(„Les Souvenirs“ directed by Jean-Paul Rouve, 2014)

Zu Ende ist alles erst am Schluss

„Zu Ende ist alles erst am Schluss“ läuft ab 26. März im Kino

Bei Michel Esnard (Michel Blanc) stehen die Zeiger auf Umbruch: Erst stirbt sein Vater, dann muss er sein neues Rentendasein verkraften, seine Ehe mit Nathalie (Chantal Lauby) lief auch schon mal besser. Als seine Mutter Madeleine (Annie Cordy) unglücklich stürzt, ist die Katastrophe komplett: Sie in Zukunft allein leben zu lassen, erscheint Michel zu riskant. Und so beschließt er zusammen mit seinen Brüdern, sie in ein Altersheim zu geben. Doch die rüstige Dame denkt nicht dran, sich so abschieben zu lassen, und nimmt recht schnell Reißaus. Nun muss es ihr Enkel Romain (Mathieu Spinosi) richten, der schon immer einen guten Draht zu ihr hatte. Dabei hat er selbst genug damit zu tun, seinem Leben eine Richtung zu geben.

Frankreich, das Land der erlesenen Weine, des aromatischen Käses und der großen Lacher: Seitdem Filme wie Ziemlich beste Freunde oder Monsieur Claude und seine Töchter auch hierzulande Millionen Menschen in die Kinos lockten, sind deutsche Verleihe spürbar verstärkt im Nachbarland unterwegs, um dort den nächsten potenziellen Blockbuster zu finden. Zu Ende ist alles erst am Schluss ist nun der nächste Versuch, mit französischem Humor hiesige Kassen zu füllen, und hat mit Chantal Lauby aus Monsieur Claude dann auch gleich eine passende Darstellerin auf Lager. Doch Zu Ende ist ganz anders als die populären Vorbilder, wer hier bissige,  nicht immer politisch korrekte Witze einfordert, wird am Ende ein langes Gesicht machen. Den anderen wird Regisseur und Ko-Autor Jean-Paul Rouve hingegen in der Zwischenzeit ein Lächeln dorthin gezaubert haben – aus mehreren Gründen.

Witzig ist Zu Ende nämlich durchaus, etwa bei den absurden Versuchen von Romains Mitbewohner Karim (William Lebghil), endlich eine Frau zu finden. Und auch die Nebenhandlung um einen herrlich unbegabten Hobbymaler oder Michels chronische Entschlusslosigkeit sorgen immer wieder für unterhaltsame Momente. Aber es ist ein leiser Humor, der mit seinen leicht kauzigen Charakteren eher zum Schmunzeln anregt, weniger als Schenkelklopfer taugt. Insgesamt hält sich die Verfilmung des Romans „Souvenirs“ von David Foenkinos, der auch am Drehbuch schrieb, meist mit großen Szenen zurück, beschwört eher den Alltag anstatt dramatischer Auftritte.

Das wird für den einen oder anderen vielleicht zu wenig sein, den Eindruck haben, dass die Geschichte etwas unmotiviert vor sich hinplätschert. Verstärkt wird dieser durch das Fehlen eines durchgängigen Themas. Handelt der Film von Liebe? Von familiären Zusammenhalt? Von den Schwierigkeiten des Älterwerdens? Von allem ein bisschen. Zu Ende ist, so großspurig sich das auch anhören mag, ein Film über das Leben, von den komplizierten Anfängen, dem traurigen Ende und der ständigen Suche dazwischen. Eine wirkliche Hauptperson gibt es dabei nicht. Während wir Romain bei seinem Versuch zusehen, seine eigene Spur zu finden, ist der Blick von Madelaine nach hinten gewandt, zu ihrer Vergangenheit und ihren Erinnerungen. Michel und Nathalie hingegen stecken irgendwo dazwischen fest, schauen mal nach vorne, mal nach hinten und sind dabei auch kein Deut schlauer.

Doch trotz dieser häufigen Stolpersteine und Unzulänglichkeiten, ein Problemfilm ist Zu Ende nicht. Stattdessen steckt er voller wunderschöner Momente, warmherzig, sentimental, aber ohne Kitsch, feiert das Leben, so ziellos und vertrackt es manchmal auch sein mag. Zu einer wirklichen Aussage können sich Rouve und Foenkinos zwar nicht durchringen – außer vielleicht dem Allgemeinplatz, bewusst zu leben, anstatt auf das Leben zu warten –, aber das braucht es nicht wirklich. Die Charaktere sind authentisch genug, die Situationen irgendwo auch, sodass die meisten sich in der Familie Esnard wiederfinden dürften, um mit ihnen gemeinsam durch das große Mysterium Leben zu stolpern.

Zu Ende ist alles erst am Schluss
3.88 (77.65%) 17 Artikel bewerten

Zu Ende ist alles erst am Schluss
Wer bissigen Witz sucht, ist hier falsch. Stattdessen lässt uns „Zu Ende ist alles erst am Schluss“ durch das Mysterium Leben stolpern. Das ist zwischendurch etwas ziellos und insgesamt eher von ruhigen Momenten geprägt, dank der leicht kauzigen Charaktere gleichzeitig aber auch witzig und wunderschön.
8von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.