(„The Last Vampyre“ directed by Tim Sullivan, 1993)

Sherlock Holmes Die Filme

„Der letzte Vampir“ ist als Teil der Box „Sherlock Holmes – Die Filme“ seit 2. April auf DVD und Blu-ray erhältlich

Es ist ein seltsames Anliegen, mit dem Reverend Merridew (Maurice Denham) da ankommt: Ein gewisser John Stockton (Roy Marsden), Nachkomme einer längst aus der Gegend verschwundenen Familie, taucht eines Tages im kleinen Dorf Lamberly auf. Der Bevölkerung gefällt diese Vorstellung kaum, hatte man seine Vorfahren doch als vermeintliche Vampire aus der Gegend vertrieben. Was, wenn er nun auf Rache sinnt? Tatsächlich verhält sich der Neuankömmling recht seltsam, bald gibt es auch einen ersten Toten zu beklagen. Um den Frieden seiner Gemeinde besorgt, sucht Merridew daher die Hilfe von Sherlock Holmes (Jeremy Brett) und seines treuen Begleiters Dr. Watson (Edward Hardwicke). Für übersinnliche Wesen fehlt dem Meisterdetektiv zwar jeglicher Sinn, er beschließt aber dennoch, dem Dorf einen Besuch abzustatten – denn er befürchtet böse Folgen ganz irdischer Natur.

Schon Der König der Erpresser stellte Granada Television vor das Problem, aus einer Sherlock-Holmes-Kurzgeschichte einen ausgewachsenen Langfilm machen zu müssen. Während man sich dort eines Tricks behalf und diverse angeschnittene Nebenhandlungen zu einem erstaunlich homogenen Gesamtwerk erweiterte, versuchte man hier erst gar, das Ausgangsmaterial umzusetzen: Das 1924 erschienene „Der Vampir von Sussex“ dient hier lediglich als Inspirationsquelle, der einige Elemente entnommen wurden, ein Großteil des Films wurde komplett neu erdacht. So kam beispielsweise die Figur des John Stockton erst im Film dazu, auch bei der Auflösung gibt es (seltsame) Abweichungen.

Und das ist nicht der einzige Grund, weshalb Holmes-Puristen bei Der letzte Vampir die Nase rümpfen. Die Möglichkeit des Übernatürlichen wurde zwar schon zuvor mehrfach in den Geschichten des Meisterdetektivs angedeutet, allen voran in Der Hund von Baskerville, doch so offen wie hier wurde vorher noch nie mit dem Irrationalen geliebäugelt. Damit einher geht, dass Holmes hier relativ wenig zu tun bekommt. Spuren suchen? Rätsel knacken? Die üblichen Aktivitäten des brillanten Schnüfflers fehlen, sein Geist wird nur relativ selten gefordert. Genau genommen passiert hier allgemein nicht allzu viel, es gibt keine neuen Toten, Verfolgungsjagen, kaum dramatische Ereignisse. Wenn überhaupt wird hier geredet, manchmal nicht einmal das.

Das bedeutet jedoch nicht, dass Der letzte Vampir langweilig ist: Was dem vierten der fünf Langfilmspecials der Serie Die Abenteuer von Sherlock Holmes an Inhalt und Handlung fehlt, macht es durch seine gelungene Atmosphäre wieder wett. Staubige Bücher, alte Mythen, Nachtaufnahmen, dunkle Wälder und eine Ruine – es sind bewährte Elemente, die Regisseur Tim Sullivan hier einbaut und die ihre Wirkung nicht verfehlen. Und so hält einen die mysteriöse, unheilvolle Stimmung, die an die legendären Horrorwerke von Hammer Films erinnert erinnert, auch dann noch bei Laune, wenn sich diverse Längen breitmachen oder einiges nicht ganz nachvollziehbar wird.

Zudem durfte er sich auch wieder auf seinen Hauptdarsteller Jeremy Brett verlassen, dessen Darstellung von Arthur Conan Doyles legendärer Romanfigur ihn für nicht wenige zum ultimativen Holmes machten. Zwar hatte Brett hier offensichtlich wieder mit Gesundheits- und Gewichtsproblemen zu kämpfen, die versnobte und unterkühlte Interpretation seiner bekanntesten Rolle ist dafür so zeitlos gut, dass Der letzte Vampir auch für heutige Zuschauer noch eine Empfehlung wert ist.

Der letzte Vampir
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Der letzte Vampir
Mit dem Ursprungsmaterial hat „Der letzte Vampir“ nur noch wenig zu tun, zwischendurch passiert auch nicht viel. Dennoch ist die Verfilmung einer Sherlock-Holmes-Kurzgeschichte empfehlenswert, dank ihrer schön mysteriösen Stimmung und eines gewohnt überzeugenden Jeremy Bretts.
7von 10

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