(„Che sau“ directed by Pou-soi Cheang, 2012)

MotorwayWenn andere schlafen gehen, drehen sie erst auf: die Stealth Riders. Die Aufgabe dieser Hongkonger Spezialeinheit ist es, nachts flüchtige Verbrecher zu stoppen oder bei illegalen Rennen einzugreifen – eine Aufgabe, die Neuzugang Cheung (Shawn Yue) sehr ernst nimmt. Während sein älterer Partner Lo (Anthony Wong Chau-Sang) zur Ruhe mahnt, kann er selbst seinen Fuß kaum vom Gaspedal nehmen. Aber vielleicht ist es genau dieses unbarmherzige Brennen, was das Duo für seine neue Aufgabe braucht: Der berüchtigte Meisterfahrer Jiang (Xiaodong Guo) treibt sein Unwesen, und nur die Stealth Riders können ihn noch aufhalten.

Asiatische Filme, die auch im Westen punkten wollen, stehen ja oft vor dem Dilemma: Setze ich bei der Inszenierung oder dem Inhalt zu sehr auf hauseigene Qualitäten, lande ich schnell in der Nur-für-Asiafreaks-Ecke. Versuche ich dagegen zu sehr, den Vorlieben des Westens zu entsprechen, riskiere ich, zu beliebig und austauschbar zu werden. Leider neigt Motorway eher zu Letzterem. Wäre da nicht das telegene Schauspielermodel Shawn Yue (Guillotines, Love in a Puff) und die schicken Autos, kaum etwas wäre einem bei dem Beitrag des 2012er Fantasy Filmfests in Erinnerung geblieben.

Dabei fängt der Film ungemein stylisch an, fast so unterkühlt wie bei Drive fahren wir hier durch die nächtliche Kulisse, die nur von Neonschildern, Laternen und eben Autolichtern erleuchtet wird, dazu etwas stimmungsvolle Musik. Unterschied zum bekannten Vorbild ist neben der Verlagerung der Tatzeit in die Abendstunden dass es dieses Mal eben Hongkong ist, dessen glitzernde Fassade als Hintergrund herhalten muss. Ein Nachteil ist das sicher nicht, denn die chinesische Metropole ist nicht ohne Grund ein immer wieder gern gesehener Schauplatz in Filmen.

Später kommt diesem Vergnügen aber die Handlung in den Weg und ab da wird es doch arg vorhersehbar. Zwei Cops – der eine ein hitzblütiger, talentierter Fahrer, der andere ein erfahrener Hase kurz vor dem Ruhestand – müssen zusammen einen Verbrecher stellen, der sein Auto beherrscht wie kein zweiter. Was danach passiert, werden auch weniger genreerfahrene Zuschauer erahnen, beim Drehbuch ging man keine unnötigen Risiken ein. Natürlich wird der Jungspund erst einigen Mist bauen und vom Altmeister lernen, worauf es wirklich beim Fahren ankommt (Tipp: deine Einstellung!), bevor das mit der Verbrecherbekämpfung etwas wird. Und zum Schluss gibt es das obligatorische Duell, in dem der junge Polizist sein ganzes Können unter Beweis stellen darf. So weit, so langweilig.

Dazwischen gibt es noch die ein oder andere handwerklich gut gemachte Verfolgungsjagd, glücklicherweise ohne dabei zu sehr auf Riesenexplosionen oder Massenkarambolagen zurückzugreifen. Zu sehen gibt es also einiges, Adrenalinjunkies und Autofans bekommen hier einiges geboten. Wer solche Bleifußabenteuer mag und sich nicht an den etwas platten Lebensweisheiten stört, sollte deshalb auch Motorway etwas abgewinnen können. Einen Anwärter auf den originellsten Film des Jahres oder zuviel Tiefgang sollte man aber besser nicht erwarten, mehr als eine nette Zwischenunterhaltung ist der chinesische Streifen nicht.

Motorway
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Motorway
Wenn zwei Spezial-Cops nächtliche Verbrecher verfolgen, bedeutet das für den Zuschauer viele Adrenalinschübe und schicke Aufnehmen aus Hongkong. Inhaltlich ist das sehr viel weniger aufregend, die Geschichte ist einfallslos, die Dialoge schwanken zwischen banal und pathetisch.
5von 10

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