(„CITIZENFOUR“ directed by Laura Poitras, 2014)

Citizenfour

„CITIZENFOUR“ ist seit 8. Mai auf DVD und Blu-ray erhältlich

Im Jahre 2013 ging NSA-Mitarbeiter Edward Snowden mit den streng geheimen Überwachungsaktivitäten der USA an die Öffentlichkeit. Um nicht sofort in die Fänge der amerikanischen Justiz zu geraten, reist er vorerst an die Südküste der Volksrepublik China. Dort versteckt er sich in seinem Hotelzimmer des „Mira Hong Kong-Hotels“. In diesem trifft sich Snowden mit den Journalisten Glenn Greenwald und Ewen MacAskill. An diese gibt er NSA-Dokumente weiter, die eigentlich streng unter Verschluss gehalten werden müssten. Die beiden Journalisten veröffentlichen diese Dokumente, ohne dabei zu Anfang den Namen ihrer Quelle Preis zu geben. Die Veröffentlichung schlägt hohe Wellen und sorgt weltweit für Empörung. Doch es ist klar, dass Snowdens Identität bald an die Öffentlichkeit kommen wird. Deshalb muss der Whistleblower aus Hongkong verschwinden und untertauchen.

Festgehalten wird diese Operation von der Regisseurin Laura Poitras, die von der ersten Sekunde an mit der Kamera dabei war. Schon allein diese Tatsache macht diese Doku zu etwas Besonderem, denn hier wird nicht rückblickend und aus Archivaufnahmen berichtet, sondern man ist quasi live und ganz nah mit dabei, wenn Snowden seine brisanten Informationen an die Öffentlichkeit bringt. Dabei ist diese Dokumentation nicht nur informierend, sondern genauso schockierend. Natürlich weiß man bereits aus den Nachrichten, wie genau Menschen heutzutage ausspioniert werden, doch dieser „größte Verstoß gegen die amerikanische Bürgerrechte“ bekommt eine besondere Note, wenn man als Zuschauer gewissermaßen höchstpersönlich von Edward Snowden darüber in Kenntnis gesetzt wird, wie genau diese Überwachung vonstatten ging. Hier wird einem doch mal wieder bewusst, was Regierungen in unserer heutigen Zeit hinter unserem Rücken so alles treiben.

An sich ist CITIZENFOUR jedoch keine Dokumentation, die ihrem Zuschauer alles bis ins kleinste Detail erklärt. Sie dokumentiert lediglich die chronologischen Abläufe der Ereignisse und der zu dieser Zeit wichtigsten Zusammentreffen, ohne dabei wertend zu sein. Eben genau das, was eine Dokumentation machen sollte. Gewisse Vorkenntnisse, vor allem im technischen Bereich, können hier allerdings nicht schaden, ansonsten ist es möglich, dass man als Zuschauer bei den ganzen Abkürzungen und Fachbezeichnungen schnell durcheinander kommt. Ansonsten gibt es nicht viel, was man diesem Film vorwerfen kann. Der von The Guardian betitelte „packendste Thriller des Jahres“ ist CITIZENFOUR jedoch nicht. Dafür ist er in der ersten Hälfte zu trocken und gewinnt nur zu Beginn der zweiten Hälfte an Spannung. Gänzlich widersprechen kann man der britischen Zeitung allerdings nicht, denn packend ist Laura Poitras‘ Doku-Sensation allemal, nicht zuletzt, da es um ein Thema geht, das uns alle direkt betrifft.

Über Edward Snowden selbst erfährt man in diesem Film nicht all zu viel. Man kann sich lediglich vorstellen, was in diesem Mann vorgeht, der alles geopfert hat, um die Öffentlichkeit zu informieren, wenn er auf seinem Hotelbett sitzt und in den Laptop starrt oder wortlos am Fenster steht und seinen Blick durch die Millionenstadt Hongkong schweifen lässt. Er wird hier nicht als strahlender Held präsentiert, sondern mehr als einsamer Krieger, der mit der Zeit immer mehr Verbündete bekommt. Dass sich diese Verbündeten selbst ins Fadenkreuz einzelner Geheimdienste begeben, wird hier nur kurz angerissen. Die weitreichenden Folgen, die Snowdens Gang an die Öffentlichkeit haben, sind immer noch nicht zu einhundert Prozent abzuschätzen. Wie es in diesem Fall weitergeht, werden die nächsten Jahre zeigen, wobei man natürlich nicht sagen kann, von wie vielen dieser Folgen wir erfahren, und wie viele wieder einmal vor uns geheim gehalten werden.

CITIZENFOUR
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CITIZENFOUR
CITIZENFOUR ist sowohl eine wichtige, als auch eine beklemmende Dokumentation, die ihr wahres Potenzial noch besser entfalten kann, wenn man sie ein wenig auf sich wirken lässt.
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