffin

„Drei Männer und ein Baby“ // Deutschland-Start: 22. Mai 1986 (Kino) // 18. Februar 2011 (DVD)

Bislang verstanden sich Jacques (André Dussollier), Michel (Michel Boujenah) und Pierre (Roland Giraud) eigentlich prima. Gemeinsam wohnen die drei Junggesellen in einer schicken Pariser Wohnung, erfreuen sich an ihrem Leben. Diese Freude nimmt jedoch ein jähes Ende, als eines Tages auf einmal ein Baby vor ihrer Wohnungstür abgeladen wird. Genauer soll es sich dabei um die Tochter von Jacques handeln, der aber gerade beruflich im Ausland ist. Also bleibt Michel und Pierre nichts anderes übrig, als sich erst einmal des Kindes anzunehmen, während Mutter und Vater unterwegs sind. Doch das ist alles gar nicht so einfach, denn Erfahrungen mit Säuglingen hat keiner vorzuweisen. Zumal da auch noch ein anderes Paket auftaucht, das für Ärger sorgt …

Ein vergessener Superhit
Französische Komödien müssen eigentlich immer irgendwie von Liebe handeln. So besagt es zumindest das Klischee. Natürlich stimmt dieses so nicht, im Laufe der Zeit gab es doch eine Reihe von humorvollen Filmen, die daheim, aber auch international große Erfolge feierten – siehe etwa Monsieur Claude und seine Töchter oder Ziemlich beste Freunde. Ein etwas älteres Beispiel ist Drei Männer und ein Baby aus dem Jahr 1985. Heute ist der Film ein wenig in Vergessenheit geraten, so sehr, dass die Fortsetzung 2003 (18 Jahre später) nicht einmal mehr bei uns veröffentlicht wurde. Mitte der 80er sah das noch ganz anders aus. Mehr als 2,3 Millionen Besucher sahen den Film in Deutschland, er wurde jeweils für einen Oscar und einen Golden Globe nominiert. Schon 1987 gab es das Hollywood-Remake mit Tom Selleck, Ted Hanson und Steve Guttenberg.

Der Humor ist seither natürlich schon etwas in die Jahre gekommen. Die Gesellschaft hat sich in den vergangenen 35 Jahren auch so weiterentwickelt, dass mancher Witz rund um Geschlechterrollen nicht mehr so funktioniert wie damals. Die Grundkonstellation von Drei Männer und ein Baby ist hingegen zeitlos geblieben. Wenn drei Männer das erste Mal in ihrem Leben sich um ein kleines, hilfloses Wesen kümmern müssen, für welches sie so gar kein Verständnis aufbringen, dann hat das automatisch einige recht absurde Szenen zur Folge. Eine davon gibt es gleich zu Beginn der ungewollten Vaterschaft, wenn es um so elementare Fragen geht wie die Bestimmung des Alters oder die passende Windel. Verstärkt wird das dadurch, dass die Herren nicht unbedingt die praktischsten Vertreter ihres Geschlechts sind und schon an den kleinsten Aufgaben scheitern.

Grober Humor mit absurden Auflügen
Sonderlich feinfühlig ist der Film dabei nicht. Regisseurin und Drehbuchautorin Coline Serreau (Der grüne Planet) zeigt – entgegen der Geschlechterklischees – vielmehr eine Vorliebe fürs Grobe. Da darf bzw. soll auch schon mal über Exkremente gelacht werden, welche bei den drei Herren wahlweise Ärger oder Panikattacken auslösen. Und weil der Französin das wohl nicht ausreichte, kombiniert sie diese eher alltäglichen Momente mit ziemlich durchgeknallten, wenn die drei noch in eine ganz andere Geschichte hineingezogen werden. Das Baby, was eigentlich im Mittelpunkt stehen sollte, wird dann auf einmal nur noch zu einem Plot-Element unter mehreren. Das Chaos, welches anfänglich auf einem engen Rahmen stattfindet, eskaliert munter weiter, ohne dass abzusehen ist, wie es enden wird – sieht man von dem obligatorisch-süßlichen Ende ab.

Das ist alles nicht das große Arthouse, wird manchen heute vielleicht nicht mehr angemessen erscheinen oder als zu primitiv. Aber man kann noch immer mit Drei Männer und ein Baby seinen Spaß haben. Einige der Situationen sind schön bescheuert, das Schauspieltrio lässt sich mit viel Mut zur Hässlichkeit und Lächerlichkeit auf den ganzen Unsinn ein. Oft sieht man es schließlich nicht, dass sich Männer derart hysterisch und unwürdig ankeifen. Und ein bisschen Schadenfreude ist ja auch immer dabei, wenn das Kartenhaus anderer schön krachend in sich zusammenfällt, man sich daheim entspannt zurücklehnen kann, während andere durch eine – zum Teil selbsterschaffene – Hölle gehen.

Credits

OT: „3 hommes et un couffin“
Land: Frankreich
Jahr: 1985
Regie: Coline Serreau
Drehbuch: Coline Serreau
Kamera: Jean-Jacques Bouhon, Jean-Yves Escoffier
Besetzung: Roland Giraud, Michel Boujenah, André Dussollier, Philippine Leroy-Beaulieu

Bilder

Trailer

Filmpreise

Preis Jahr Kategorie Ergebnis
Academy Awards 1986 Bester fremdsprachiger Film Nominierung
César 1986 Bester Film Sieg
Beste Regie Coline Serreau Nominierung
Bestes Drehbuch Coline Serreau Sieg
Bester Nebendarsteller Michel Boujenah Sieg
Beste Nebendarstellerin Dominique Lavanant Nominierung
Beste Nachwuchsdarstellerin Philippine Leroy-Beaulieu Nominierung
Golden Globe Awards 1986 Bester fremdsprachiger Film Nominierung

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Drei Männer und ein Baby
„Drei Männer und ein Baby“ lässt drei Junggesellen an einer neuen Aufgabe verzweifeln und war damit Mitte der 80er ein großer Kassenerfolg. Zum Teil ist die französische Komödie schon in die Jahre gekommen. Ein paar schön bescheuerte Augenblicke sowie das spielfreudige Trio sorgen aber noch immer für Spaß.
6von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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