(„A Case of You“ directed by Kat Coiro, 2013)

iLove – geloggt, geliked, geliebtMan kann nicht unbedingt behaupten, Sam (Justin Long) stünde mit beiden Beinen fest im Leben. Beziehungen kann er keine vorweisen, ein rechtes Ziel vor Augen hat er nicht, sein Geld verdient der Schriftsteller mit dem Adaptieren zweitklassiger Fantasyfilme. Das beschafft ihm zwar Fans, und davon leben kann er auch. Aber sein Traum war eigentlich ein anderer: einen echten Roman schreiben. Und seine Fantasie wird in der letzten Zeit kräftig befeuert, seitdem er in seinem Stammcafé die Kellnerin Birdie (Evan Rachel Wood) sieht. Als die jedoch entlassen wird und sich damit seine Chancen auf näheres Kennenlernen in Luft auflösen, kommt er dank seines Mitbewohners Eliot (Keir O’Donnell) auf die Idee, ihr mit Hilfe des Internets näherzukommen. Und so verbringt Sam seine Zeit damit, ihr Online-Profil in- und auswendig zu lernen, um so zu ihrem Traummann zu werden.

Ob wir es nun gut finden oder nicht, das Internet ist längst mit unserem Alltag verschmolzen, ein Leben ohne ist kaum mehr vorstellbar. Ein Wunder ist es daher nicht, wenn immer mehr Filmemacher das Netz als Thema entdecken, darüber sprechen, wie es uns und unseren Umgang miteinander beeinflusst. Während viele damit jedoch auf die Gefahren aufmerksam machen wollen (Disconnect, Homevideo), soll mit iLove – geloggt, geliked, geliebt eine Lanze gebrochen werden für die Möglichkeiten, die wir auf diese Weise erhalten. Denn ja, natürlich ist es praktisch, Vorlieben des anderen schon im Vorfeld zu erfahren und sich so besser darauf einstellen zu können.iLove – geloggt, geliked, geliebt Szene 1

Hat die Idee hinter dem Film noch Charme, kann man das vom dem Ergebnis nur bedingt behaupten. Von Anfang ist wird deutlich, dass iLove zunächst einmal als Liebeskomödie gedacht ist. Das wäre ja dem Thema im Prinzip durchaus angemessen, wenn nur die Witze komisch wären. Doch ein ums andere Mal verpuffen die Gags wirkungslos, dem Humor fehlen einfach die Leichtigkeit und auch die originellen Einfälle, die es gebraucht hätte. Schlimmer noch, der Film schafft es sogar, das versammelte Potenzial seiner Nebendarsteller zu vergeuden. Ob Sam Rockwell als versponnener Gitarrenlehrer, Birdies tuntiger Kollege Gerard (Peter Dinklage) oder Vince Vaughn in der Rolle von Sams geldgeilen Verleger Alan, sie alle bleiben erschreckend blass.iLove – geloggt, geliked, geliebt Szene 2

Besser wird es, wenn sich das Drehbuchtrio Justin und Christian Long sowie Keir O’Donnell stärker dem Zwischenmenschlichen widmet. Wenn es gar nicht mehr darum geht, die Zuschauer zum Lachen zu bringen, sondern darüber nachzudenken, was eigentlich eine Beziehung ausmacht. Wie viel Gemeinsamkeiten braucht es, was muss man voneinander wissen? Wie viel sollte man aufgeben? Gerade in der zweiten Hälfte schleichen sich dann immer wieder Szenen in die Geschichte, die sich zwar auf Allgemeinplätzen tummeln, dafür aber warmherzig und auch authentisch sind. Mit dem Internet hat das dann zwar nicht mehr viel zu tun, und ein bisschen Kitsch darf da auch nicht fehlen. Doch immerhin fällt es als Zuschauer nicht schwer, sich ein wenig mit dem linkischen Sam mitzufühlen, der alles dafür tun würde, um mit Birdie zusammen zu sein und sich dabei selbst vergisst.

iLove – geloggt, geliked, geliebt ist seit 8. August auf DVD und Blu-ray erhältlich

iLove – geloggt, geliked, geliebt
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iLove – geloggt, geliked, geliebt
Eine Liebeskomödie über einen Mann, der mit Hilfe des Internets seine Herzdame erobern will, das klingt charmanter als es ist. Während die erste Hälfte aufgrund langweiliger Witze nicht wirklich überzeugt, kommen später einige schöne Szenen über die Bedeutung von Beziehungen dazu.
5von 10

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