10 Milliarden

„10 Milliarden – Wie werden wir alle satt?“ läuft ab 16. April im Kino

(„10 Milliarden – Wie werden wir alle satt?“ directed by Valentin Thurn, 2015)

Dass uns irgendwann das Erdöl ausgehen wird, ist bekannt. Der Mangel an Seltenen Erden wurde ebenfalls oft thematisiert. Und auch von Eis sollten wir uns wohl in Zukunft verabschieden, wenn die Sache mit dem Klimawandel wie prognostiziert weitergeht. Aber Essen? Wie kann das zu einem Problem werden?

In der Tat ist Hunger aus westlicher Sicht eine nicht nachzuvollziehende Randerscheinung, schließlich haben USA und Europa eher mit Fettleibigkeit zu kämpfen als mit mangelnden Körperesserven. Hungersnöte, so etwas findet wenn überhaupt nur in Afrika oder Asien statt. Aber das könnte sich ändern, wenn bis zur Mitte des Jahrhunderts die Erde auf einmal zehn Milliarden Menschen Platz bieten muss, könnte das nicht nur bei der Wohnungssuche einen harten Konkurrenzkampf zur Folge haben, sondern auch beim täglichen Gang zum Supermarkt. Die herkömmliche Nahrungsproduktion, sie wird schon bald an ihre Grenzen stoßen. Was also tun?

Regisseur Valentin Thurn ist auf dem Gebiet kein Neuling, widmete sich schon in früheren Filmen und Büchern dem Thema der nachhaltigen Ernährung. Dieses Mal will er dann auch wissen, mit welchen Strategien die Menschen rund um den Globus sich auf die drohende Essensknappheit vorbereiten. Und die Antworten fallen sehr unterschiedlich aus: Industrievertreter, Kleinbauern, Guerilla-Gardener, Forscher – sie alle kommen hier zu Wort und teilen mit Thurn und dem Zuschauer ihre jeweilige Sicht auf die Dinge.

Einiges davon ist nicht wirklich neu. Dass einige mit Hilfe von Genmanipulation versuchen, den Ertrag zu steigern, dürfte den meisten bekannt sein, ebenso dass der Fokus auf Viehfutter in ärmeren Ländern den Anbau dringend benötigten Gemüses verhindert. Doch dazwischen finden sich immer wieder Informationen, die von verblüffend bis erschreckend reichen. Pflanzenfabriken? Das hört sich nach Science-Fiction an, ist in Japan aber durchaus etabliert. Auch dass es über 700 verschiedene Reissorten gibt, die teils nur dafür gezüchtet wurden, um die Resistenz gegen Überschwemmungen oder auch gegen Salz zu erhöhen, wird nicht jeder gewusst haben. Den größten Eindruck jedoch, den hinterlässt 10 Milliarden, wenn die Dokumentation zeigt, wie Kleinbauern von der Industrie aus dem Geschäft gedrängt werden, davon erzählt, dass jedes Jahr 40 Millionen Küken getötet werden, weil sie nicht zur Eierproduktion taugen.

Ein Zufall sind diese erschütternden Szenen nicht, denn Thurn ist gar nicht so sehr an einer neutralen Auseinandersetzung mit dem Thema interessiert. Vielmehr verfolgt er deutlich spürbar eine Agenda, fordert das Umdenken der Bevölkerung: weniger Egoismus, weniger Billigfleisch, dafür ein bewussterer Umgang mit Nahrung und Bodenfläche. Legitim ist das zweifelsfrei, zum Ende des Films wird es dem Zuschauer auch schwerfallen, griffige Gegenargumente zu präsentieren. Etwas ärgerlich ist es aber schon, wenn 10 Milliarden anfangs so tut, ergebnisoffen an die Geschichte zu gehen, wenn das Fazit da längst schon feststeht.

Doch trotz dieser etwas unehrlichen Herangehensweise ist 10 Milliarden ein Film, der viele relevante Fragen aufwirft und zum Teil verblüffende Antworten auf diese bietet. Wer sich auch nur ansatzweise für das Thema interessiert, darf nach dem Kinobesuch diverse lohnenswerte Denkansätze mit nach Hause nehmen. Und auch wer sich bislang keine großen Gedanken zu seiner Ernährung gemacht hat, dürfte hier ins Grübeln kommen.

10 Milliarden – Wie werden wir alle satt?
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10 Milliarden – Wie werden wir alle satt?
Was tun, wenn das Essen knapp wird? „10 Milliarden“ geht dieser Frage nach und präsentiert diverse Lösungsansätze aus der ganzen Welt. Der Ansatz ist zwar nicht unvoreingenommen, der Film verfolgt eine deutliche Agenda. Aber die einzelnen Segmente sind zum Teil so verblüffend, dass sich der Kinobesuch nicht nur für Gutmenschen lohnt.
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