(„Tracks“ directed by John Curran, 2013)

SpurenEs hört sich nach Wahnsinn an, was Robyn Davidson (Mia Wasikowska) da vor hat, vielleicht auch nach Todessehnsucht: einmal durch die westliche Wüste Australiens wandern, 3.200 Kilometer lang, allein. Dass die 24-Jährige keinerlei Erfahrung hat, nicht einmal das Geld für die Ausrüstung, hält sie ebenso wenig ab wie die Überredungsversuche von Freunden und Familie. Mehrere Monate arbeitet sie für einen Kamelhändler, um die Tiere besser kennenzulernen und zu trainieren. Und auch für das finanzielle Problem findet sie eine Lösung: Sie schreibt für das berühmte „National Geographic“-Magazin einen Reisebericht und willigt zudem ein, dass Fotograf Rick Smolan (Adam Driver) unterwegs vereinzelt Aufnahmen von ihr macht. Doch die meiste Zeit über wird sie tatsächlich auf sich gestellt sein, begleitet nur von ihrem Hund und vier Kamelen.

Als sich Davidson 1977 auf den langen Weg machte, dann auch um dem Trubel der Welt zu entkommen, dem Überfluss, der Enge. Aber schon während der Reise zeigte sich, dass das nicht ganz so einfach ist. Immer wieder wurde sie unterwegs von Touristen oder Journalisten heimgesucht, die unbedingt die zur Berühmtheit aufgestiegene „Camel Lady“ treffen wollten. Am Ende schrieb sie nicht nur den vereinbarten Artikel, sondern auch das Buch „Tracks“, der zum Bestseller wurde und die Grundlage für den Film lieferte.Spuren Szene 1

Während diese unfreiwilligen Begegnungen fast schon etwas Komisches haben, wird der Konflikt zwischen ihrer Sehnsucht nach Ursprünglichkeit und der Allgegenwärtigkeit der Zivilisation nirgends deutlicher als in der komplizierten Beziehung zwischen Davidson und Smolan. Schon das erste Aufeinandertreffen findet nicht unbedingt auf Augenhöhe statt: Sie ist mürrisch, eigensinnig und so gar nicht angetan von dem allzu enthusiastischen Fotografen. Und doch ist der in dem Moment fast kindliche wirkende Mann deutlich pragmatischer als die etwas naive Weltenflüchterin, die unnachgiebig an ihrem Traum festhält, sich aber nicht mit unromantischen Details wie Wassermangel oder gefährlichen Tiere befassen mag. Und dieser Gegensatz wiederholt sich immer wieder im Laufe des Films: Sie versucht, die Zivilisation hinter sich zu lassen, er will sie überall etablieren.

Überhaupt sind es die Begegnungen, die das Profil von Davidson hier schärfen. Anders als das Buch ist Spuren nicht aus der ersten Person erzählt, es gibt keine inneren Monologe, wie wir sie in Reiseabenteuern à la Life of Pi zu hören bekommen. Stattdessen sind es Tiere, Aborigines, Aussteiger, aber eben auch ihre Anhänger und Smolan. Erweitert wird das Angebot noch durch Flashbacks, die mehr über das Vorleben der Abenteuerin erzählen. Wirklich notwendig wären die jedoch nicht gewesen, denn sie haben meist nichts mit den aktuellen Geschehnissen zu tun, zerstören zudem ein wenig das Gefühl, mittendrin zu sein.Spuren Szene 2

Denn dieses ist an anderen Stellen sehr stark: Spuren bietet wunderbar raue, teils gespenstisch schöne Landschaftsaufnahmen, in denen man sich als Zuschauer schnell und gern verliert. Natürlich setzt dies eine gewisse Empfänglichkeit für stark von der Natur geprägte Filme voraus. Fehlt diese, droht Langeweile: Die Handlung ist überschaubar, abgesehen von einigen dramatischeren Momenten entschied sich Regisseur John Curran (Stone) für ein ruhiges, fast meditatives Drama.

Sehenswert ist hier neben der Umgebung aber auch wieder einmal Mia Wasikowska. Die australische Schauspielerin – selbst begeisterte Reisefotografin – verkörpert nuanciert die junge Frau, die auf der Suche nach sich selbst nicht nur mit der Welt um sie herum, sondern auch mit ihren inneren Widersprüchen zu kämpfen hat. Auch aus diesem Grund hat die über 35 Jahre alte Geschichte einen zeitlosen Charakter: Jeder dürfte irgendwann einmal zuviel von allem gehabt und seinen Platz auf dieser Erde gesucht haben. Und manchmal führt einen diese Suche eben an die entlegensten Orte, bei denen man sich das Schlafquartier mit dem Nichts, den eigenen Gedanken und vielleicht einer Handvoll Tiere teilt.

Spuren ist seit 28. Oktober auf DVD und Blu-ray erhältlich

Spuren
3.45 (69.09%) 11 Artikel bewerten

Spuren
Die Buchverfilmung Spuren erzählt die reale Geschichte einer jungen Frau, die allein die Wüste Australiens durchquerte. Sehr ereignisreich ist das nicht, für viele wird der Film zu ruhig sein. Der Rest darf sich aber auf wunderbare Landschaftsaufnahmen und eine stark spielende Hauptdarstellerin freuen.
8von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.